Afghanistan - Frankreich: Taliban präsentieren makabre «Trophäen»
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Afghanistan - FrankreichTaliban präsentieren makabre «Trophäen»

Den afghanischen Taliban-Kämpfern ist es gelungen, einen «Psycho-Krieg» nach Frankreich zu tragen.

Zwei Wochen, nachdem sie zehn französische Soldaten in einem Hinterhalt bei Kabul getötet hatten, druckte die Illustrierte «Paris Match» eine makabre Reportage über das Kommando der islamistischen Extremisten. Auf den Fotos stellen die Taliban ihre Beute zur Schau: Helme, Gewehre, Splitterschutzwesten und die Armbanduhr eines der getöteten Fallschirmjäger.

Die französische Öffentlichkeit ist geschockt, Verteidigungsminister Hervé Morin sah sich am Freitag gezwungen, sein Land zur «Einheit im Kampf gegen den Terrorismus» aufzurufen.

Bereits kurz nach dem 18. August, dem verlustreichsten Tag für die französischen Truppen seit Jahrzehnten, war die Meinung gekippt: 55 Prozent sprachen sich in einer Umfrage für den Abzug der rund 2.600 Soldaten vom Hindukusch aus. Die Opposition wirft Staatspräsident Nicolas Sarkozy vor, er habe sich von den USA in einen mörderischen Konflikt hineinziehen lassen, auf den Paris keinen Einfluss habe.

Indem sich die Taliban den «Paris Match»-Reportern präsentierten, haben sie die Stimmung gegen das französische Afghanistan-Engagement weiter angeheizt. «Die Familien der getöteten Soldaten in tiefem Zweifel», titelte die Zeitung «Le Parisien» am Freitag.

«Widerlicher Voyeurismus»

Verteidigungsminister Morin sprach von einem «Kommunikationskrieg», der auf die öffentliche Meinung im Westen ziele, die «Achillesferse» des internationalen Engagements für Afghanistan. Daniel Cohn-Bendit, EU-Abgeordneter der Grünen, kritisierte den «widerlichen Voyeurismus» der Illustrierten. Diese wiederum sieht es gerechtfertigt, den Gegner zu Wort kommen zu lassen. Und schliesslich habe man keine Leichen gezeigt.

Dafür wird der Anführer des Kommandos mit der Forderung nach einem Truppenabzug zitiert. «Sonst wird es allen wie den zehn gefallenen Soldaten ergehen.» Durch die Reportage ist der Druck auf das Verteidigungsministerium erheblich gestiegen, die genauen Umstände des tödlichen Taliban-Angriffs und die Todesumstände der Soldaten aufzuklären. Die ersten Angaben, die Soldaten seien in den ersten Minuten der Gefechte getötet worden, lassen sich nach den Schilderungen der Aufständischen nicht mehr halten. Am 22. September kommt das französische Parlament zu einer Sondersitzung über die Zukunft des Afghanistan-Einsatzes zusammen. (dapd)

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