Afghanistan: Taliban greifen im ganzen Land an
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AfghanistanTaliban greifen im ganzen Land an

Aufständische haben im Süden Afghanistans zwölf Stunden lang mit den Amerikanern gekämpft, im Westen einen Konvoi angegriffen und im Osten eine Bezirkshauptstadt eingenommen.

Wird es gelingen, die Taliban zur Aufgabe ihres Kampfes zu bewegen? Im Bild: ehemalige Taliban-Kämpfer bei der Abgabe ihrer Waffen in der westafghanischen Stadt Herat (31. Oktober 2010).

Wird es gelingen, die Taliban zur Aufgabe ihres Kampfes zu bewegen? Im Bild: ehemalige Taliban-Kämpfer bei der Abgabe ihrer Waffen in der westafghanischen Stadt Herat (31. Oktober 2010).

Afghanische und US-Truppen haben in Südafghanistan in einem zwölfstündigen Gefecht 17 Aufständische getötet, wie ein Sprecher der Provinzregierung in der Helmand am Sonntag sagte. Das Gefecht fand seinen Angaben zufolge am Samstag in Bezirk Dischu statt.

In der westlichen Provinz Nimros griffen Aufständische nach Polizeiangaben am Sonntag einen Konvoi mit Vorräten für die Polizei, das Bildungsministerium und das Welternährungsprogramm (WFP) an. Sechs Aufständische wurden den Angaben zufolge getötet, ein Polizist wurde verletzt.

Im Osten des Landes haben Taliban-Kämpfer vorübergehend einen Bezirk in ihre Hand gebracht. Die Aufständischen lieferten sich heftige Gefechte mit den Sicherheitskräften, besetzten Regierungsgebäude und zündeten diese auf dem Rückzug an, wie die Behörden am Montag mitteilten. Wenige Stunden danach habe die Regierung die Kontrolle über den Bezirk Chogjani wiederhergestellt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums, der keine Angaben über Opfer machen konnte.

Ein Taliban-Sprecher sagte am Montag, die Miliz habe sämtliche Regierungsgebäude in dem Bezirk unter ihre Kontrolle gebracht und alle Polizisten, die diese bewacht hätten, getötet oder gefangen genommen. Später teilten die Aufständischen mit, sie hätten sich zurückgezogen, nachdem sie die Regierungsgebäude verwüstet hätten. Der Polizeichef des Bezirks, der während des Überfalls nicht zugegen war, bestätigte, dass Regierungsgebäude gestürmt und in Brand gesteckt worden seien. Ein NATO-Sprecher sagte, er wisse keine Einzelheiten über den Vorfall.

Von den insgesamt mehr als 350 Bezirken Afghanistans befinden sich derzeit etwa zehn unter direkter Kontrolle der Taliban. Die Miliz ist aber in zahlreichen weiteren Bezirken präsent. Die Provinz Ghasni, in der der Bezirk Chogjani liegt, ist in jüngster Zeit immer unruhiger geworden, seitdem die Truppen der afghanischen Regierung und der NATO ihren Kampf gegen die Taliban verstärkt haben. Die Parlamentswahlen im September konnten in weiten Teilen von Ghasni wegen der Gefahr durch Aufständische nicht durchgeführt werden.

NATO hofft, Hakkani-Netzwerk zu spalten

Drei Vertreter der Taliban haben sich mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zu geheimen Verhandlungen getroffen. Einer der Aufständischen soll Maulwi Abdul Kabir gewesen sein, unter den Taliban Gouverneur der Provinz Nangarhar und stellvertretender Ministerpräsident. Nach Angaben eines ehemaligen afghanischen Beamten fand das Treffen bereits vor zwei Wochen in Kabul statt.

Die internationalen Truppen hoffen, mit dem Treffen einen ihrer gefährlichsten Feinde schwächen zu können. Kabir ist Mitglied des Zardan-Stamms, aus dem auch die Mitglieder des Hakkani-Netzwerks stammen. Diese Gruppe kooperiert eng mit den Taliban, unterhält enge Beziehungen zu Al Kaida und ist für zahlreiche Anschläge auf internationale und Regierungstruppen verantwortlich. Sollte Kabir den Kampf aufgeben, könnte dies den Stamm spalten und zu einem Rekrutenschwund für das Hakkani-Netzwerk führen, so die Hoffnung der internationalen Truppen. Ob die Gespräche Fortschritte in diese Richtung brachten, blieb zunächst unbekannt. (sda/dapd)

Fünf Tote bei Drohnenangriff in Pakistan

Bei einem US-Drohnenangriff im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan sind fünf Menschen getötet worden. Wie aus Geheimdienstkreisen in der Region verlautete, feuerte das unbemannte Flugzeug am Montag zwei Raketen auf ein Haus in Nord-Waziristan ab. Zur Identität der Opfer lagen keine Angaben vor. Die Stammesgebiete gelten als Hochburg für radikal-islamische Extremisten aus dem Umkreis des Terrornetzwerks Al-Kaida. Die USA haben die Zahl ihrer Drohnenangriffe auf Nord-Waziristan in letzter Zeit erhöht. (sda)

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