DJ-Kurs: Talentfrei hinter den Decks
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DJ-KursTalentfrei hinter den Decks

tilllate.com-Redaktorin Maja hat vom Auflegen keinen Plan. Also hat sie den Gang zur DJ-Schule gewagt. Hier steht, was sie erlebt hat - und warum sie darüber lacht.

Von Plattentellern habe ich etwa so viel Ahnung wie die Menschheit auf die Frage, warum Al Walser für einen Grammy nominiert war. Also keine. Null. Minus. Musik aber liebe ich. Sehr sogar. Ich war bis vor zwei Wochen auch der festen Überzeugung, dass ich in Sachen Taktgefühl eine Heldin bin. Ich dachte auch, dass DJing easy ist. Mein Umfeld war anderer Meinung: Auflegen sei eine Kunst. Ich gab mich geschlagen - und meldete mich für eine Probelektion bei DJ Zid in Zürich an.

Ein, zwei, drei, vier: My Ass!

In einem ausgebauten Keller in Zürich-Enge treffe ich DJ Zid. Dass ich blutige Anfängerin bin, macht dem 32-Jährigen nichts aus. Sein jüngster Schüler sei elf Jahre alt, der älteste 60. Nach einem Smalltalk gehts los: Ich stehe vor einem Mischpult. Gefühlte acht Billionen Knöpfe glotzen mich schadenfreudig an. Kleine Zweifel kommen in mir hoch. Michael Soller, wie DJ Zid bürgerlich heisst, lässt sogleich einen House-Track laufen. Nicht so meins. Bin Hip-Hop-Fan. Rap sei viel schwieriger zum Auflegen. Also gut, dann House. Nun muss ich den Takt finden und zählen, sagt Zid. Fast jeder Song bestehe aus Vierviertel-Takten. What?

Ich hör gut hin, versuche mitzuzählen: Eins, zwei, drei, vier - eins, zwei, drei, vier. DJ Zid lächelt. Ich verhaus. Dreimal hintereinander. Ich nehms sportlich. Zid auch. Das mit dem Taktgefühl sei eben sowas, das man nicht lernen kann. Man hats oder nicht. Ich also nicht. Schade.

Der erste Übergang sitzt, mein Herz hüpft

Irgendwann schaff ichs trotzdem einigermassen. Weiter gehts. Nun lässt Zid einen zweiten Track laufen. Meine Aufgabe: Einen Song höre ich per Boxen, den anderen durch die Kopfhörer. Mein Ziel ist es, beide Tracks auf ein Tempo zu bringen, um einen schönen Übergang zu machen. Wie das geht: Mit Knöpfen, die entweder verlangsamen oder die Musik schneller machen. Verstehe zwar knapp Bahnhof, lass mich aber drauf ein. Dann die Wende: Ich schaffs. Bring beide Songs auf ein Tempo. Mein Mentor lobt mich, ich juble. Ich bin nun überzeugt: In spätestens fünf Minuten kann ich ganz sicher selbst David Guetta und DJ Antoine was beibringen. Zid erklärt mir nun den Übergang. Ich mach - und sieg. Perfekt geglückt.

Scratchen: Ein bisschen mehr als nur Finger vor- und rückwärts bewegen

Jetzt bin ich vorfreudigst bereit fürs Scratchen: Eigens dafür krieg ich ein Hip-Hop-Stück. Yeah! Zid machts vor, ich applaudiere. Einerseits weil es sich toll anhört und anderseits, weils einfach sexy ist. Nun lege ich Hand an - und versag wieder. Ich drück so fest, dass sich der Plattenteller gar nicht dreht. Dann drück ich zu wenig fest - was auch nicht geht. Dann beweg ich meine Finger zu schnell oder zu langsam. Es nervt. Mein Mentor zeigt sich von seiner geduldigsten Seite. Wir machen so lange weiter, bis mein Gescratche einigermassen okay klingt.

Nach einer Stunde ist die Lektion vorbei. Ich bin ernüchtert: DJing ist in der Tat eine grosse Kunst. Eine, die mir zu wenig liegt. Es war zwar super, einmal an einem Mischpult zu stehen. Aber ich bleibe bei dem, was ich am besten kann: Mir selber in meinen vier Wänden die iTunes-DJane machen. Auflegen werde ich in Zukunft höchstens das Telefon.