Kritik an SBB: Take-Away auf Perrons, weniger Platz in 1. Klasse

Aktualisiert

Kritik an SBBTake-Away auf Perrons, weniger Platz in 1. Klasse

Die Fahrgast-Organisation Pro Bahn klopft den Bundesbahnen auf die Finger: Grund dafür ist eine Abwertung der 1. Klasse sowie Pläne für Take-Aways auf den Perrons.

von
jbu
Mit dem Einsatz eines neuen Zuges und Plänen für Imbissstände verärgern die SBB Pro Bahn.

Mit dem Einsatz eines neuen Zuges und Plänen für Imbissstände verärgern die SBB Pro Bahn.

Die SBB müssen sich in der Sonntagspresse erneut Kritik gefallen lassen. Gleich zwei neue Entwicklungen sollen den Passagieren das Fahrvergnügen vermiesen: Einerseits soll der Sitzkomfort in der 1. Klasse teilweise nachgelassen haben, andererseits drohen geplante Imbissbuden auf den Perrons die Platznot an den Bahnhöfen noch weiter zu verschärfen.

Waren Ledersitze und viel Beinfreiheit bislang für Erstklass-Passagiere selbstverständlich, müssen dieser Tage offenbar viele Pendler auf diesen Luxus verzichten. Grund dafür sei, dass die SBB im Fernverkehr Züge einsetzten, die eigentlich nur für den S-Bahn-Verkehr gedacht seien, schreibt die «SonntagsZeitung». Die erste Klasse werde so abgewertet. Die Passagiere sitzen enger zusammen, die Stühle haben eine einfache Stoffoberfläche statt eines Lederüberzugs.

SBB-Sprecher Christian Ginsig bestätigt im Artikel: «Die SBB haben bisherige Fernverkehrslinien teilweise in Regionalverkehrslinien umgewandelt und setzen dort neu auch Züge des Regionalverkehrs ein, wo erstmals zweimal vier Personen in einem Abteil sitzen statt wie vorher zwei und vier.» Eine Entwicklung, die Kurt Schreiber von Pro Bahn gar nicht passt: «Die SBB steigern die Platzauslastung in der 1. Klasse um ein Drittel, doch der 1.-Klasse-Zuschlag beträgt nach wie vor 70 Prozent.»

Keine «Marktbuden»

Auch die Pläne, auf den Bahnhofperrons Imbissbuden zu errichten, stossen Schreiber sauer auf. Die SBB wollen gemäss «NZZ am Sonntag» schweizweit in bis zu zwanzig Bahnhöfen Verkaufsstände direkt am Gleis installieren. Und dies, obwohl die SBB Bahnhöfe wie Basel oder Olten selber als «kapazitätskritisch» bezeichnen. «Die Perrons sind dazu da, dass die Passagiere möglichst rasch ein- und aussteigen können. Sie sind sicher nicht dafür gedacht, ganze Marktbuden hinzustellen», ereifert sich Schreiber.

Die ersten Perron-Take-Aways sollen im Frühling ihren Betrieb aufnehmen. Imbissstände sind beispielsweise in Basel, Zürich, Olten, Yverdon oder Biel geplant. Die SBB gehen nicht davon aus, dass die Stände den Pendlerfluss stören werden. Denn einen Versuchsstand gibt es bereits: In Winterthur können die Passagiere seit einigen Monaten auf Gleis 4 vor dem Einsteigen beim Brezelkönig Gebäck und Kaffee kaufen. Die Erfahrungen mit dem Testbetrieb sind gemäss SBB positiv.

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