Tagelswangen ZH: Tätlichkeit ja, Drohung nein

Aktualisiert

Tagelswangen ZHTätlichkeit ja, Drohung nein

Während eines Streits um das Besuchsrecht für die beiden gemeinsamen Kinder soll ein Vater seine Ex-Frau geschüttelt und mit dem Tode bedroht haben. Das Obergericht sah nur die Tätlichkeit als erwiesen an und setzte eine Busse von 500 Franken fest.

von
Attila Szenogrady

Es war am 5. Dezember 2007, als eine mazedonische Mutter am Nachmittag ihre beiden Kinder bei ihrem Ex-Mann in Tagelswangen abholen wollte. Zunächst schien alles zu klappen. Die zwölfjährige Tochter und der zehnjährige Sohn begaben sich nach draussen und begleiteten ihre Mutter bis zur Bushaltestelle Oberwis. Doch dann tauchte plötzlich der erregte Vater auf und forderte seine Ex-Partnerin auf, sofort zu verschwinden.

Laut Anklage bedroht und geschüttelt

Die folgenden Ereignisse schilderte später die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland. Demnach stiess der Angeschuldigte in albanischer Sprache wüste Todesdrohungen gegen die Mutter aus. Er mache sie, ihre Familie und ihren Bruder fertig, schrie er sie an. Dann packte er sie mit beiden Händen an den Schultern und schüttelte sie. Worauf er sie zusätzlich mit seinem Brustkorb zurückdrängte.

Danach hatte die Geschädigte Glück: Ein Autolenker bemerkte die Attacke, hielt sogleich an und fragte die Frau, ob sie Hilfe benötige. Als sie bejahte, wurde der Angeklagte zwar wütend, hielt sich aber mit weiteren körperlichen Angriffen zurück. Kurz darauf traf die Polizei am Tatort ein.

Notwehr geltend gemacht

Am Freitag stand der Vater vor dem Zürcher Obergericht und wehrte sich mit einer Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon. Dieses hatte den IV-Rentner im letzten Mai wegen Drohung und Tätlichkeiten antragsgemäss zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 70 Franken sowie 500 Franken verurteilt. Die Einzelrichterin hatte den Darstellungen der Frau und Anzeigeerstatterin mehr Glauben geschenkt. Diese hatte ausgeführt, dass sie am Tattag ihr zustehendes Besuchsrecht habe wahrnehmen wollen.

Nun hatte der Angeklagte vor Obergericht das Wort und machte sinngemäss Notwehr geltend. So habe seine Ex-Frau die beiden Kinder entführen und in einem Heim unterbringen wollen, sagte er. Er habe sie nur an den Schultern gestossen, um die Kinder zu retten. Auch der Verteidiger Peter Reutimann verlangte einen vollen Freispruch. Eine Drohung sei nicht erwiesen, da der als Zeuge befragte Schweizer Autolenker kein Albanisch verstehe. Für eine Tätlichkeit fehle es zudem an der notwendigen Intensität, argumentierte Reutimann und wies darauf hin, dass die Kinder dem Vater zugesprochen waren.

Obergericht beschreitet Mittelweg

Das Obergericht schlug bei seinem Urteil einen Mittelweg ein. Einerseits sah es die Drohung als nicht erwiesen an. Es stehe Aussage gegen Aussage, erklärte der Referent. Andererseits bestätigten die Oberrichter den erstinstanzlichen Schuldspruch wegen Tätlichkeiten. So hatte der neutrale Zeuge laut Obergericht klar bestätigt, dass der Angeklagte seine Ex-Frau körperlich attackiert hatte.

Mit dem Teilfreispruch kam es zu einer erheblichen Strafsenkung auf noch 500 Franken Busse. Zudem liegt gegen den Vater nur noch eine Übertretung vor, weshalb er nicht in das Strafregister eingetragen wird. Die beiden Kinder leben heute immer noch beim Vater.

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