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Messerattacke bei MünchenTäter wählte Tatort und Opfer willkürlich

Das Landeskriminalamt in Bayern informierte zum Tathergang in Grafing bei München. 20 Minuten berichtete live.

von
kfä
Tödlicher Messerangriff: Die Polizei ermittelt am Tatort Grafing in Bayern. (10. Mai 2016)

Tödlicher Messerangriff: Die Polizei ermittelt am Tatort Grafing in Bayern. (10. Mai 2016)

Keystone

Ein offenbar geistig verwirrter Mann hat am S-Bahnhof in Grafing nahe München einen Fahrgast erstochen und drei Männer mit einem Messer verletzt. Ein Verletzter schwebte in Lebensgefahr. Es gab keine Hinweise auf einen islamistisch-terroristischen Hintergrund der Tat.

Der Innenminister des Bundeslandes Bayern, Joachim Herrmann sagte, dass der festgenommene mutmassliche Täter offenbar psychische Probleme habe und auch drogenabhängig sei. Der 27-Jährige Deutsche legte laut Herrmann bei der Vernehmung ein Geständnis ab. Der Mann, ein gelernter Schreiner, sei seit zwei Jahren arbeitslos.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière sprach von einer «abscheulichen, feigen Messerattacke». «Das Motiv dieser Tat sei noch nicht abschliessend geklärt, fügte er hinzu.

Die Staatsanwaltschaft zweifelt an der Schuldfähigkeit des jungen Mannes. Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich sagte, dessen Aussagen bei den bisherigen Vernehmungen seien «verwirrend» gewesen. Der Mann solle am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Ihm wird Mord sowie versuchter Mord in drei Fällen vorgeworfen.

Nach den Ermittlungen war der aus Hessen stammende Mann noch am Wochenende in psychiatrischer Behandlung gewesen. Am Montag fuhr er mit dem Zug von Fulda nach München. Weil ihm das Geld für eine Übernachtung in einem Hotel fehlte, hielt er sich längere Zeit im Münchner Bahnhof auf. Am Dienstag gegen 1.30 Uhr kam er nach Grafing, wie die Ermittler rekonstruierten.

Angriff im Morgengrauen

Der Angreifer war laut Landeskriminalamt gegen 4.50 Uhr barfuss in die erste an dem Tag nach München fahrende S4 gestiegen. Dort stach er auf einen 56-jährigen Fahrgast ein. Der Mann aus dem nahen Wasserburg am Inn erlag kurze Zeit später in einem Spital seinen schweren Verletzungen.

Auf dem Perron attackierte der 27-Jährige einen weiteren Mann mit einem Küchenmesser. Anschliessend stach er auf dem Bahnhofsvorplatz auf zwei Velofahrer ein. Die drei Männer waren im Alter von 58, 43 und 55 Jahren. Einer der Verletzten schwebte nach Angaben der Polizei noch in Lebensgefahr.

Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund fanden die Ermittler nach Angaben des bayerischen Innenministers Herrmann nicht. Der Staatsschutz habe keine Erkenntnisse über den 27-Jährigen. Es werde aber geprüft, ob ein politischer Hintergrund vorliege.

Der Polizei aufgefallen

Weiter berichtete der Minister, dass der Mann vor zwei oder drei Tagen der Polizei in einem anderen Bundesland aufgefallen sei, weil er sich «ungewöhnlich» aufgeführt habe. Weitere Details nannte Herrmann nicht. Zu einem möglichen Motiv konnte er nichts sagen.

Nach Polizeiangaben rief der mutmassliche Täter bei seinem Angriff unter anderem: «Ungläubiger, du musst jetzt sterben» und «Allahu-Akbar» (Gott ist gross).

Obwohl es keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund gibt, wollten die Ermittler einen möglichen Glaubenswechsel des mutmasslichen Täters von Grafing zum Islam prüfen. Der Messerstecher habe Angaben in diese Richtung gemacht, sagte Lothar Köhler vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA).

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