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«Amoklauf ohne Waffen»Täter zeigen «sehr wenig Reue»

Eine Schülergruppe aus Küsnacht schlägt in München einen Passanten halbtot. Die Schulpflege ist entsetzt über die brutale Tat. Einige der Schläger waren offenbar vorbestraft. Dem Opfer drohen bleibende Schäden.

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Die brutale Tat erschüttert die bayerische Landeshauptstadt München. In Internetforen werden für die fünf beteiligten Schüler harte Strafen gefordert.

Drei der mutmasslichen Täter werden gemäss dem zuständigen Oberstaatswalt Wolfgang Beckstein in München in Untersuchungshaft genommen. Die beiden anderen wurden inzwischen entlassen und werden am Donnerstagabend mit einem Lehrer nach Zürich zurückkehren.

Vier Schüler wurden kurz nach der brutalen Tat in der Nacht auf Mittwoch noch in München verhaftet. Der fünfte Schläger hätte sich beinahe in die Schweiz absetzen können: Er wurde erst im Zug von München nach Zürich kurz vor der Grenze verhaftet. Er sei durch Mitschüler verpfiffen worden. Er musste am Mittwochabend mit einem Lehrer zurück nach München fahren.

Täter waren vorbestraft

«Die Schüler sind zuvor nie negativ aufgefallen», sagt Bruno Bouvard von der Schulpflege Zürich. Der Rest der Klasse ist am Mittwochabend vom Klassenausflug nach Zürich zurückgekehrt und muss morgen Freitag wieder in der Schule erscheinen.

Doch die Schläger haben offenbar schon einiges auf dem Kerbholz: Einige der Jugendlichen sollen nach eigenen Aussagen auch in der Schweiz wegen Körperverletzung oder ähnlicher Vergehen polizeibekannt sein, erklärte der zuständige Staatsanwalt Laurent Lafleur in München.

Die Beschuldigten hätten bei der Befragung «sehr wenig Reue» gezeigt, sagte der Münchner Kriminaldirektor Harald Pickert gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens.

Zeugenaussagen führten die Polizei rasch auf die Spur der jungen Zürcher, die in einem Jugendgästehaus in der Münchner Innenstadt wohnten. «Die Schülergruppe war für uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht auffällig», sagt der Geschäftsführer Niels Damm auf Anfrage. Dort konnte die Polizei vier Tatverdächtige - einer 15-jährig, die anderen 16-jährig - bestimmen und festnehmen, obwohl diese zum Teil bereits ihre Kleidung gewechselt hatten.

Opfer könnte bleibende Schäden davontragen

Das 46-jährige Opfer erlitt laut Polizei eine Teilamnesie und kann sich nur noch an Teile des Angriffs erinnern. Der Mann sei nach wie vor im Krankenhaus, möglicherweise werde er bleibende Schäden davontragen. Durch die Schläge erlitt er laut Staatsanwaltschaft zahlreiche Brüche im Mittelgesicht, mehrere Brüche beider Kieferhöhlen sowie einen Bruch des rechten Jochbogens und der seitlichen Begrenzung der rechten Augenhöhle. Im schlimmsten Fall könnte das Opfer sogar das Augenlicht verlieren.

Zürcher Bildungsdirektorin «tief betroffen»

Tief betroffen über den «schrecklichen Vorfall» in München zeigte sich die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP). Sie habe unverzüglich mit dem zuständigen Schulpräsidenten in Küsnacht Kontakt aufgenommen und ihm ihre Unterstützung zugesagt.

Geklärt werden müsse, welche Abmachungen die Verantwortlichen mit den Schülern betreffend des Verhaltens in der frei verfügbaren Zeit in München getroffen hätten. Die Vorkommnisse zeigten, dass das Thema Gewaltprävention an den Schulen sehr wichtig sei, sagte Aeppli auf Anfrage der SDA. «Alles können wir jedoch auch damit nicht verhindern.»

(am/sda)

Die WBK Küsnacht

Die WBK bietet ein freiwilliges und öffentliches Berufsvorbereitungsjahr für Jugendliche nach der obligatorischen Volksschulzeit. Sie steht Jugendlichen aus dem Bezirk Meilen und den umliegenden Gemeinden offen, die nach der Volksschule keinen direkten Berufsausbildungs- oder Schulanschluss gewählt oder gefunden haben.

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