Aktualisiert 30.06.2009 11:30

Nord-WaziristanTaliban kündigen Friedensabkommen

Kämpfer der Taliban in den Stammesgebieten nahe der afghanischen Grenze haben nach eigenen Angaben ein Friedensabkommen mit der pakistanischen Regierung aufgekündigt.

Der Vertrag mit der Taliban-Fraktion unter Hafiz Gul Bahadur in Nord-Waziristan war im Februar 2008 geschlossen worden. Im Gegensatz zur umkämpften Provinz Süd-Waziristan war die Lage im Norden bislang vergleichsweise ruhig geblieben. Die Aufkündigung des Vertrags könnte eine weitere Eskalation der Gewalt in Pakistan bedeuten.

Der Sprecher von Talibanführer Gul Bahadur sagte der Nachrichtenagentur AP am Dienstag, das Abkommen werde angesichts der anhaltenden US-Luftangriffe und der jüngsten Militäroffensive des pakistanischen Militärs gekündigt. «Weil uns die Streitkräfte in Nord- und Süd-Waziristan angreifen, werden wir auch sie angreifen», sagte Ahmadullah Ahmadi der AP am Telefon. Militärsprecher Generalmajor Athar Abbas war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die pakistanischen Streitkräfte bereiten nach dem Kampf gegen die Taliban im Swat-Tal derzeit eine Offensive in Süd-Waziristan vor. Das ebenfalls grenznahe Stammesgebiet gilt als Hochburg der Taliban. Auch der gesuchte pakistanische Talibanführer Baitullah Mehsud soll sich dort aufhalten. Die verschiedenen Gruppen, die unter der Flagge der der Taliban agieren, verfolgten bislang oftmals unterschiedliche Strategien. Die Aufkündigung des Friedensabkommens könnte jedoch angesichts der vorrückenden Streitkräfte ein Hinweis auf grössere Einigkeit unter den Fundamentalisten sein.

Autobombe reisst vier Menschen in den Tod

Die USA haben Friedensabkommen mit den Aufständischen oder deren Stämmen in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion bislang stets kritisiert. Die US-Streitkräfte führen mit Hilfe unbemannter Drohnen immer wieder Luftangriffe in Nord- oder Süd-Waziristan aus. Nach US-Angaben wurden dabei mehrere ranghohe Al-Kaida-Kämpfer getötet. Pakistan verurteilt die Luftangriffe offiziell als Souveränitätsverletzungen. Viele Beobachter vermuten jedoch, dass es zwischen beiden Ländern eine stille Übereinkunft gibt, wonach die Angriffe toleriert werden.

Bei der Explosion einer Autobombe im Südwesten des Landes wurden unterdessen mindestens vier Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Der Anschlag ereignete sich nach Polizeiangaben in der Stadt Sorah in Baluchistan, rund 190 Kilometer südlich von Quetta. Er traf Lastwagen, die die westlichen Truppen in Afghanistan mit Nachschub versorgen. Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag.

Rasool Dawar, AP

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