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Herti-MordTäter hat ein Problem mit Vaterfiguren

Gestern wurde der Herti-Mord vor dem Zuger Obergericht verhandelt. Dabei kam heraus: Das 52-jährige Opfer soll einem «Feindbild» des Täters entsprochen haben.

von
mfe
Vor diesem Hauseingang wurde der 52-Jährige getötet. Foto: mh

Vor diesem Hauseingang wurde der 52-Jährige getötet. Foto: mh

Der heute 23-jährige gebürtige Brasilianer hatte im Herbst 2007 einen 52-jährigen Mann vor dessen Haus im Hertizentrum in Zug erwürgt und danach dessen Wohnung ausgeräumt. Das Zuger Strafgericht verurteilte ihn 2010 unter anderem wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren.

Im gestrigen Berufungsprozess vor dem Obergericht plädierte der Verteidiger auf Totschlag statt Mord: Der Angeklagte habe sich bei dem Mann für einen Diebstahl entschuldigen und ihn zum Rückzug einer Strafanzeige bewegen wollen. Weil dieser ihn abgewiesen und mit der Faust auf die Brust getroffen habe, seien beim Angeklagten «die Sicherungen völlig durchgebrannt». Die Begründung dafür sei im Laufe der Psychotherapie in der Strafanstalt ans Licht gekommen. Jahrelang sei er als Kind und Jugendlicher von seinem Vater physisch, psychisch und sexuell missbraucht worden. Die schlechten Erfahrungen hätten ihn traumatisiert: Männer im Alter seines Vaters seien für ihn zu einem Feindbild geworden. Er habe sich von ihnen nichts mehr sagen lassen wollen.

Der Verteidiger beantragte eine Strafe von maximal 7 Jahren wegen Totschlags; selbst im Falle einer Verurteilung wegen Mordes dürfe das Strafmass bei höchstens 13 Jahren liegen. Der Staatsanwalt sprach sich dagegen für eine Straferhöhung auf 17 Jahre aus. Das Urteil wird später schriftlich bekanntgegeben. (mfe/20 Minuten/sda)

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