Afghanistan - IS reklamiert Raketenangriff auf Flughafen für sich

AfghanistanIS reklamiert Raketenangriff auf Flughafen für sich

Die USA ziehen aus Afghanistan ab, die Taliban übernehmen die Macht, Tausende wollen das Land verlassen – und nun kommt es zu schweren Anschlägen. Alle News im Ticker.

von
Newsdesk

Zusammenfassung:

  • Bei Anschlägen am Flughafen von Kabul sind am 26. August 170 Zivilisten und Zivilistinnen sowie 13 Soldaten der US-Armee getötet und mindestens 210 verletzt worden.

  • Zu den Anschlägen bekennt sich die Jihadistenmiliz Islamischer Staat in Afghanistan (IS-K), die mit den Taliban verfeindet ist.

  • Am 29. August griff das US-Militär mit einer Drohne ein Auto des örtlichen IS-Ablegers in Kabul an.

Deine Meinung

Montag, 30.08.2021

IS reklamiert Raketenangriff für sich

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Raketenangriff auf den Kabuler Flughafen für sich reklamiert. «Soldaten des Kalifats» hätten den internationalen Flughafen der afghanischen Hauptstadt mit sechs Raketen angegriffen, erklärte der regionale Ableger der IS-Miliz in Afghanistan (IS-K) am Montag.

Am Morgen waren mehrere Raketen auf den Flughafen abgefeuert worden. Nach Angaben der radikalislamischen Taliban wurden die Geschosse vom Raketenabwehrsystem am Flughafen zerstört.

Das Weisse Haus in Washington hatte den Vorfall ebenfalls bestätigt und mitgeteilt, der Evakuierungseinsatz am Flughafen laufe ohne Unterbrechung weiter. Eine US-Drohne zerstörte später ein Auto, von dem aus die Raketen vermutlich abgeschossen wurden.

Aus diesem Auto sollen die Raketen abgeschossen worden sein.

Aus diesem Auto sollen die Raketen abgeschossen worden sein.

AFP

Amerikaner haben fünf Raketen mit Ziel Flughafen abgefangen

Nach einem Raketenangriff in Kabul hat das US-Militär nach eigenen Angaben fünf Raketen abgefangen, die am Montagmorgen auf den Kabuler Flughafen gerichtet waren. US-Truppen auf dem Flugfeld hätten dazu ein Verteidigungssystem genutzt. Bill Urban, der Sprecher des US-Zentralkommandos, erklärte, es habe keine verletzten Amerikaner oder Amerikanerinnen bei dem Zwischenfall gegeben.

Das unter dem Akronym «C-RAM» bekannte Verteidigungssystem nahm die Raketen ins Visier und zerschoss sie in der Luft, was dabei weithin zu hören war.

Bei dem Angriff auf den Flughafen der afghanischen Hauptstadt waren zudem mehrere Raketen in dem nahe gelegenen Viertel Salim Karwan eingeschlagen, wie Augenzeugen und -zeuginnen berichteten. Ob es Todesopfer oder Verletzte gab, war zunächst unklar.

Bombe mit Nachricht abgeworfen

Es ist eine amerikanische Sitte: Bomben werden vor Abwurf mit einer Botschaft an die Empfänger versehen. So auch jenes Geschoss, welches auf den IS-Ableger in Kabul abgefeuert wurde als Vergeltung für die, beim Selbstmordanschlag vom letzten Donnerstag getöteten US-Soldaten.

So fanden sich auf der Bombe die Namen der 13 Gefallenen. Des Weiteren heisst es in der Nachricht: «Ruhet in Frieden» sowie das Datum des Anschlags, der 26. August 2021 und zuletzt die Worte «Wir werden uns erinnern.»

Nachrichten auf Bomben sind bei den Amerikanern üblich: So schrieben zwei Soldaten während des zweiten Weltkrieges «Ostereier für Hitler» auf ihre Geschosse.

Erneut mehrere Raketen über Kabul abgefeuert

In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es einem Medienbericht zufolge einen Raketenangriff gegeben. Am Montagmorgen (Ortszeit) seien aus der Gegend Chairchanah im Norden der Stadt mehrere Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden, schrieb der lokale Fernsehsender ToloNews mit Berufung auf Augenzeugen auf Twitter. Der Fernsehsender CNN berichtete und Berufung auf US-Regierungmitarbeiter, dass mindestens fünf Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden seien.

Über mögliche Opfer oder Schäden gab es zunächst keine Informationen. Der Flughafen verfügt über ein Raketenabwehrsystem. Dieses wurde erst vor wenigen Wochen getestet. (dpa)

Verbleibende Flammen in einer Strasse nachdem Raketen in Richtung Flughafen Kabul abgefeuert wurden.

Verbleibende Flammen in einer Strasse nachdem Raketen in Richtung Flughafen Kabul abgefeuert wurden.

via REUTERS

USA laden zu virtuellem Aussenminister-Gipfel

Das US-Aussenministerium hat angesichts der Lage in Afghanistan für Montag zu einem virtuellen Aussenminister-Gipfel eingeladen. Die USA werden Gastgeber des Treffens «wichtiger Partner» sein, darunter Deutschland, Frankreich, Grossbritannien sowie EU und Nato, wie das Aussenministerium in Washington am Sonntag mitteilte. Bei dem Gipfel soll ein «abgestimmtes Vorgehen für die kommenden Tage und Wochen» erörtert werden.

In der Erklärung hiess es auch, dass US-Aussenminister Antony Blinken nach dem Treffen über die jüngsten US-Einsätze in Afghanistan berichten will. Am Sonntag erst vereitelten die USA einen weiteren Anschlag auf den Flughafen von Kabul. Nach Angaben des Pentagon zerstörte eine US-Drohne ein mit Sprengstoff beladenes Auto. Am Donnerstag waren bei einem Selbstmordattentat am Flughafen mehr als hundert Menschen getötet worden, darunter 13 US-Soldaten. Es war der verlustreichste Angriff auf US-Truppen in Afghanistan seit zehn Jahren. (AFP)

US-Militär prüft Berichte zu zivilen Opfern

Das US-Militär untersucht nach dem Luftangriff auf ein Auto der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Kabul Berichte über mögliche zivile Opfer. Der Einsatz habe erfolgreich eine «unmittelbare Bedrohung» für den Flughafen Kabul durch die Terroristen abgewendet, darüber hinaus würden die Ergebnisse des Luftschlags noch geprüft, hiess es am Sonntagabend in einer Stellungnahme der US-Kommandozentrale für die Region (Centcom). In dem zerstörten Fahrzeug habe sich «eine grosse Menge Sprengstoff» befunden, «die womöglich zu weiteren Opfern führte», hiess es.

«Es ist nicht klar, was passiert sein könnte und wir untersuchen das weiterhin. Wir wären sehr traurig über den möglichen Tod Unschuldiger», hiess es in der Stellungnahme des Militärs weiter.

Zuvor hatte in Afghanistan unter anderem der Fernsehsender ArianaNews unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, dass sechs Menschen, darunter vier Kinder, beim Einschlag einer Mörsergranate in einem Kabuler Privathaus getötet worden seien. Dabei seien zwei Fahrzeuge und Teile des Hauses zerstört worden. Es war nicht unmittelbar klar, ob diese Opfer möglicherweise einer Mörsergranate oder dem US-Luftschlag zuzurechnen waren. Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf Angehörige in Kabul, dass bei dem Luftangriff neun Mitglieder einer Familie getötet worden seien, darunter sechs Kinder. (DPA)

Sonntag, 29.08.2021

Afghanische Familie ausgelöscht

Beim US-Angriff vom Sonntag mit einer Drohne auf ein Auto des örtlichen IS-Ablegers in Kabul, sind nach Angaben von CNN neun Mitlieger einer Familie ums Leben gekommen – darunter sechs Kinder.

REUTERS

Beim Einschlag einer Mörsergranate in einem Kabuler Privathaus im 15. Polizeibezirk kamen Zamaray (40), Naseer (30), Zameer (20), Faisal (10), Farzad (9), Armin (4), Benyamin (3), Ayat (2) und Sumaya (2) ums Leben. Dabei waren zwei Fahrzeuge und Teile des Hauses zerstört worden.

Zamarays Bruder weinte, als er einem Journalisten eines Lokalsenders erzählte, seine toten Angehörigen seien «eine ganz normale Familie» gewesen. «Wir sind nicht Mitglieder des IS. Dies war ein Familienhaus, in dem mein Bruder mit seiner Familie lebte.»

Ein Mann namens Ahad sagte, er sei ein Nachbar der Familie. «Alle Nachbarn versuchten zu helfen und brachten Wasser, um das Feuer zu löschen, und ich sah, dass 5 oder 6 Menschen tot waren. Der Vater der Familie und ein weiterer Junge und zwei Kinder. Sie waren in Stücke zerlegt. Es gab auch zwei Verwundete.»

Ahad sagte gegenüber CNN, er habe den Luftangriff gegen 17 Uhr Ortszeit beobachtet, als er auf dem Weg zu seinem Haus war. Er sagte, er habe den Lärm der Rakete und einen lauten Knall gehört und sei in Deckung gegangen, bevor er versucht habe, seine Nachbarn zu retten.

Bill Urban, der Sprecher des US-Zentralkommando erklärte, dass die Möglichkeit ziviler Opfer durch den Drohnenangriff geprüft werde. Aktuell gebe es aber keine Hinweise darauf. Man sei sich sicher, das «Ziel erfolgreich getroffen» zu haben, ergänzte er.

Taliban erlauben weitere Ausreise

Die Taliban wollen Personen mit Reisegenehmigungen nach dem Ende der internationalen Evakuierungen erlauben, Afghanistan zu verlassen. In dieser Frage habe man von der islamistischen Gruppe «Zusicherungen» bekommen, hiess es in einer vom US-Aussenministerium veröffentlichten Erklärung, die rund 100 Länder sowie die Nato und EU unterzeichneten. Im Vorfeld sagten die Taliban bereits zu, nach dem bis Dienstag vollzogenen US-Komplettabzug normalen Reiseverkehr zuzulassen, wenn sie dann die Kontrolle über den Flughafen von Kabul erlangen.

Zehntausende afghanische Staatsbürger wollen seit der blitzartigen Machtübernahme der Taliban das Land verlassen, da sie eine Rückkehr zur drakonischen Herrschaft der Gruppe in den Jahren 1996 bis 2001 fürchten. Andere sorgen sich vor Racheakten der Taliban oder ganz allgemein vor Instabilität.

3 tote Kinder bei Angriff

Bei einem jüngsten US-Drohnenangriff auf mutmassliche Terroristen des Ablegers des Islamischen Staates sind in Kabul laut einem afghanischen Funktionär drei Kinder getötet worden.

Leichen der US-Soldaten repatriiert

Die Leichen der 13 US-Soldaten und Soldatinnen, die am Donnerstag beim Anschlag am Kabuler Flughafen getötet wurden, wurden am Sonntagabend in die USA zurückgeflogen.

US-Präsident Joe Biden trifft sich mit Hinterbliebenen und Angehörigen der 13 bei dem Terroranschlag in Kabul getöteten US-Soldaten. Biden flog am Sonntagmorgen (Ortszeit) zum Luftwaffenstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware, um die Familien zu treffen und der Ankunft der Särge beizuwohnen, wie das Weisse Haus mitteilte. Sein Zeitplan sah für das Treffen mit den Angehörigen fast zweieinhalb Stunden vor.

Die getöteten Soldatinnen und Soldaten waren zwischen 20 und 31 Jahre alt. Unter den Opfern waren elf Marineinfanteristen und je ein Soldat des Heeres und der Marine, wie das Verteidigungsministerium bekanntgab. Fünf der Marineinfanteristen waren gerade mal 20 Jahre alt. Unter den Opfern waren auch eine 23 sowie eine 25 Jahre alte Soldatin.

UN-Sicherheitszone für Evakuierungen

Frankreich und Grossbritannien möchten sich für die Schaffung einer UN-Sicherheitszone in Kabul einsetzen, um von dort aus Evakuierungen nach dem Abzug der US-Amerikaner fortsetzen zu können. Dies sei Ziel eines gemeinsamen Resolutionsentwurfes bei einem Treffen der Vetomächte des UN-Sicherheitsrats mit UN-Generalsekretär António Guterres an diesem Montag, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron der Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche».

Macron sagte der Zeitung: «Was wir versuchen ist, gezielte humanitäre Einsätze für Evakuierungen organisieren zu können, die nicht über den Militärflughafen in Kabul abgewickelt werden». Es gehe darum, «diese bedrohten Afghanen zu schützen und sie in den nächsten Tagen oder Wochen aus dem Land zu bringen.» Man werde sehen, ob dies über den zivilen Flughafen von Kabul oder über die Nachbarländer geschehen kann.

Indes gab das französische Aussenministerium bekannt, dass die französischen Diplomaten aus Kabul ausgeflogen wurden und nach Paris zurückgekehrten.

USA bestätigen Angriff

Ein Sprecher des US-Militärs hat einen Schlag gegen ein Fahrzeug der IS bestätigt. Im Fahrzeug hätten sich «mehrere Selbstmord-Attentäter der IS-K» befunden, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters.

«Wir sind zuversichtlich, dass wir dabei das Ziel erfolgreich getroffen haben», so ein Pentagon-Mitarbeiter. Das berichtet der «Guardian». Es gebe zurzeit keine Meldungen über zivile Opfer.

Die Rakete könnte von den USA abgefeuert worden sein

Der Auslandskorrespondent von Reuters, Idrees Ali, berichtet, zwei US-Beamte hätten ihn darüber informiert, dass die USA einen Militärschlag in Kabul durchgeführt hätten.

Es wird davon ausgegangen, dass sich dies auf den Raketenangriff in der Nähe des Flughafens von Kabul bezieht, was jedoch noch nicht bestätigt wurde, berichtet der «Guardian».

Gemäss Informationen der Nachrichtenagentur Reuters habe der US-Angriff einem Fahrzeug gegolten, mit den ein Suizidattentat auf den Flughafen hätte verübt werden sollen. Es sei davon auszugehen, dass es sich beim US-Luftangriff und dem Raketenangriff, bei dem ein Kind ums Leben kam, um zwei verschiedene Raketenangriffe handle. Eine genaue Bestätigung der Ereignisse steht noch aus. 20 Minuten liefert Ihnen diese nach, sobald wir mehr wissen.

Erstes Todesopfer ist ein Kind

Nach Angaben eines afghanischen Polizeichefs ist eine Rakete in einem Viertel nordwestlich des internationalen Flughafens von Kabul eingeschlagen und hat ein Kind getötet. Bestätigt wird diese Meldung unter anderem von «Sky News» und «Al Jazeera».

Explosion in Kabul

Journalisten vor Ort melden eine Explosion in Kabul. Erste Aufnahmen zeigen danach grosse Rauchwolken. Das Ausmass der Schäden kann noch nicht abgeschätzt werden. Augenzeugen berichten davon, dass eine Rakete in ein Wohnhaus eingeschlagen habe. Verschiedenen Medienberichten zufolge ereignete sich die Explosion etwa drei Kilometer nordwestlich des Kabuler Flughafens. Bestätigte Zahlen über allfällige Todesopfer sind noch keine bekannt.

Der Vorfall ereignete sich nur drei Tage nach dem verheerenden Selbstmordanschlag am Flughafen der Stadt mit mehr als hundert Toten, zu dem sich der regionale Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte. Die USA warnten am Samstag vor einer anhaltend hohen Anschlagsgefahr. Demnach hielt die US-Armeeführung einen Anschlag binnen «24 bis 36 Stunden» für «sehr wahrscheinlich».

Bei dem Selbstmordanschlag am Kabuler Flughafen am Donnerstag waren auch 13 US-Soldaten getötet worden. Als Vergeltung für den Anschlag flog die US-Armee in der Nacht zum Samstag einen Drohnenangriff auf den IS-Ableger IS-K. Dabei wurden nach Angaben des Pentagon zwei ranghohe Mitglieder der islamistischen Splittergruppe getötet. US-Präsident Joe Biden kündigte weitere Vergeltungsangriffe an. (afp)

«Spezifische, glaubwürdige Bedrohung»

Die US-Botschaft in Kabul hat am Samstag vor einer «spezifischen, glaubwürdigen Gefahr» in der Nähe des Flughafens der afghanischen Hauptstadt gewarnt. «US-Bürger in der Umgebung des Flughafens sollten das Gebiet sofort verlassen», appellierte die Botschaft in einer Sicherheitswarnung. Gefahr bestehe am South Gate, am Neuen Innenministerium und am Tor in der Nähe der Pandschir-Tankstelle an der Nordwestseite des Flughafens.

US-Präsident Joe Biden hatte zuvor gewarnt, nach dem verheerenden Selbstmordattentat vom Donnerstag könne ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen. «Die Lage vor Ort ist nach wie vor extrem gefährlich, und die Gefahr von Terroranschlägen auf den Flughafen bleibt hoch», erklärte Biden am Samstag. Nach Einschätzung der Armeeführung sei «ein Anschlag in den nächsten 24 bis 36 Stunden sehr wahrscheinlich».

(afp)

Grossbritannien beendet Evakuierung

Nach der Schweiz, der deutschen Bundeswehr und anderen westlichen Verbündeten hat auch Grossbritannien seine letzten Streitkräfte aus Afghanistan abgezogen. Das britische Verteidigungsministerium teilte am späten Samstagabend über Twitter mit, der letzte Flug mit Soldaten habe Kabul verlassen. Dank gelte all denen, die unter enormem Druck und schrecklichen Bedingungen so tapfer gedient hätten, um die am stärksten gefährdeten Zivilisten sicher zu evakuieren.

Der britische Premier Boris Johnson hatte am Freitag den Zeitpunkt des Abzugs westlicher Truppen aus Afghanistan öffentlich bedauert. «Das Timing ist definitiv nicht das, was sich dieses Land ausgesucht hätte.» Johnson hatte sich vor dem G7-Sondergipfel in dieser Woche bei US-Präsident Joe Biden für eine Verlängerung der westlichen Evakuierungsmission eingesetzt – was dieser jedoch ablehnte.

(dpa)

Samstag, 28.08.2021

«Dieser Angriff war nicht der letzte»

Kurz vor dem Ende des Evakuierungseinsatzes in Afghanistan hat das US-Militär mit dem Abzug seiner Truppen vom Flughafen Kabul begonnen. Der Prozess sei gestartet worden, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Samstag. Gleichzeitig widersprach er entschieden Aussagen der Taliban, wonach die USA «zwei, drei» Zugänge zum Flughafen in der Nacht zu Samstag an die Islamisten übergeben hätten.

Nach dem Vergeltungsschlag gegen Kämpfer des örtlichen Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kündigte US-Präsident Joe Biden weitere Luftangriffe an. «Dieser Angriff war nicht der letzte», erklärte Biden am Samstag. Mit Blick auf den verheerenden Terroranschlag in Kabul vom Donnerstag fügte er hinzu: «Wir werden weiterhin alle Personen, die in diesen niederträchtigen Anschlag verwickelt waren, jagen, fassen und dafür bezahlen lassen.» Jeglicher Angriff auf US-Interessen oder das Militär werde vergolten werden, warnte er.

Nachdem die Bundeswehr und andere Verbündete ihre Evakuierungsmission abschlossen, gingen auch die militärischen Rettungsflüge der USA in die Endzüge. Dabei wurden von der US-Luftwaffe und Verbündeten innerhalb von 24 Stunden noch einmal rund 6800 Menschen aus Kabul ausgeflogen, wie das Weisse Haus am Samstag mitteilte. Seit Mitte August hätten die USA und ihre Partner insgesamt rund 112 000 ihrer Staatsbürger und früherer afghanischer Mitarbeiter ausgeflogen. (dpa)

Joe Biden rechnet mit nächstem Anschlag «in den nächsten 24 bis 36 Stunden»

Der amerikanische Präsident Joe Biden hat eine Einschätzung zu der Lage in Afghanistan gegeben. Biden rechnet mit einem neuerlichen Anschlag am Flughafen von Kabul. Ein solcher sei in den nächsten «24 bis 36 Stunden sehr wahrscheinlich», zitiert ihn die Agentur AFP.

Rechnet mit weiterem Anschlag – und zwar schon sehr bald. US-Präsident Joe Biden.

Rechnet mit weiterem Anschlag – und zwar schon sehr bald. US-Präsident Joe Biden.

AFP

Macron will weitere Evakuierungsflüge durchführen

Frankreich diskutiert mit den Taliban und unter Einbeziehung von Katar über weitere Evakuierungen aus Afghanistan nach dem geplanten Abzug der Amerikaner bis zum 31. August. «Ja, es gibt Gespräche mit den Taliban über humanitäre Operationen und die Möglichkeit, gefährdete Afghanen zu schützen und zu evakuieren», sagte Präsident Emmanuel Macron am Samstag während einer Irak-Reise in Bagdad. «Wir arbeiten unter anderem mit Katar zusammen, um diese Operationen zu ermöglichen.»

Noch befänden sich die Gespräche aber in einer heiklen und vorläufigen Phase, sagte Macron. Es gehe um Hunderte Afghanen, die bereits für eine Evakuierung nach Frankreich vorgemerkt und mit Papieren ausgestattet seien, die es aber nicht zum Flughafen von Kabul geschafft hätten.

Nach der Bundeswehr und anderen westlichen Verbündeten hatten auch die französischen Streitkräfte ihre Evakuierungsmission in Afghanistan am Freitagabend beendet. Wie Macron sagte, hätten rund 2800 Menschen nach Frankreich ausgeflogen werden können, grösstenteils Afghanen sowie Franzosen und andere Staatsangehörige. (dpa)

445 Kommentare