Bilderberg-Konferenz: Tagt in Dresden die geheime Weltregierung?
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Bilderberg-KonferenzTagt in Dresden die geheime Weltregierung?

An der Bilderberg-Konferenz kommt die Elite aus Politik und Wirtschaft zusammen, um im Geheimen drängende Themen zu besprechen. Für nicht wenige eine Weltverschwörung.

von
gux
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Das 64. Treffen der Mächtigen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien findet im ostdeutschen Dresden statt. Die Stadt hat ein Versammlungsverbot rund um das Hotel Taschenbergpalais verhängt. Auch für Drohnen und andere Flugobjekte wurde eine Sperrzone eingerichtet.

Das 64. Treffen der Mächtigen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien findet im ostdeutschen Dresden statt. Die Stadt hat ein Versammlungsverbot rund um das Hotel Taschenbergpalais verhängt. Auch für Drohnen und andere Flugobjekte wurde eine Sperrzone eingerichtet.

/Sean Gallup
Geladen sind 130 Teilnehmer. Etwa Vernon Jordan, US-Geschäftsmann und Bürgerrechtler.

Geladen sind 130 Teilnehmer. Etwa Vernon Jordan, US-Geschäftsmann und Bürgerrechtler.

/Sean Gallup
Die flämische Parlamentarierin Yasmine Kherbache ist ebenfalls geladen, ebenso wie ...

Die flämische Parlamentarierin Yasmine Kherbache ist ebenfalls geladen, ebenso wie ...

/Sean Gallup

Journalisten haben keinen Zutritt, es gibt kein offizielles Abschluss-Statement, und die Teilnehmer dürfen keine anderen Teilnehmer namentlich zitieren. Willkommen – oder eben nicht – an der Bilderberg-Konferenz.

Das 64. Treffen der Mächtigen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien findet ab Donnerstag im ostdeutschen Dresden statt. Im Taschenbergpalais, einem Luxushotel mitten in der barocken Altstadt. Das Motto lautet seit jeher: Verschwiegenheit schafft Vertrauen. Allerdings nur unter den Teilnehmern der Konferenz. Der gemeine Bürger steht dem geheimnisumwitterten Treffen umso skeptischer gegenüber: Die Angst vor der geheimen Weltregierung geht um.

Worüber reden die Bilderberger dieses Jahr, und wer ist dabei? Woher kommt das tiefe Misstrauen gegenüber diesem Treffen? Beherrscht die Bilderberg-Konferenz insgeheim die Weltpolitik? Ein Abriss.

Wer ist dabei?

Anmelden kann man sich nicht, rein kommt nur, wer eingeladen ist. Das sind jeweils 130 Teilnehmer, mehrheitlich aus Nato-Staaten: Spitzenpolitiker, Konzernlenker und Polit-Strategen. Insgesamt liest sich die Gästeliste wie das «Who is Who» der Weltwirtschaft.

Hier gehts zur Teilnehmerliste. Sie wird kurz vor Beginn der Konferenz veröffentlicht.

Aus der Schweiz dabei sind dieses Jahr Nationalratspräsidentin Christa Markwalder, Beatrice Weder di Mauro, Wirtschaftsprofessorin an der Uni Mainz, André Kudelski, CEO der Kudelski Group, und Martin Vetterli, Präsident des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.

Was wird besprochen?

Grundsätzlich beraten die Teilnehmer über das Weltgeschehen und die Stärkung der transatlantischen Beziehungen. Der Brexit und der Zusammenhalt der EU dürften 2016 ein dominierendes Thema sein.

Doch wie immer wird auch in Dresden am Ende nichts nach draussen dringen. Das liegt an der sogenannten «Chatham House»-Regel: Schon seit ihrem ersten Treffen 1954 im Bilderberg-Hotel des damaligen Prinzgemahls der niederländischen Königin wird die Konferenz nach dieser Regel abgehalten. Sie gestattet Teilnehmern zwar, die erhaltenen Informationen zu verwenden. Aber weder Identität noch Zugehörigkeit der Redner oder anderer Teilnehmer dürfen preisgegeben werden.

Wieso schüren die Bilderberger Misstrauen?

Auf Pressekonferenzen, ein Protokoll oder eine Abschlusserklärung der Konferenz wartet man seit jeher vergebens. Das schafft Raum für Spekulationen. «Je weniger über bestimmte Ereignisse kommuniziert wird oder Informationen darüber vorliegen, desto mehr neigen die Menschen dazu anzunehmen, dass es da um irgendetwas Geheimes geht, was sie nicht wissen sollen», sagt Eva Kimminich. Die Professorin von der Uni Potsdam beschäftigt sich mit dem Entstehen von Verschwörungstheorien, die derzeit Konjunktur haben. Bei der Verschwörungstheorie rund um die Bilderberg-Konferenz geht es darum, dass ein paar Mächtige insgeheim über die weitere Zukunft der Welt entscheiden.

Wer kritisiert die Bilderberger?

Auch dieses Jahr haben von der «Roten Fahne/Antifaschistische Aktion» bis zur rechtsextremen NPD zahlreiche Parteien, Gruppen und Einzelpersonen knapp zwei Dutzend Protestkundgebungen gegen die Dresdner Konferenz angekündigt.

Auffallend: das Engagement rechter Gruppen. Auch die rechtspopulistische AfD und Pegida rufen zu Aktionen auf.

«Den Bilderbergern wird unterstellt, dass sie die Weltherrschaft antreten wollen. Und das geht natürlich gegen ein völkisch-nationales Bild, das gerade die rechten Gruppierungen vertreten, die ja auch der US-Regierung vorwerfen, die Weltregierung übernehmen zu wollen», sagt Verschwörungstheorie-Forscherin Kimminich.

In der Schweiz kritisiert die JSVP Luzern den Besuch von Nationalratspräsidentin Markwalder in einem offenen Brief und mit den Worten: «Wir finden es demokratiepolitisch höchst bedenklich, wenn eine gewählte Volksvertreterin an solchen undemokratischen und undurchsichtigen Treffen teilnimmt.»

Was sagen die Bilderberger selbst zu den Vorwürfen?

«Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern», sagt Henri de Castries, Chef des Axa-Versicherungskonzerns und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Bilderberger. Dass es sich bei den Konferenzteilnehmern um eine Machtelite handelt, sei nicht relevant. «Es ist kein Parlament, keine operative Organisation.» Schliesslich würden auch keine Entscheidungen getroffen. «Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?»

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«Es wird dort genauso viel (eher weniger) Weltpolitik gemacht wie bei der Münchner Sicherheitskonferenz oder beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos und mit Sicherheit weniger als beim G20-Treffen der Staats- und Regierungschefs.» Das sagt der deutsche Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Er war 2012 an der Konferenz dabei und bezog dafür auch Schelte aus seiner eigenen Partei. Die Grünen argumentierten damals wie die JSVP Luzern heute.

Trittin spricht sich durchaus für mehr Transparenz aus, denn dies würde dabei helfen, das «Märchen» von der Weltregierung zu beenden. «Es ist ein Märchen, denn wenn es die Weltregierung wäre, dann wäre die Welt eine Monarchie, denn es ist immer der König – früher war es die Königin – der Niederlande dabei. Und dann würde es heissen ‹Willem Alexander rules the world›. Das ist ungefähr so zutreffend wie die berüchtigten Chemtrails, die angeblich im Auftrag der Bilderberg-Konferenz über Europa versprüht werden.» Verschwörungstheoretiker vermuten in den Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel eine gezielte Strategie zur Beeinflussung der Bevölkerung mit Hilfe von Chemikalien.

Zudem muss gesagt werden: Die Wirtschafts- und Politelite streitet sich immer wieder ganz öffentlich, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Fragt sich, wie 130 Alphatiere in drei Tagen bestimmen sollen, wie und von wem die Welt regiert wird.

Der «Independent» hat indes ein paar Beispiele zusammengetragen, bei denen die Verschwörungstheoretiker-Herzen aufgehen: Bill Clinton war 1991 als noch wenig bekannter Gouverneur von Arkansas an die Bilderberger-Konferenz geladen – und ein Jahr später wurde er zum Präsidenten gewählt. Oder der ehemalige britische Premierminister Tony Blair: Als einfacher Parlamentarier nahm er 1993 teil, ein Jahr später wurde er zum Parteivorsitzenden der Labour Party ernannt. Alles Zufälle? Wir wissen es nicht. Wie heisst es so schön: Die Wahrheit ist da draussen. (gux/sda)

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