Aktualisiert 05.06.2014 08:12

Sexting-Fall

Täter verlangte Nacktfotos von Beliebern

Der 22-jährige Jan S. muss sich im Aargau wegen Sexting vor Gericht verantworten. Eines seiner Opfer erzählt, wie er an Belieber-Treffen Minderjährige um den Finger wickeln konnte.

von
Vroni Fehlmann
Der Beschuldigte J. S.* soll mit mehreren Beliebern in Kontakt gewesen sein.

Der Beschuldigte J. S.* soll mit mehreren Beliebern in Kontakt gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm AG hat gegen den 22-jährigen Schweizer Jan S.* Anklage erhoben, weil er männliche Minderjährige geködert und von ihnen Nacktbilder verlangt haben soll. Auch der heute 17-jährige Luca N.* wurde von ihm angeschrieben. «Ich war Mitglied der Facebook-Gruppe der Schweizer Beliebers, einer Fangemeinschaft von Justin Bieber. S. war ebenfalls Mitglied.» Einmal habe die Belieber-Gruppe dann ein Treffen in Zürich veranstaltet, an dem sowohl Täter S. als auch N. teilgenommen hätten. «Dort haben wir miteinander gesprochen, er war eigentlich ein sehr lieber Typ», sagt N. Deshalb hätten sie schliesslich auch die Telefonnummern ausgetauscht.

S. habe behauptet, er sei 16 Jahre alt und stamme aus Ex-Jugoslawien. «Anfangs haben wir über ganz banale Dinge geschrieben. ‹Hallo, wie gehts?› und solche Dinge. Irgendwann sagte er mir, dass er schwul sei.» Auch N. ist homosexuell. S. habe ihn deshalb gebeten, ihm Nacktbilder zu schicken. Der damals 16-Jährige weigerte sich allerdings. «Er war ohnehin nicht mein Typ.» S. habe ihn schliesslich nach Bern eingeladen. Da N. allerdings nicht in der Nähe wohnt und S. auch nicht «sein Typ» war, wollte er an diesem Treffen nicht teilnehmen.

Wahrheit kam auf Polizeiposten ans Licht

«Dann schrieb mir plötzlich seine ‹Kollegin›. Sie erklärte, dass S. Anführer einer krassen Gang sei. Für S. sei es eine Beleidigung, wenn ich das Treffen ablehnen würde.» N. habe ihr daraufhin erklärt, dass Bern zu weit entfernt sei. «Daraufhin meldete sich S. wieder und auch er schrieb, dass es nicht okay sei, wenn ich ihn nicht treffen würde. Er wurde zunehmend aggressiver.» Schliesslich schrieb seine Freundin erneut, dass die Gang von S. bei N. vorbeikommen werde.

N. löschte die Nummern daraufhin. Nach rund drei Monaten meldete sich schliesslich die Aargauer Polizei. «Ich war überrascht – es hiess, ich solle vorbeikommen und eine Aussage machen.» Erst auf dem Polizeiposten habe N. erfahren, dass S. nicht 16 sondern 21 Jahre alt war und zudem Schweizer ist. Ausserdem seien beide Telefonnummern – die Handynummer von S. und die seiner «Freundin» – auf S. zugelassen gewesen. «Es macht mir schon ein bisschen Angst, dass solche Dinge passieren können, sogar in meinem Umfeld», sagt N.

Täter suchte sich Opfer unter den Beliebern

S. hatte es nicht nur auf N. abgesehen. Laut Staatsanwaltschaft habe er insgesamt acht Jugendliche dazu gebracht, ihm Nacktbilder zu schicken. Seine Opfer suchte S. offenbar zu einem grossen Teil in der Belieber-Szene. «Ich kenne zwei weitere aus der Gruppe, denen das ebenfalls passiert ist. Einer von ihnen hat schliesslich eine Anzeige gegen S. erstattet», sagt N. Ob sie ihm Bilder von sich geschickt haben, weiss er nicht. Ausserdem habe S. einen angeblichen besten Freund in der Belieber-Gruppe gehabt. Doch N. glaubt, dass S. auch ihn um den Finger gewickelt habe. «Selbst er wusste nicht, dass es nicht stimmte, dass S. erst 16 Jahre alt war.»

Dem 22-Jährigen drohen jetzt bis zu 15 Jahre Haft wegen mehrfacher sexueller Nötigung Minderjähriger und mehrfacher Pornografie. N. hofft, dass er eine gerechte Strafe bekommt. «Er wusste ja, dass das verboten war, und die Betroffenen, die darauf eingegangen sind, werden diese Erfahrung nie mehr vergessen. Ich hoffe, sie können das Erlebte gut verarbeiten.» Der 17-Jährige ist froh, dass er nicht auf die Forderung von S. eingegangen ist, ihm Bilder von sich zu schicken. «Wer weiss, was dann passiert wäre.»

*Namen der Redaktion bekannt

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