Aktualisiert 08.03.2011 13:51

Nach den RazzienTamil Tiger bleibt in Haft

Ein in Haft sitzendes Mitglied der Tamil Tigers bleibt im Gefängnis. Es bestehe dringender Tatverdacht, dass der Mann Gelder für die Tigers erpresst habe. Das entschied das Bundesstrafgericht.

von
Balz Bruppacher
Zehn Personen der Tamil Tigers sind im Januar in der Schweiz festgenommen worden. Drei sind noch immer in Haft.

Zehn Personen der Tamil Tigers sind im Januar in der Schweiz festgenommen worden. Drei sind noch immer in Haft.

Bei Razzien in zehn Kantonen hatte die Bundesanwaltschaft (BA) am vergangenen 11. Januar zehn Personen aus dem Umfeld der Organisation Liberation Tigers of Tamil Eelam festgenommen. Acht von ihnen kamen in Untersuchungshaft; fünf wurden seither wieder auf freien Fuss gesetzt.

Einer der drei nach wie vor inhaftierten Tamilen beschwerte sich vergeblich gegen den Haftentscheid des kantonalbernischen Zwangsmassnahmengerichts. Das Bundesstrafgericht wies die Beschwerde in einem am Dienstag veröffentlichten Entscheid ab. Und zwar kamen die Richter in Bellinzona zum Schluss, dass im Falle des dreifachen Familienvaters, der seit 23 Jahren in der Schweiz lebt, ein dringender Tatverdacht und Verdunkelungsgefahr bestehen.

Mitglied des Kaders der Tamil Tigers

Gemäss den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft soll er zum Kader der Tamil Tigers in der Schweiz gehört haben. Unter anderem sei er Verantwortlicher der Organisation für einen Kanton gewesen. Er soll Listen über die Tamilen in seinem Kanton geführt haben mit Angaben, ob sie Unterstützungsbeiträge für die Tamil Tigers gezahlt haben oder nicht. Am Wohnort des Beschuldigten wurden laut Bundesanwaltschaft mehrere Briefumschläge mit über 20 000 Franken sichergestellt.

Die Bundesanwaltschaft wirft den Tamil Tigers vor, ihre Landsleute während Jahren zu finanziellen Beiträgen gezwungen zu haben. Dabei sei es zu Erpressungen, erzwungenen Kreditaufnahmen, Repressalien und körperlicher Gewalt gekommen. Mehrere Millionen Franken der gesammelten und erpressten Gelder sollen an die Mutterorganisation auf Sri Lanka überwiesen worden sein, die im dortigen Bürgerkrieg bis Mai 2009 für die Unabhängigkeit gekämpft hatte.

Mitglied einer kriminellen Organisation

Das Bundesstrafgericht wies nun den Vorwurf zurück, die Beweislage gegen den Beschuldigten sei zu dünn und das Vorgehen der Bundesanwaltschaft sei willkürlich. Zum jetzigen Zeitpunkt des Verfahrens gebe es hinreichend konkrete Anhaltspunkte für die Beteiligung beziehungsweise Unterstützung einer kriminellen Organisation. Weitere Vorwürfe betreffen die Straftatbestände der Drohung, Erpressung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei.

Die Richter in Bellinzona bezeichneten das Vorgehen der Bundesanwaltschaft auch als verhältnismässig. Das Urteil kann innerhalb von 30 Tagen beim Bundesgericht in Lausanne angefochten werden.

Die Bundesanwaltschaft hatte nach der landesweiten Razzia vom 11. Januar auch eine Hotline eingerichtet, um weitere Opfer oder Zeugen zu suchen. Diese Rufnummer wurde inzwischen wieder eingestellt, wie BA-Sprecherin Jeannette Balmer auf Anfrage sagte. Zum Stand des Verfahrens wollte sie keine weiteren Angaben machen.

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