Tagi, NZZ und Blick bleiben bei ihren Rechtschreibungen
Aktualisiert

Tagi, NZZ und Blick bleiben bei ihren Rechtschreibungen

Die Rechtschreibung bleibt bei den grossen Deutschschweizer Zeitungen vorderhand unverändert.

Obwohl die deutschen Spiegel- und Springer-Verlage zur alten Rechtschreibung zurückkehren wollen, wurde in einer AP-Umfrage kein dringender Handlungsbedarf festgestellt.

Die Rechtschreibreform wurde bei den Deutschschweizer Zeitungen ohnehin nicht einheitlich durchgesetzt. So konnte etwa bei Ringier, dem grössten Schweizer Verlagshaus, die Redaktion jedes einzelnen Titels selbst entscheiden, was sie machen wollte, wie Ringier-Sprecherin Myrta Bugini auf Anfrage sagte. Das Ringier-Flaggschiff «Blick» übernahm die Rechtschreibreform «in konservativem Sinne und wo es sinnvoll ist», wie Bugini sagte. Derzeit werde nichts geändert, die internen Regeln würden aber laufend nachgeführt.

Auch der Zürcher «Tages-Anzeiger» sieht keinen Handlungsbedarf, wie der Chef vom Dienst Thomas Rüst auf Anfrage sagte. Der «Tagi» habe die Reform zwar relativ weitgehend realisiert, aber doch einzelne eigene Regeln beibehalten. Allenfalls seien Änderungen denkbar, wenn der Bericht vorliege, der vor der definitiven Einführung der Reform erscheinen solle.

Ebenfalls keinen Handlungsbedarf sieht Chefkorrektor Stephan Dove von der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ). Die NZZ habe sich der Reform erst im Mai 2000 auf sehr zurückhaltende Weise angepasst, vor allem bei der Getrennt- und der Zusammenschreibung. «Der frischgebackene Ehemann und das frisch gebackene Brot bleiben bei uns, was sie sind», sagte Dove. Auch Wörter wie Gämse, Stängel und behände würden von der NZZ nach alter Schreibweise verwendet. Dagegen habe die NZZ schon Jahrzehnte vor der Reform «aufwändig» geschrieben, weil sie das Wort von «Aufwand» ableite.

Insgesamt wurde die Einschätzung geteilt, dass die Sprachreform in der Deutschschweiz weit weniger Wellen werfe als in Deutschland. Rückgängig machen lasse sie sich wohl nicht mehr, sagte Rüst und verwies auf die ungezählten Schüler, die praktisch mit der neuen Rechtschreibung aufwüchsen. Anpassungen seien aber durchaus denkbar. So bekundete Daniela Steffen, Korrektorin bei den «Schaffhauser Nachrichten», Mühe mit der neuen Zeichensetzung: «Die Satzgliederung nach den alten Interpunktionsregeln war besser», sagte sie auf Anfrage.

Der anhaltende Wirbel, den die Sprachreform in Deutschland auslöste, wurde in der Umfrage teils maliziös kommentiert. So war etwa von der Gesetzeshörigkeit der Deutschen die Rede. Sie führe dazu, dass halt auch die Sprachreform buchstabengetreu zu gelten habe. Komme hinzu, dass die Deutschen Deutsch als «ihre Sprache» betrachteten und nicht verstünden, dass man in guten Treuen auch zu andern Regelungen kommen könne, hiess es. (dapd)

Deine Meinung