27.01.2019 17:35

«Einmal das Meer sehen»

Tätowierer stechen für Nadias letzten Traum

In Sissach BL stachen fünf Profis Tattoos, um Geld für die todkranke Mutter Nadia H.* (44) zu sammeln. Der Erlös ermöglicht ihr einen letzten Urlaub mit ihren Kindern.

von
lb

Die Spendenaktion hatte Nadia H.s gute Freundin Désirée Fedeli ins Leben gerufen. «Als Nadia mir mitgeteilt hat, dass die Ärzte ihre Therapien abbrechen werden, weil nichts geholfen hat, habe ich sie gefragt, was sie noch erlebt haben möchte», so die Tätowiererin.

Die an Darmkrebs erkrankte Nadia H. (44) ist Mutter von drei Kindern im Alter von 13, 14 und 19 Jahren. Ihr letzter Wunsch ist es, einmal mit ihren Kindern und ihrem besten Freund das Meer zu sehen. Um ihr diesen Wunsch zu erfüllen, wurde das Jugendzentrum Underground in Sissach BL am Sonntag, 27. Januar zum Tattoo-Studio umfunktioniert.

Tattoos für den guten Zweck

Einer der fünf beteiligten Tätowierer ist Miguel Bisceglia Guerreiro. «Als Désirée mir die Geschichte erzählt hat und mich gefragt hat, ob ich mitmachen möchte, war die Sache für mich klar», sagt er. Gemeinsam mit den anderen Tätowierern möchte er Nadia H. eine gute Zeit mit ihrer Familie ermöglichen. Die Aktion kam sehr gut an.

Das Jugendzentrum war am Sonntag voll von Tattoo-Fans, die sich für den guten Zweck tätowieren lassen wollten. «Ich finde es eine gute Aktion. Es ist einmal etwas anderes. Ich hatte ein R für meinen Exfreund im Nacken – das musste sowieso weg», so Priska Z. aus Winterthur. Als sie den Facebook-Aufruf von Fedeli gesehen habe, habe sie dann entschieden, das für einen guten Zweck machen zu lassen.

Zwei weitere Organisationen profitieren

«Zwei Facebook-Gruppen von Basler Mamis haben schon im Voraus kräftig gespendet», so Fedeli. Gemeinsam mit den Spenden vom Sonntag kam für die alleinerziehende Mutter ein fünfstelliger Betrag zusammen. Damit können nicht nur Nadias Ferien ermöglicht werden: Sie wird zudem zwei Organisationen aussuchen, an die ein Teil des Erlöses gehen wird. Auch das Jugendzentrum soll eine Spende erhalten, da die Räumlichkeiten für die Tätowierer kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.

«Wir versuchen, die verbleibende Zeit zu geniessen»

Nadia H. selbst äusserte sich gegenüber 20 Minuten überwältigt von der Aktion: «Ich habe nur noch geheult vor Freude. Ich habe das Meer in meiner Kindheit gesehen, aber noch nie mit meiner Familie zusammen.» Das Schlimmste sei, dass sie ihre Kinder schon so früh im Stich lassen müsse. «Darum versuchen wir, die verbleibende Zeit, so gut es geht, zu geniessen», sagt sie.

* Name der Redaktion bekannt

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