Experten warnen: Taifun trifft auf Fukushima – Katastrophe droht
Aktualisiert

Experten warnenTaifun trifft auf Fukushima – Katastrophe droht

Ein tropischer Wirbelsturm von ungeheurer Stärke steuert auf das AKW von Fukushima zu. Experten sind besorgt. Das Worst-Case-Szenario: eine globale Katastrophe.

von
J. Büchi

Fukushima stellt noch immer eine Bedrohung für die Welt dar. Rund zweieinhalb Jahre nach dem verheerenden Erdbeben und der anschliessenden Nuklearkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk droht nun die nächste Gefahr: «Wipha», einer der heftigsten Taifune der vergangenen Jahre, nimmt Kurs auf die Atomruine. Der Wirbelsturm könnte gemäss dem Joint Typhoon Warning Centre schon morgen auf Land treffen.

AKW-Betreiber Tepco ist besorgt. «Wir bereiten uns darauf vor, auf kontaminierte Wassermassen zu reagieren und werden jene Orte ständig untersuchen, die durch den Sturm von Wasser überspült werden könnten», zitiert die Nachrichtenagentur AFP einen Tepco-Sprecher. Laut Horst-Michael Prasser, Professor für Kernenergiesysteme der ETH Zürich, besteht das Hauptrisiko im starken Wasseranfall durch den Taifun: «Es könnten erneut grosse Mengen kontaminierten Wassers ins Meer laufen.» Daraus könne regional eine Verschärfung der Situation entstehen, sagt er gegenüber 20 Minuten.

«Tickende Zeitbombe»

Die deutsche Agentur DPA bezeichnet Fukushima in diesem Zusammenhang gar als eine «tickende Zeitbombe». Gigantische Mengen verseuchten Wassers würden bereits jetzt durch die zerstörte Atomanlage schwappen, heisst es – und es werden täglich mehr. Die grösste Gefahr: Die zunehmenden Wassermassen umspülen die schwer beschädigten Gebäude auf dem AKW-Gelände, darunter auch die Mauern zur Abstützung des Abklingbeckens von Reaktor 4. Mehr als 1500 Brennstäbe lagern in dem Gebäude, das bereits schief steht und abzusinken droht.

Käme es zu einem Einsturz des Abklingbeckens, befürchten Experten eine Katastrophe globalen Ausmasses. Der frühere japanische Botschafter in der Schweiz, Mitsuhei Murate, warnte, dass in diesem Fall Hunderte von Tonnen Brennstoff eine Radioaktivität, tausendmal stärker als jene der Atombombe von Hiroshima, freisetzen könnten.

Worst-Case-Szenario unwahrscheinlich

ETH-Atomexperte Prasser relativiert: «Das Abklingbecken hat 2011 einem schweren Erdbeben sowie Explosionen standgehalten. Es ist unwahrscheinlich, dass es jetzt wegen eines Taifuns oder einer Unterspülung kollabiert.» Vom Worst-Case-Szenario einer globalen Katastrophe geht er deshalb nicht aus.

Um die vom Gefahren, die schon ohne Taifunschäden vom AKW ausgehen, zu bannen, will Tepco Mitte November damit beginnen, die Brennstäbe aus dem Abklingbecken zu entfernen. Kritiker sehen den Atombetreiber Tepco und die japanische Regierung jedoch weder wissenschaftlich, noch technisch oder finanziell in der Lage, ein solch gefährliches Unterfangen allein zu bewerkstelligen. Dazu brauche es das Know-how der besten Experten und Ingenieure der Welt. Die Kompetenzen des Betreibers will ETH-Professor Prasser nicht beurteilen. Er befürchtet jedoch: «Ein Taifun könnte die Arbeiten zum Entladen der Brennelementbecken weiter erschweren und zusätzlich verzögern.»

Offenbar hat die japanische Regierung die Dringlichkeit des Problems erkannt. Sie hat am Montag 16 Experten der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) nach Fukushima geholt. Zuvor wurden Ratschläge von ausländischen Experten gemäss Medienberichten stets abgelehnt.

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