Aktualisiert 08.12.2008 12:32

ArchäologieTag der offenen Grabung

Seit April dieses Jahrs finden in Ennetbaden Ausgrabungen statt. Die Kantonsarchäologie Aargau
ist dabei auf bedeutende Ruinen des antiken Badekurorts Aquae Helveticae gestossen. Im
Laufe der Arbeiten sind die Archäologen unerwartet auch auf frühmittelalterliche Gräber
und einen vergessenen Friedhof der Neuzeit gestossen.

Wohl um 40 n. Chr. entstand auf Ennetbadener Seite der Limmat ein einfaches Handwerkerquartier, welches

zum römischen Badekurort Aquae Helveticae gehörte. In den dortigen heissen Quellen fanden hauptsächlich

Soldaten aus dem benachbarten Legionslager Vindonissa (Windisch) Erholung.

Luxuriöse Terrassenanlage

Nach einem verheerenden Brand entstand an der Stelle des Handwerkerquartiers um 120 n. Chr. ein repräsentativer Terrassenbau. Solche Anlagen sind zur Römerzeit selten. Das Innere des Gebäudes verfügte über ungewöhnlichen Luxus: Freskenbemalung, Mosaike, Wände mit Marmorverkleidung und sogar Fussbodenheizungen. Auch Teile des wertvollen Hausmobiliars wurden gefunden: ein versilbertes Bronzetablett zum Auftragen von Speisen oder ein massiver bronzener Schlüsselgriff mit Löwenkopf. Von grossem Wert war auch eine Börse mit 30 Silbermünzen aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., die ihr Besitzer wohl im Boden versteckt hatte – und später nicht mehr bergen konnte. Zwischen 260 und 300 n. Chr. wurde das reiche Gebäude durch einen Grossbrand zerstört. In dieser Zeit zogen abermals kleine Trupps von Alemannen plündernd durch die Gegend. Es ist recht wahrscheinlich, dass sie für die Katastrophe verantwortlich sind. Die übrig gebliebenen Ruinen wurden noch kurze Zeit als Notunterkunft oder Unterstand genutzt. Kurz darauf verlieren sich hier die Spuren römischer Besiedlung.

Erste Überraschung: Spuren aus dem Mittelalter

Völlig unerwartet ist man während der Ausgrabungen auf zwei frühmittelalterliche Bestattungen mit Beigaben gestossen. Diese Gräber aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. machen deutlich, dass das Leben um die Thermalquellen auch nach den Römern weiter ging.

Zweite Überraschung: vergessener Friedhof

Im Jahr 1966 wurde in Ennetbaden die barocke Kapelle St. Michael aus dem 17. Jahrhundert abgerissen. Auch älteren Einwohnern der Gemeinde war nicht mehr bekannt, dass sich gleich neben der Kapelle ein kleiner Friedhof befunden hatte. Dieser wurde ab 1821 nicht mehr genutzt und geriet in Vergessenheit. Als bei den Ausgrabungsarbeiten erste Skelette zum Vorschein kamen, war die Überraschung entsprechend gross. Bis jetzt wurde rund ein Dutzend Gräber freigelegt

und dokumentiert. Bevor die Gebeine geborgen wurden, fand mit Unterstützung der Pfarreien Baden/Ennetbaden eine Einsegnung statt.

Abschluss in Sicht

Nach einer Winterpause bleiben im Frühjahr 2009 zwei Monate Zeit, um die Grabungsarbeiten abzuschliessen. Die Kantonsarchäologie Aargau erwartet weitere neue Erkenntnisse zur Geschichte von Aquae Helveticae, einer der wichtigsten römischen Ansiedlungen im Kanton Aargau.

Veranstaltungshinweis

Tag der offenen Grabung:

Am Samstag, 13. Dezember, bietet sich Interessierten die Gelegenheit, Einblick in die römische Vergangenheit Ennetbadens zu nehmen. Freie Besichtigung der Ausgrabung: ab 10.00 Uhr. Führungen (Dauer ca. 1h): 10.00–15.00 Uhr, jeweils

zur vollen Stunde. Ort: Eingang Restaurant Schief, Sonnenbergstrasse 1, 5408 Ennetbaden

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