Vorsichtige Carabinieri: Tamtam um eine Tote
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Vorsichtige CarabinieriTamtam um eine Tote

Eine 23-Jährige aus Ohio wird in Valadarno überfahren. Eigentlich ein gewöhnlicher Verkehrsunfall. Doch nach dem Fall Knox scheint sich Italien in der Schuld zu fühlen und ermittelt mit Samthandschuhen.

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Der Fall wird seit zwei Tagen in den italienischen Medien in grossen Lettern abgehandelt: Eine 23-jährige US-Amerikanerin verlässt am Sonntagnachmittag ihren Wohnort, um joggen zu gehen; seither wird sie vermisst. Sofort rücken die Carabinieri aus, um nach der Frau zu suchen. Drei Tage später wird ihre Leiche in einem Kanal am Rand einer Hauptstrasse der toskanischen Stadt San Giovanni Valdarno gefunden.

Eine Autopsie hat am Donnerstag ergeben, dass die junge Frau, die in Italien als Reiseleiterin arbeitete, von einem Fahrzeug getroffen wurde. «Es handelt sich um einen Verkehrsunfall, es gibt keine Anzeichen von Gewalt», erklärte der Anwalt der Familie Owens gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Er vermute, Owens sei mit ihrem iPod unterwegs gewesen und habe darum das sich nähernde Auto nicht gehört.

Viel Unterstützung von Behörden

Dass in der gleichen Woche, in der Amanda Knox aus der Haft in Perugia entlassen wurde, eine zweite Amerikanerin in den Polizeinachrichten erscheint, verursacht bei den Italienern offenbar ein mulmiges Gefühl. Cindy Owens, Mutter des Opfers, die wenige Stunden nach Veröffentlichung der Vermisstenmeldung von Columbus, Ohio, nach Italien flog, bedankte sich für «die unglaubliche Unterstützung», die sie von den Behörden und Anwohnern bekommen habe.

Eine Freundin Owens' schilderte, wie besorgt und hilfsbereit sich die Polizei gezeigt habe. «Sie gingen mit Flyers und Bildern von Tür zu Tür, um nach Allison zu suchen. Ich fühlte sofort die Liebe und die Unterstützung der Leute.» Auch die Sendung «Chi l'ha visto?» nahm sich des Falles an. Das Pendant von «Aktenzeichen XY» war mit Kameras sogar live vor Ort, um über die Bergung der Leiche zu berichten - eine eher aussergewöhnliche Massnahme bei einem «einfachen» Verkehrsunfall. Manch ein Zuschauer könnte den Eindruck bekommen haben, Italien fühle sich den Amerikanern gegenüber schuldig.

Der Fahrer des Unfallwagens befindet sich - trotz Medienaufruf - immer noch auf der Flucht. An der Unfallstelle haben Forensiker Splitter eines «dunklen Volvos» gefunden. Man werde nun in allen Garagen der Region danach suchen, sagte der Carabiniere Antonio Frassinetto, der für die Ermittlungen zuständig ist.

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