Kind erstickt: Täter im Fall Bonstetten soll verwahrt werden

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Kind ersticktTäter im Fall Bonstetten soll verwahrt werden

Für den 63-Jährigen, der seinen 4-jährigen Sohn umgebracht hat, fordert der Staatsanwalt neben einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe eine Verwahrung. Der Verteidiger beantragt 7 Jahre Haft.

Der Staatsanwalt fand vor dem Bezirksgericht Winterthur deutliche Worte für den Vater, der im Jahr 2010 seinen Sohn erstickte. Er beschrieb ihn als «krassen Egoisten», der die Schuld immer bei anderen suche. «Alle anderen waren schuld am Tod des Knaben - nur nicht er.» So fasste der Staatsanwalt am Donnerstag in seinem Plädoyer die Denkweise des Treuhänders zusammen. Der Beschuldigte habe nach dem Tötungsdelikt sogar die Bonstetter Gemeindebehörden verklagen wollen, weil sie es zugelassen hätten, dass er seinen Sohn tötete.

Der Angeklagte habe sich selber als Richter und Henker aufgespielt und das Leben seines Kindes geringgeschätzt, sagte der Staatsanwalt. «Er opferte seinen Sohn, um den Kampf gegen die Ex-Partnerin zu gewinnen.»

Dazu passt, was der Beschuldigte in einem Brief festhielt: «Wenn das Recht auf der Seite von ihr ist, dann spielen Seelen keine Rolle mehr.»

«Ohne Vorwarnung Kinder ermorden»

Der Mann werde auch in Zukunft «ohne Vorwarnung Kinder ermorden», zeigte sich der Staatsanwalt überzeugt. Neben einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe wegen Mordes fordert er deshalb eine Verwahrung. Diese endgültige Massnahme sei notwendig, weil die Rückfallgefahr erheblich sei.

Der Staatsanwalt rechnete vor, dass der Angeklagte bei einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe mit Mitte 70 wieder in Freiheit wäre. Auch dann könne er wieder eine Frau kennenlernen und in einer ähnlichen Situation enden. Eine Therapie sei bei diesem Beschuldigten zwecklos.

Seit seinem Mordversuch am ersten Sohn im Jahr 1990 seien alle Therapieversuche erfolglos geblieben, weil er die Fassade des rechtschaffenen Bürgers nie fallenlasse.

Anwalt beantragt sieben Jahre Freiheitsstrafe

Der Verteidiger des 63-jährigen Schweizers sagte dagegen, dass die Tat als vorsätzliche Tötung einzustufen sei. Er beantragt für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Die Tötung des Kindes sei zwar schlimm - aber nicht jede Tötung eines Kindes sei ein Mord. «Für einen Mord braucht es eine besondere Skrupellosigkeit. Diese liegt aber in diesem Fall nicht vor.»

Sein Mandant wisse nicht, wie er den Tod verursacht habe, sagte der Verteidiger. Der Mann habe seinen Sohn vor einem Leben schützen wollen, das seiner Ansicht nach nicht gut für den Knaben sei.

Gutachten soll Klärung bringen

Das Winterthurer Bezirksgericht will mit seinem Urteil zuwarten, bis in voraussichtlich etwa zwei Wochen ein neues Gutachten vorliegt. Es soll klären, ob eine Verwahrung angemessen wäre. Möglicherweise wird danach sogar noch eine zweite Einschätzung in Auftrag gegeben.

Mit diesem Entscheid folgt das Gericht dem Anwalt des beschuldigten Schweizers. «Wird er verwahrt, ist die Chance gross, dass er das Gefängnis nie mehr lebend verlassen wird», begründete der Verteidiger seinen Antrag auf ein ergänzendes Gutachten, das explizit auf die Frage der Verwahrung eingehen soll.

150'000 Franken Entschädigung für die Mutter

Der Anwalt der Mutter forderte für den Tod des Jungen eine Entschädigung in der Höhe von 150'000 Franken. Der Tod ihres Sohnes belaste seine Mandantin immer noch sehr.

Sie habe starke Schuldgefühle und frage sich oft, ob sie im Streit mit ihrem Ex-Partner hätte anders handeln müssen, als auf die Gemeinde Bonstetten zu vertrauen. Ihr Verteidiger bezeichnete den Beschuldigten als «diabolischen Meister der Kommunikation». «Dieser Mann ist eine lebende Zeitbombe».

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