Bern: Tamara (19) findet seit drei Jahren keine Lehrstelle – das sagen Expertinnen

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BernTamara (19) findet seit drei Jahren keine Lehrstelle – das sagen Expertinnen

Eine junge Frau aus Bern sucht verzweifelt eine Lehrstelle. 20 Minuten hat eine ihrer Bewerbungen zwei Expertinnen vorgelegt.

von
Mara Wehofsky
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Tamara* (19) verzweifelt langsam. Seit drei Jahren und trotz unzähligen Bewerbungen findet sie keine Lehrstelle.

Tamara* (19) verzweifelt langsam. Seit drei Jahren und trotz unzähligen Bewerbungen findet sie keine Lehrstelle.

20min/Michael Scherrer
Bei mehreren Beratungsangeboten wie dem BIZ hat Tamara sich bereits beraten lassen und positives Feedback bekommen. Trotzdem hat sie nur Absagen erhalten.

Bei mehreren Beratungsangeboten wie dem BIZ hat Tamara sich bereits beraten lassen und positives Feedback bekommen. Trotzdem hat sie nur Absagen erhalten.

20min/Michael Scherrer
Corina Zingg, Geschäftsführerin und Ausbilderin für Kursleitende von Bewerbungskursen, hat sich Tamaras Bewerbungsunterlagen angesehen und Feedback gegeben.

Corina Zingg, Geschäftsführerin und Ausbilderin für Kursleitende von Bewerbungskursen, hat sich Tamaras Bewerbungsunterlagen angesehen und Feedback gegeben.

Privat

Darum gehts

  • Eine 19-Jährige aus dem Kanton Bern bewirbt sich seit drei Jahren erfolglos auf Lehrstellen und Praktika. 

  • Tamara* arbeitet gerne mit ihren Händen, sie würde gerne eine Lehre im Betriebsunterhalt, als Bekleidungsgestalterin oder in der Kinderbetreuung machen.

  • 20 Minuten hat eine Bewerbung von Tamara zwei Expertinnen vorgelegt.

«Ich verzweifle langsam. Ich bin jetzt seit drei Jahren dran», sagt Tamara* (19). Sie hat bei der Suche nach einer Lehrstelle einfach keinen Erfolg. Ihren Abschluss hat sie in der Pandemie gemacht und verschickt seitdem fast täglich Bewerbungen für Lehrstellen und Praktika, teilweise zehn am Tag. Tamara hat sich bereits beraten lassen und positives Feedback erhalten. Dennoch erhielt sie nur Absagen. «Das trifft mich schon»  sagt sie zu 20 Minuten.

«Ich will nicht ewig vom Sozialamt leben»

«Es ist so langweilig daheim, ich weiss gar nicht, was ich machen soll!», sagt Tamara zu 20 Minuten. Die junge Frau arbeitet gerne mit ihren Händen. Sie würde gerne eine Lehre im Betriebsunterhalt, als Bekleidungsgestalterin oder in der Kinderbetreuung machen.

Zurzeit jobbt Tamara zu 60% in Stellen, die ihr vom Sozialamt vermittelt werden und erhält zusätzlich finanzielle Unterstützung. «Ich kenne meine Tochter, sie kann das! Aber die jetzige Situation ist schwierig für uns», sagt ihre Mutter. Tamara will den Mut nicht verlieren und weitermachen: «Ich will nicht ewig vom Sozialamt leben.»

Hattest du schon einmal Schwierigkeiten, eine (Lehr-)Stelle zu bekommen?

Mit diesem Motivationsschreiben hat sich Tamara* bei einer Firma beworben.

Mit diesem Motivationsschreiben hat sich Tamara* bei einer Firma beworben.

Privat

Das sagen die Expertinnen

20 Minuten hat eine Bewerbung von Tamara zwei Expertinnen vorgelegt. 

«Grundsätzlich ist es extrem wichtig, dass man seine Bewerbungen auf die Stelle zuschneidet, für die man sich bewirbt. Die Beschreibung der Tätigkeiten passt hier beispielsweise nicht zu den eigenen Stärken. Rasenmähen und Jäten sind ja nicht unbedingt Teamarbeiten. Hier hätte man beispielsweise Genauigkeit erwähnen können», sagt HR-Fachfrau Frederica Nierstrasz. 

Auch Corina Zingg, die Kursleitende von Bewerbungskursen ausbildet, bemängelt, dass das Schreiben zu allgemein sei. Es sei wichtig, dass man sich mit dem Unternehmen auseinandersetzt, bei dem man sich bewirbt: «Damit sind viele junge Menschen oft überfordert.» 

Ein wichtiger Punkt: Rechtschreibung. «Es gibt einige Tippfehler und nicht korrekte Sätze, das macht keinen guten Eindruck. Zudem bewirbt sie sich auf eine Stelle im Betriebsunterhalt, schreibt aber an einem Ort von ‹Bekleidungsgestalterin›. Das ist wohl ein Kopierfehler, der nicht passieren dürfte», so Nierstrasz. Und: «Für viele Personalverantwortliche sind korrekt geschriebene Schreiben ein Zeichen von Zuverlässigkeit und Konzentration», sagt Zingg.

Allgemein gilt laut Nierstrasz: «Wenn für eine ausgeschriebene Stelle viele Bewerbungen eingehen, ist es sehr wichtig, positiv - oder zumindest nicht negativ - aufzufallen. Darum ist es besser, man verschickt wenige, dafür gute und passende Bewerbungen, in die man auch Zeit investiert hat. Zehn Bewerbungen an einem Tag ist sehr viel.»

Für Tamara könnte ein Happy-End bei der Lehrstellensuche bald kommen. Corina Zingg hat sich bereit erklärt, ein Bewerbungs-Coaching für die junge Frau zu organisieren.

* Name geändert

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