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Afghanistan-KonfliktTaliban töten Medienchef und erobern Stadt ohne Gegenwehr

Die militanten Islamisten reklamieren auch einen Mord eines Regierungsmitarbeiter für sich. Sarandsch in der Provinz Nimrus im Südwesten des Landes ist an die Taliban gefallen.

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Der Informationsdirektor der afghanischen Regierung, Dawa Khan Menapal, wurde von den Taliban getötet. 

Der Informationsdirektor der afghanischen Regierung, Dawa Khan Menapal, wurde von den Taliban getötet.

Quelle: Twitter/Dawa Khan Menapal
Afghanische Truppen ziehen ohne Gegenwehr aus der Provinzhauptstadt Sarandsch ab. 

Afghanische Truppen ziehen ohne Gegenwehr aus der Provinzhauptstadt Sarandsch ab.

Quelle: Twitter/Julian Röpcke
Nachdem die afghanischen Truppen aus Sarandsch abgezogen sind, übernehmen die Taliban die strategisch wichtige Stadt. 

Nachdem die afghanischen Truppen aus Sarandsch abgezogen sind, übernehmen die Taliban die strategisch wichtige Stadt.

Quelle: Twitter/Khorosan_

Darum gehts

  • Die Taliban erobern eine Provinzhauptstadt ohne, dass ein einziger Schuss fällt.

  • Die kleine Stadt ist wegen ihrer Lage von grosser Bedeutung.

  • Die Taliban verzeichnen im massive Gebietsgewinne.

Erstmals seit 2016 haben die militant-islamistischen Taliban eine Provinzhauptstadt in Afghanistan erobert. Sarandsch in der Provinz Nimrus im Südwesten des Landes sei an die Islamisten gefallen, bestätigte die Provinz-Vizegouverneurin Ruh Gul Chairsad am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Lokalen Behördenvertretern zufolge fiel die kleine, aber wegen ihrer Lage bedeutende Stadt an der iranischen Grenze praktisch kampflos an die Taliban. Bilder in sozialen Medien zeigten Taliban-Kämpfer vor dem Sitz des Provinzgouverneurs. Zuletzt war im Jahr 2016 die Stadt Kundus im Norden des Landes vorübergehend an die Taliban gefallen. Seit dem Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen Anfang Mai haben die Taliban massive Gebietsgewinne im ländlichen Raum verzeichnet.

Sie eroberten zudem mehrere Grenzübergänge und belagern mindestens zehn der 34 Provinzhauptstädte. Die US-Militärmission in Afghanistan endet am 31. August. Der Abzug ist US-Angaben zufolge zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen.

Taliban töten Regierungsmitarbeiter von Afghanistan

Zuvor wurde bekannt, dass die Taliban den Informationsdirektor der afghanischen Regierung getötet haben. Dawa Khan Menapal sei am Freitag von Bewaffneten erschossen worden, teilte das Innenministerium in Kabul mit. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Sprecher Sabihullah Mudschahid erklärte, Menapal sei für seine Taten bestraft worden. Nach Angaben des Innenministeriums wurde er während der Freitagsgebete getötet. Wo er sich zu dem Zeitpunkt aufhielt, war zunächst nicht klar.

Menapal leitete die Pressearbeit der Regierung und stand in dieser Funktion mit in- und ausländischen Medien in Kontakt. In den vergangenen Monaten hatte es in Afghanistan eine Reihe von Anschlägen auf Regierungsmitarbeitende, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten gegeben. Am Dienstag hatten die Taliban einen Anschlag verübt, der den kommissarisch amtierenden Verteidigungsminister Bismillah Chan Mohammadi zum Ziel hatte. Acht Menschen kamen ums Leben. Mohammadi blieb unverletzt.

Die Taliban haben sich mit dem Abzug der internationalen Truppen zuletzt zunehmend Territorium in Afghanistan gesichert. Nachdem sie zunächst ländliche Gebiete überrannt und Grenzposten besetzt hatten, belagern sie mittlerweile zunehmend auch grosse Ballungszentren. Unter anderem konnten sie die Provinzhauptstadt Laschkarga in Helmand fast zur Gänze unter ihre Kontrolle bringen.

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(dpa/fos)

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