"Tag der Wahrheit" im Dutroux-Prozess
Aktualisiert

"Tag der Wahrheit" im Dutroux-Prozess

Im Prozess gegen den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux bekommen die die Angeklagten vor dem Schwurgericht in Arlon erstmals die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äussern.

«Das ist der Tag der Wahrheit», sagte der Anwalt der Familie Marchal, Paul Quirynen. «Das ist die letzte Chance für ihn (Dutroux), die Wahrheit zu sagen.» Dutroux-Anwalt Ronny Boudewijn kündigte an: «Er wird etwas Neues sagen, das ist sicher.»

Er rechne damit, dass Dutroux neue Namen von Schuldigen nennen werde, sagte Boudewijn. Dies sei neben der Urteilsverkündung der wichtigste Prozesstag für die Verteidigung. «Wir werden die Wahrheit heute hören oder nie.» Nach Angaben eines Gerichtssprechers sollten zunächst aber die Namen der rund 500 geladenen Zeugen verlesen werden. Im Anschluss wurde erwartet, dass der Vorsitzende Richter Stéphane Goux den vier Angeklagten Gelegenheit geben wird, sich zu äussern.

Dem Gerichtssprecher zufolge sollten Dutroux und die mit ihm angeklagten Michelle Martin, Michel Lelièvre und Michel Nihoul aber nicht unter Eid stehen. Dutroux muss sich wegen Mordes an der 17 Jahre alten An Marchal und der 19-jährigen Eefje Lambrecks verantworten. Zudem werden ihm Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung der beiden Mädchen sowie der achtjährigen Julie und Melissa und der zur Tatzeit 1996 zwölfjährigen Sabine und der 14 Jahre alten Laetitia vorgeworfen. Ferner muss er sich wegen Mordes an seinem Komplizen Bernard Weinstein verantworten. Die Morde bestreitet er.

Dutroux' Komplize Lelièvre wird Entführung und Freiheitsberaubung in vier Fällen sowie Mord und Vergewaltigung in einem Fall vorgeworfen. Seine Exfrau Martin muss sich wegen Freiheitsberaubung von drei Mädchen verantworten. Der zweifelhafte Brüsseler Geschäftsmann Nihoul soll an der Entführung und Freiheitsberaubung eines der Opfer beteiligt gewesen sein. Nach Ansicht der Dutroux-Verteidigung ist Nihoul auch die Schlüsselfigur, die die Verbindung zu einflussreichen Kreisen herstellte.

Am Dienstag hatte Staatsanwalt Michel Bourlet die Anklage verlesen und dabei mit teils drastischen Details die Entführungen, Vergewaltigung und Morde geschildert. Der Prozess hatte nach acht Jahre langen Ermittlungen am Montag begonnen. (dapd)

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