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AfghanistanTaliban erobern vorletzte grosse Stadt Afghanistans

Präsident Aschraf Ghani will seine Armee remobilisieren. Biden entsendet derweil 5000 Soldaten, um Botschaftspersonal sowie US-Bürgerinnen und US-Bürger sicher auszufliegen. Die Taliban führen ihren Eroberungszug unterdessen fort.

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Am Sonntag haben die Taliban laut Aussagen von Bewohnerinnen und Bewohnern die Stadt Dschalalabad eingenommen. (Archivbild)

Am Sonntag haben die Taliban laut Aussagen von Bewohnerinnen und Bewohnern die Stadt Dschalalabad eingenommen. (Archivbild)

AFP
Die Grossstadt Masar-i-Sharif ist am Samstag an die Taliban gefallen.

Die Grossstadt Masar-i-Sharif ist am Samstag an die Taliban gefallen.

via Reuters
Die deutsche Bundeswehr hatte dort noch bis Ende 2020 ein Hauptquartier. Das Bild stammt aus dem Jahr 2013.

Die deutsche Bundeswehr hatte dort noch bis Ende 2020 ein Hauptquartier. Das Bild stammt aus dem Jahr 2013.

REUTERS

Darum gehts

  • Die Taliban rücken immer näher auf die Hauptstadt Kabul vor. Nur noch wenige Kilometer trennen sie von ihrem Ziel.

  • Am Samstag ist auch die Grossstadt Masar-i-Sharif und damit ein ehemaliges Hauptquartier der deutschen Bundeswehr gefallen. Am Sonntag ist Dschalalabad als letzte Grossstadt eingenommen worden.

  • Die Zivilbevölkerung versucht verzweifelt, aus der Stadt zu flüchten. Die Taliban stehen sowohl im Norden als auch im Süden; eine Ausreise ist nur per Flugzeug möglich.

Die radikalislamischen Taliban haben nun auch die ostafghanische Stadt Dschalalabad eingenommen. Die Hauptstadt der Provinz Nangarhar sei kampflos an die Taliban gegangen, sagten Bewohnerinnen und Bewohner von Dschalalabad am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Damit ist die Hauptstadt Kabul die letzte grosse Stadt des Landes, die nicht von der radikalislamischen Miliz kontrolliert wird. Nach ihrem zehntägigen Eroberungsfeldzug durch Afghanistan wird nun der baldige Fall der Hauptstadt befürchtet.

Am Samstag erst fiel die Grossstadt Masar-i-Sharif. Dort hatte die Bundeswehr noch bis Juni ihr Hauptquartier. Masar-i-Sharif ist mit knapp einer halben Million Einwohnerinnen und Einwohnern die viertgrösste Stadt des Landes.

Regierungen räumen Botschaften

Derweil sind etliche Länder daran, ihr Botschaftspersonal und lokale Mitarbeitende aus Afghanistan auszufliegen. Deutschland, die USA, Grossbritannien, Dänemark, Norwegen und die Schweiz haben dies bereits offiziell verkündet. US-Präsident Biden hat am Sonntagabend angekündigt, anstatt der vorhergesehenen 3000 Soldaten sollten nun 5000 Soldaten eingesetzt werden, um die Ausreise des Botschaftspersonals und unzähliger ziviler Ortskräfte zu sichern.

Die Schweiz wird den 40 lokalen Mitarbeitenden und ihren Familien aus humanitären Gründen die Einreise erlauben. Zudem werden vorübergehend keine afghanische Bürgerinnen und Bürger aus der Schweiz ausgeschafft.

Flucht über den Luftweg

Präsident Aschraf Ghani sprach am Samstag im Fernsehen seinen Landsleuten Mut zu. «Ich werde nicht zulassen, dass der auferlegte Krieg gegen die Bevölkerung mehr Tote fordert», sagte er. Es seien «ernsthafte Schritte» zur Remobilisierung der Armee eingeleitet worden. Zudem liefen «Beratungen» mit politischen Verantwortungsträgern und internationalen Partnern, um Afghanistan «Frieden und Stabilität» zu sichern.

Die Zivilbevölkerung versucht verzweifelt, aus Kabul auszureisen. Wer irgendwie kann, flüchtet aus Kabul. Am Flughafen der afghanischen Hauptstadt versuchen Verzweifelte, noch irgendwie ein Ticket für einen Flug zu bekommen – egal wohin, nur raus. Die militant-islamistischen Taliban stehen im Süden bereits vor den Toren Kabuls und rücken auch von Norden her näher – der Flughafen ist der einzige Weg ausser Landes.

Bei den afghanischen Fluggesellschaften Ariana und Kam Air gibt es für die nächste Woche keinen freien Sitzplatz mehr. Auch Air India, Emirates und FlyDubai, Pakistan International Airlines und Turkish Airlines fliegen noch. Aber wie lange noch?

In einem Appell am Samstag forderte die katarische Regierung die Taliban zu einem Waffenstillstand auf. Doha richtet die innerafghanischen Friedensgespräche aus, die seit Monaten nicht vorankommen.

Die Taliban hatten während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 eine strenge Auslegung des islamischen Rechts in Afghanistan eingeführt. Mädchen waren von Bildung, Frauen vom Arbeitsleben ausgeschlossen. Straftaten wurden mit öffentlichen Auspeitschungen oder Hinrichtungen geahndet.

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(DPA/AFP/pco/roy)

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