«Bockiger Moslem» vor Gericht - Tahirovic soll ins Gefängnis und danach die Schweiz verlassen
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«Bockiger Moslem» vor GerichtTahirovic soll ins Gefängnis und danach die Schweiz verlassen

Emir Tahirovic steht erneut vor dem Kreisgericht Rheintal. Ihm wird unter anderem Sozialhilfemissbrauch vorgeworfen.

von
Jeremias Büchel
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Emir Tahirovic wurde wegen diverser Delikte von der Staatsanwaltschaft angeklagt. 

Emir Tahirovic wurde wegen diverser Delikte von der Staatsanwaltschaft angeklagt.

20 Minuten
Der strenggläube Muslim hat unter anderem seine Tochter nicht in den Schwimmunterricht geschickt. 

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Dieser Artikel machte Tahirovic schweizweit bekannt. 

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Darum gehts

  • Emir Tahirovic (46) steht erneut vor Gericht, weil er seine Tochter nicht in ein obligatorisches Schullager gehen liess.

  • Zudem ist er wegen Sozialhilfebetrug und ungehorsam gegen amtliche Verfügungen angeklagt.

  • Ihm droht eine Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

  • Danach soll er laut Antrag der Staatsanwaltschaft die Schweiz für zehn Jahre verlassen müssen.

  • Seiner Frau, die ebenfalls angeklagt ist, droht ebenfalls ein Landesverweis.

  • Der Prozess findet am Donnerstag vor dem Kreisgericht Rheintal statt.

Gerichtssäle hat Emir Tahirovic schon diverse von innen gesehen – sogar von mehreren Instanzen. Bis vor das Bundesgericht ging zum Beispiel der Streit um die Nutzung des Kopftuchs im Schulzimmer. Dieser wird Tahirovic nun zum Verhängnis. Er erhielt laut Anklageschrift vom Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS) 5000 Franken zur Deckung der Kosten für den Rechtsstreit. Diese finanzielle Unterstützung hat Tahirovic dem Sozialamt in St. Margrethen SG, von dessen Zahlungen die zuerst sechsköpfige, mittlerweile siebenköpfige, Familie lebte, nicht angegeben. Zudem erhielt die Familie weitere 14’000 Franken von Verwandten sowie einer Frauengruppe der bosnischen Moschee in St. Gallen. Auch diese Beträge verschwieg der Bosnier dem Sozialamt.

Emir Tahirovic lebte bis zur Trennung von seiner Frau im Sommer 2017 bei seiner Familie in St. Margrethen SG. Danach ist er in den Kanton Zürich umgezogen. In St. Margrethen SG lebte er in einer Wohnung, die seinen Eltern gehört. Dafür bezahlte er Miete – zumindest mehrheitlich. Ab und zu liess Tahirovic eine Mietzahlung ausfallen oder bezahlte eine reduzierte Miete. Dem Sozialamt teilte er das nicht mit, weshalb sich Tahirovic laut Staatsanwaltschaft des Sozialhilfebetrugs schuldig gemacht hat.

Tochter war kein Tageskamelritt von zu Hause entfernt – Schullager zumutbar

Vor Gericht wird auch das Thema Schwimmunterricht und Lagerbesuche der Tahirovic-Kinder ein Thema. Ein Sohn und eine Tochter blieben im Juni 2016 dem obligatorischen Schwimmunterricht fern. Zudem nahm die Tochter im Sommer 2016 nicht an einem obligatorischen Schullager in Rorschach SG teil. Der Lagerort liegt rund 15 Kilometer von St. Margrethen SG entfernt, dem damaligen Wohnort. Die Distanz scheint von Belang zu sein. «Damit konnte der Beschuldigte auch nicht die von ihm jeweils angeführte Kamel-Fatwa, wonach weibliche muslimische Familienangehörige ohne einen männlichen Begleiter der Familie nicht auswärts nächtigen dürfen, wenn der Ort weiter als einen Tageskamelritt, (80 km), entfernt liegt, vorbringen», heisst es in der Anklageschrift.

Weil seine Tochter den Schwimmunterricht nicht besuchte, wurde Tahirovic bereits 2016 verurteilt. Somit ist er einschlägig vorbestraft. Wegen der diversen Querelen mit den Schulbehörden und dem Kopftuchstreit bis vor das Bundesgericht wurde Tahirovic vom Tagblatt 2015 porträtiert. Titel: «Der bockige Moslem von St. Margrethen». Seither ist das quasi sein Übername.

Landesverweis gefordert – Mutter der Kinder ebenfalls angeklagt

Die diversen von der Staatsanwaltschaft dargelegten Delikte sollen nun Folgen haben. Die Staatsanwältin fordert wegen Betrugs, des unrechtmässigen Bezugs von Leistungen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe, der mehrfachen Verletzung der Fürsorge und Erziehungspflicht und des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen einen Schuldspruch. Tahirovic soll dafür eine zwölfmonatige unbedingte Freiheitsstrafe kassieren und die Schweiz danach für zehn Jahre verlassen müssen. Dies, weil Sozialhilfebetrug ein sogenanntes Katalogdelikt ist, welches einen obligatorischen Landesverweis von mindestens fünf Jahren verlangt. Weil Tahirovic vorbestraft ist und wiederholt straffällig wurde, werden zehn Jahre Landesverweis verlangt.

Tahirovics Frau ist wegen eines Teils der oben genannten Delikte ebenfalls angeklagt. Für die 40-jährige Bosnierin wird eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten sowie ein Landesverweis von zehn Jahren verlangt.

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