«Tag X in unserer Kampagne ist der 7. Juni»
Aktualisiert

«Tag X in unserer Kampagne ist der 7. Juni»

Direkt und
unverblümt: Alex Frei
(28) über den Ruhrpott,
die Nati, Lebensqualität
und seine Zukunft.

von
Michael Wegmann

Wegen einer Bänderdehnung fielen Sie erneut aus. Ist das nur ein Wehwehchen?

Alex Frei: Ja, selbstverständlich. Ich bin genau in meinem Zeitplan und absolviere jede Woche ein Spiel. Die Leute müssen sich wirklich keine Sorgen um meine Spielpraxis machen. Es wird langsam mühsam, immer wieder erklären zu müssen, dass ich nicht verletzt bin.

Dass sich die Schweizer sorgen, wenn ihr Captain wieder ausfällt, ist ja klar. (Lauter) Ich falle nicht aus. Ich habe meine Verletzungszeit von acht Monaten hinter mir. Diese Blessuren gehören zum Fussball. Ich bin fit.

Acht Monate ohne Fussball: Sind Sie ein geduldiger Mensch?

Durch diese Verletzung musste ich es lernen.

Hatten Sie in dieser Zeit Motivationsprobleme?

Es war eine richtige Berg- und-Tal-Fahrt. Phasenweise war ich euphorisch, dann fiel ich wieder in ein Tief. Aber mein Umfeld hat mich immer schon auf ein solches Szenario hingewiesen. Und obwohl man es nicht planen kann, wurde ich darauf sensibilisiert. Deshalb bin wohl auch nie in ein richtiges Loch gefallen. Ging es mir nicht gut, bin ich zum Beispiel nach Rennes gegangen. Dort schöpfte ich Kraft für die blöde Physiotherapie und den blöden Kraftraum.

Rennes als Kurort?

Ja, in den dreieinhalb Jahren dort hatte ich eine fantastische Zeit. Es war die perfekte Auslandstation schlechthin: Da hat alles zusammengepasst. Auch neben dem Platz: die Kultur, das Essen und die schöne Gegend. Und auch der familiäre Verein. Ich habe immer noch Freunde in Frankreich.

Hatten Sie einen Kulturschock, als Sie danach in den Ruhrpott kamen?

Dortmund ist komplett anders. Und ich darf sagen, dass ich mich hier bezüglich Lebensqualität nicht wohl fühle. Aber ich bin Profi und habe mich für Dortmund entschieden und werde das Beste daraus machen. Schön ist, dass hier die Ambiance rund um den Fussball viel intensiver ist, die Spiele sind immer ausverkauft und auch im Training ist immer Jubel und Trubel. Und genau das wollte ich erleben.

Ist die immense Popularität nicht auch mühsam?

Die gehört hier doch dazu. Und solange die Fans auch anständig sind und mich nicht herumreissen, habe ich auch keine Probleme damit.

Im ersten Jahr Vize-Torschützenkönig der Bundesliga – im zweiten fast andauernd verletzt. War die zweite Saison für Sie persönlich lehrreicher?

Nein, ich konnte mehr profitieren, als ich am Anfang bei Rennes auf der Bank sass. Das Positive ist vielleicht, dass ich meinen Körper besser kennen lernte und erholt für die Euro bin. Aber im Grossen und Ganzen ist eine Verletzung nie etwas Gutes.

Nach dem Nati-Debakel in Basel sagten Sie, dass jeder an seinem Programm arbeiten müsse. Sind die Schweizer zu wenig fit?

Auf diesem Trainingsplan steht nicht, dass ein Spieler 180 Kilometer rennen muss. Auf meinem steht zum Beispiel, dass ich Hüften, Bauchmuskulatur und Rumpf stärken und noch an meiner Spritzigkeit arbeiten muss.

Mangelnde Fitness ist also nicht das Problem?

Nein, wenn ich höre, wir seien zu wenig fit, habe ich Mühe. Spielen wir denn alle in Scharlatan-Vereinen und machen nichts? Das kann doch nicht sein.

Warum ist die Schweiz dann derart eingegangen?

Ich kann kein Fazit ziehen und Fehler auflisten. Wenn, dann sollte das intern angesprochen werden. Aber wir haben bei einem 0:4 keine Argumente und können nichts beschönigen. Die positive erste Halbzeit interessiert doch niemanden. Aber man sollte jetzt auch nicht auf die junge Mannschaft draufhauen. Sie hat Potential und wird sich steigern. Der Tag X in unserer Kampagne ist der 7. Juni.

Und Ihr Ziel ist immer noch der Titel?

Es wäre ja falsch, wenn ich nicht sagen würde, dass wir Europameister werden wollen. Das Ziel ist hoch gesteckt, aber man muss doch Ambitionen haben. Und als Captain muss ich vorneweg marschieren, ich bin ja auch derjenige, der am stärksten auf den Deckel kriegt, wenns nicht klappt. Damit kann ich aber leben.

Dazu müsste man wohl auch einmal die Deutschen besiegen.

Von zehn Spielen gegen sie werden wir neun verlieren. Aber dieser eine Sieg kommt, denn wir haben die Qualität, um Deutschland zu schlagen. Aber nicht auf Dauer. Sonst kapiere ich gar nichts: Deutschland hat 80 Millionen Einwohner und rund 60 potentielle Nati-Spieler.

Plädiert Alex Frei für zwei Stürmer oder für einen?

(Überlegt) Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten will. Denn ich will weder jemanden bevorzugen noch benachteiligen.

Ihr Vertrag in Dortmund läuft bis 2010 – kehren Sie in die Schweiz zurück?

Selbstverständlich. Irgendwann und wenn man mich will (lacht).

Welches wäre die erste Adresse?

Der FC Basel.

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