Aktualisiert 06.12.2014 05:59

Sturm «Hagupit»

Taifun rast auf Philippinen zu – 600'000 auf Flucht

Ein Jahr nach «Haiyan» droht den Philippinen die nächste Katastrophe. Womöglich ist auch die Millionenhauptstadt Manila in Gefahr.

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Die Stadt Borongan auf der philippinischen Insel Samar ist von Taifun «Hagupit» bisher besonders stark betroffen.

Die Stadt Borongan auf der philippinischen Insel Samar ist von Taifun «Hagupit» bisher besonders stark betroffen.

Keystone/Francis R. Malasig
Heftige Regenfälle und Winde sorgen für Zerstörungen. Auf der Insel Samar sind bereits zwei Todesopfer zu beklagen, wie örtliche Medien berichten.

Heftige Regenfälle und Winde sorgen für Zerstörungen. Auf der Insel Samar sind bereits zwei Todesopfer zu beklagen, wie örtliche Medien berichten.

Keystone/Francis R. Malasig
Zerstörtes Haus auf Samar. Wegen des Taifuns sind Millionen Philippiner derzeit ohne Strom.

Zerstörtes Haus auf Samar. Wegen des Taifuns sind Millionen Philippiner derzeit ohne Strom.

Keystone/Francis R. Malasig

Welchen Weg wird «Hagupit» nehmen? Diese Frage beschäftigt Wetterbehörden und Rettungskräfte auf den Philippinen.

Mit frühzeitigen Massnahmen soll ein verheerendes Unglück wie bei Taifun «Haiyan» im Vorjahr verhindert werden.

616'000 Menschen sind auf den Philippinen bereits wegen des heranstürmenden Taifuns «Hagupit» aus ihren Häusern geflüchtet. Sie wurden in den Regionen Leyte und Samar von Rettungskräften in Sicherheit gebracht, wie die philippinische Wohlfahrtssekretärin Dinky Soliman sagte.

Nimmt «Hagupit» Kurs aufs Festland?

Unklarheit herrscht wegen unterschiedlicher Vorhersagen nach wie vor darüber, welchen Weg der Wirbelsturm vom Pazifik aus am Wochenende auf das philippinische Festland nehmen wird. Meteorologen zufolge ist ein weitaus grösserer Teil des Inselarchipels gefährdet als bislang angenommen. Auch die Hauptstadt und Millionenmetropole Manila ist in Alarmbereitschaft.

Es wird erwartet, dass «Hagupit» das Zentrum der Philippinen am späten Samstagabend (Ortszeit) erreicht. Demnach dürfte er auch Teile einer Region heimsuchen, die erst im vergangen Jahr von dem verheerenden Taifun «Haiyan» heimgesucht worden war. Damals wurden mehr als 7300 Menschen getötet oder gelten noch heute als vermisst.

Der zwischenzeitlich etwas schwächer gewordene Taifun gewann am Samstag wieder an Kraft. Laut Wetterforschern soll er aber deutlich schwächer werden, sobald er auf Land trifft.

Flüge und Fährverbindungen abgesagt

Computermodelle von zwei Behörden, die den Taifun genau verfolgen, wiesen verschiedene Kurse für «Hagupit» auf. So rechnete das Taifun-Warnzentrum des US-Militärs auf Hawaii damit, dass der Sturm in nördlicher Richtung über den südlichen Rand der Hauptstadt Manila hinwegziehen könnte. Die philippinische Wetterbehörde hingegen sagte einen südlicheren Kurs voraus.

Wegen des herannahenden Taifuns wurden Dutzende Inlandsflüge abgesagt und der Fährverkehr zwischen den Inseln des Landes ausgesetzt. In der Stadt Tacloban, die verheerende Schäden durch «Haiyan» erlitten hatte, und in entlegenen Provinzen wurden Zehntausende Bewohner von besonders gefährdeten Dörfern in Notunterkünfte verlegt.

«Ich habe Angst», sagte der «Haiyan»-Überlebende Jojo Moro, der bei dem vorherigen Taifun seine Ehefrau, Tochter und Mutter verloren hatte. «Ich bete zu Gott, dass uns nicht schon wieder eine andere Katastrophe trifft. Wir haben uns noch nicht von der ersten erholt.»

Krisensitzung einberufen

Auch Manila machte sich für den Sturm bereit. Die Regierung berief angesichts des schwer einzuschätzenden Verhaltens des Taifuns eine Dringlichkeitssitzung mit Bürgermeistern des Grossraums Manila ein. Stadtoberhaupt Joseph Estrada sagte am Freitag, die Behörden hätten die Bewohner alarmiert.

«Haiyan» hatte am 8. November 2013 mit gewaltigen Sturmböen und bis zu sieben Meter hohen Wellen Tacloban und andere Gegenden in der Provinz Leyte heimgesucht. Rund eine Million Häuser wurden dadurch zerstört, vier Millionen Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf. Der Gesamtschaden wurde auf 571,1 Milliarden Pesos (12,3 Milliarden Franken) beziffert. (sda)

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