Aktualisiert 05.06.2014 09:10

Afghanistan

Taliban halten US-Paar mit Baby fest

Nach dem Gefangenenaustausch vom Wochenende bittet jetzt die Familie eines entführten amerikanisch-kanadischen Paares die US-Regierung um Hilfe.

Erstmals sind Hinweise über das Schicksal einer Ende 2012 in Afghanistan verschleppten amerikanischen Frau und ihres kanadischen Mannes an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Familie von Caitlan Coleman erhielt bereits im vergangenen Sommer per E-Mail Videos der beiden, in denen sie die US-Regierung bitten, sie aus den Händen der Taliban zu befreien. Die Familie gab die Aufnahmen erst jetzt an die Nachrichtenagentur AP weiter, nachdem US-Soldat Bowe Bergdahl in Afghanistan freigekommen war.

Die Familien der beiden teilten mit, sie seien enttäuscht, dass ihre Kinder nicht auch Teil des Gefangenenaustauschs mit den Taliban gewesen seien. Für Bergdahl, der fünf Jahre lang in der Hand der Taliban gewesen war, waren fünf ranghohe Mitglieder der Organisation aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo entlassen worden.

«Es wäre genauso unangemessen, wenn unsere Regierung ihren Bürgern den Rücken zukehren würde, wie wenn sie jenen den Rücken zukehren würde, die dienen», sagte Patrick Boyle, der Vater von Joshua Boyle, dem kanadischen Ehemann, in einem Telefoninterview.

Kind wäre jetzt 18 Monate alt

Das Paar war 2012 durch Russland, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgistan und schliesslich durch Afghanistan gereist. Coleman war damals bereits schwanger und die beiden wollten vor ihrem Geburtstermin im Dezember zurückkehren. Im Oktober brach die Verbindung aber abrupt ab, kurz nachdem Boyle aus einem «unsicheren Teil» Afghanistans eine Mail nach Hause geschickt hatte. Das Kind des Paares wäre jetzt 18 Monate alt.

«Ich möchte meine Familie und meine Regierung bitten, alles zu tun, was sie können, um meinen Mann, mein Kind und mich in Sicherheit und in die Freiheit zu bringen», sagt Coleman in einem der Videos. Die US-Behörden, die in dem Fall bereits seit der Entführung ermitteln, halten die Videos für authentisch. Sie böten allerdings wenige Ansatzpunkte, um sie zu finden. Zum einen seien die Aufnahmen mindestens zehn Monate alt. Sie sind auf Mai und August 2013 datiert, was aber leicht gefälscht werden könne, hiess es aus Ermittlerkreisen. Und auch die Umgebung gebe keinen Aufschluss über den Aufenthaltsort der beiden.

Die Videos wurden von einem Mann an Colemans Vater geschickt, der nach eigenen Angaben Verbindung zu den Taliban hatte. Seit Monaten haben die Familien aber nichts mehr von ihm gehört. Auch Forderungen wurden nie gestellt. Ob das Paar überhaupt noch am Leben ist, sei unklar, heisst es von den Ermittlern. Auch dass auf den Bildern zwar das Paar, aber nirgendwo ein Kind zu sehen ist, bezeichnete einer von ihnen als besorgniserregend.

Abenteuerlustig, aber naiv

Freunde und Verwandte der beiden bezeichneten das Paar als abenteuerlustig, aber naiv. Vor ihrer Reise durch Zentralasien waren die beiden längere Zeit in Lateinamerika unterwegs gewesen. Sie hätten geglaubt, dass ihnen mit einer positiven Einstellung nichts passieren würde, sagte Boyles Mutter.

Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall dadurch, dass Joshua Boyle vor Coleman mit der Schwester von Omar Khadr verheiratet war, einem Kanadier, der nach seiner Gefangennahme in einem Al-Kaida-Lager in Afghanistan 2002 zehn Jahre im US-Gefangenenlager Guantanamo verbracht hatte. Dass es irgendeinen Zusammenhang geben könnte, streiten die US-Ermittler ab. Es sei ein «furchtbarer Zufall». (sda)

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