Arzt rät nach Todesfall: «Tampons muss man regelmässig wechseln»

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Arzt rät nach Todesfall«Tampons muss man regelmässig wechseln»

Der Tod der Britin Natasha (14) wegen eines Tampons verängstigt auch Frauen in der Schweiz. Zwei Mädchen schildern, wie sie nur knapp überlebten. Ein Arzt gibt aber Entwarnung.

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Die 14-jährige Natasha Scott-Falber benutzte zum ersten Mal einen Tampon - und starb daran. Zuvor hatte sie mit ihrer Mutter noch darüber gesprochen, die sie ermahnte, den Tampon ja nicht zu lange drin zu lassen. Nur wenige Tage nach der ersten Anwendung wird Natascha krank, sie hat hohes Fieber und stirbt. Die Ursache: Toxisches Schocksyndrom (TSS).

Auch Schweizer Mädchen haben das Schocksyndrom am eigenen Leib erfahren. Lena (15) hatte das TSS vor ungefähr einem Jahr: «Ich überlebte in der letzten Stunde, bevor die Organe den Geist aufgegeben hätten.» Als sie am Samstag ihre Tage bekam, benutzte sie gleich einen Tampon. Am Tag darauf hatte sie leichte Kopfschmerzen. Am Montag fühlte sie sich dann so erschöpft, dass sie nicht zur Schule konnte. Sie dachte, es sei nur eine harmlose Erkältung. «Mir ging es aber immer schlechter und schlechter. Meine Gliedmassen schmerzten und ich wollte nur noch liegen.» Das Kopfweh wurde schlimmer und auch die Gliedmassen schmerzten immer mehr. «Meine Körpertemperatur stieg gefährlich hoch an. Ich fing an zu erbrechen - alle 30 Minuten.»

«Tampons sollten verboten werden»

«In der Nacht auf Dienstag lag ich im Delirium mit 40 Grad Fieber und redete nur wirres Zeug», erzählt Lena weiter. Der Hausarzt konnte nicht helfen. Auf dem Weg ins Inselspital Bern konnte sie fast nicht mehr gehen und musste noch immer erbrechen. Im Spital wusste man endlich, was zu tun war. Später teilten ihr die Ärzte mit, dass sie sie gerade noch auffangen konnten. Ihr Blutdruck sei stark gesunken. «Eine Stunde später und meine Organe hätten versagt.» Nach dem Vorfall durfte Lena mindestens ein Jahr lang keine Tampons mehr verwenden, da sie sonst einen Rückfall riskiert hätte.

Auch Melanie hat mit Tampons negative Erfahrungen gemacht: «Mein Frauenarzt riet mir von Tampons ab, ich folgte seinem Rat und bin froh darüber.» Sie hatte während ihrer Menstruation sehr starke Schmerzen, Schweissausbrüche und zitterte am ganzen Körper. Sie musste erbrechen und hatte zugleich Stuhlgang, konnte sich kaum bewegen. Doch niemand fand den Grund dafür. Endlich wusste ein Arzt ihr zu helfen, klärte sie über das Toxische Schocksyndrom auf. Mit einer OP war ihr sogleich geholfen. «Seither geht es mir viel besser, ich bin so glücklich. Vorher war ich sehr eingeschränkt, niemand hat mich ernst genommen. Ich finde, Tampons sollten verboten werden.»

«Blut ist der perfekte Nährboden für Bakterien»

Dr. med. Pierre Villars, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, sieht das anders: Er habe in 25 Jahren Praxis noch keinen Fall von TSS erlebt. «Tampons sind bei richtiger Anwendung überhaupt nicht gefährlich.» Lasse man aber den Tampon zu lange drin, das heisst mehr als 8 Stunden, dann steige das Risiko für TSS. «Blut bietet einen perfekten Nährboden für Bakterien. Wenn ein Tampon bei etwa 37 Grad im Körper über mehrere Stunden verweilt, können sich die Bakterien schneller vermehren und Toxine abgeben», sagt Villars. TSS werde häufig durch Streptokokken-Bakterien verursacht. Das sind Hautkeime. Deshalb sei es wichtig, vor dem Tampon-Wechsel gründlich die Hände zu waschen.

Würde man den Tampon regelmässig, im besten Fall alle vier Stunden, wechseln und vorher die Hände waschen, dann seien Tampons vollkommen ungefährlich. «Natürlich muss man sich der Risiken bewusst sein. Aber zu einem Toxischen Schocksyndrom kommt es nur in den seltensten Fällen.» Der Tampon-Hersteller Tampax informiert auf seiner Webseite über die Risiken des Schocksyndroms. TSS könne jederzeit während oder kurz nach der Periode auftreten. Zudem könne es sehr schnell voranschreiten - von grippeähnlichen Symptomen bis hin zu einer ernsten Krankheit, die tödlich sein kann. Gegenüber 20 Minuten konnte Tampax heute keine Stellung nehmen.

Obwohl Lena wegen TSS nur knapp dem Tod entkam, ist sie von Tampons nicht abgeschreckt: «Ich benutze seit diesem September wieder Tampons und hatte keinen Rückfall bis jetzt. Wenn ich einen gehabt hätte, hätte ich einfach sofort ins Spital gehen müssen.» Das sei aber kein Grund, keine Tampons mehr zu verwenden.

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