Verkehr: «Tango» auf Zürichs Strassen
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Verkehr«Tango» auf Zürichs Strassen

Harte Sitze und futuristische Ausstrahlung: Ein nagelneues Tram im gelben Kleid nimmt den Testbetrieb in der Stadt Zürich auf. Ob es die Schienen im Tangoschritt erobert, ist offen.

von
Joel Bedetti

Staunende Blicke werden sich Passagiere der Zürcher Tramlinie 7 in den nächsten Wochen zuwerfen: Anstatt dem gewohnten Tram in Blauweiss wird ab und zu ein langer, gelber, etwas futuristisch anmutender Flitzer vor ihnen halten: Der «Tango».

Der «Tango» ist eine brandneue Strassenbahn der Firma Stadler, die dem SVP-Nationalrat Peter Spuhler gehört. Die Verkehrsbetrieb der Stadt Zürich (VBZ) überlegen sich nun, mit dem «Tango» die über 30-jährigen Trams 2000 zu ersetzen und die steigenden Tramfahrerzahlen aufzufangen.

Frisch aus der Fabrik

Vom 31. März bis Mitte April ist deshalb ein Fahrzeug auf der Strecke der Linie 7 unterwegs. «Diese Testphase wird zeigen, wie das Fahrzeug bei den Fahrgästen und beim Personal ankommt und welche Anpassungen wir vornehmen müssten, um den «Tango» unserer Infrastruktur anzupassen», sagte VBZ-Direktor Hans-Peter Schär an einer Medienkonferenz.

Das Testfahrzeug kommt direkt aus der Produktion und gehört eigentlich den Verkehrsbetrieben des Kantons Baselland – deshalb auch der gelbe Anstrich. Sie haben bereits eine erste Tranche von vier «Tango» geliefert bekommen, seit dem 5. Januar sind die Fahrzeuge im Testbetrieb.

Fahrgäste vermissen schummriges Licht

Die Basler Tramfahrer seien vom «Tango» grossteils begeistert, erzählte Andreas Büttiker, Direktor der Baselland Transport AG. «Sie lobten das futuristisch scheinende Design und das Fahrgefühl, das einer Reise im Zug gleiche», berichtet Büttiker.

Umstritten sei das helle, aber auch kalt wirkende LED-Licht, das die Fahrsicherheit verbessere. Einige Leute würden das schummrige Tramlicht missen. Der einzige Kritikpunkt: «Die Sitze seien zu hart», musste Andreas Büttiker einräumen «Es nicht mich Wunder, ob auch die Zürcher so seidenweiche Gesässe haben wie die Basler», feixte er.

Verwunderte Blicke

Eine kleine Testfahrt mit dem gelben «Tango» bekräftigte die Eindrücke: Die Sitze etwas hart, der enge Innenraum wirkte ein wenig eng – dafür surrte der «Tango» seelenruhig und leise durch die Stadt und an den verwundert schauenden Passanten vorbei.

Der Kauf des «Tango» ist jedoch noch nicht beschlossen. «Die Testphase ist keine Vorentscheidung für den «Tango», sagte VBZ-Chef Schär. Die Neubeschaffung werde im nächsten Jahr öffentlich ausgeschrieben. Mitte 2013 wolle man dann das neue Tram einführen. Die Zürcher Verkehrsbetriebe benötigen rund 60 neue Fahrzeuge.

Alles spricht für den «Tango»

Die Wahrscheinlichkeit, dass der «Tango» künftig auf Zürichs Strassen gleitet, ist jedoch nicht klein – auch das liess Hans-Peter Schär an der Medienkonferenz durchblicken. «Zurzeit gibt es nicht viele Firmen, welche Trams produzieren.» Man stehe im Kontakt mit der Firma Bombardier, die das Cobra-Tram entwickelte. Bisher habe sie jedoch kein Modell zur Testfahrt angemeldet, so Schär.

Ausserdem sei man froh, dass man im Falle des «Tango» mit einem Schweizer Unternehmen zusammenarbeiten könne. «Vertraute Firmenkultur, gleiche Sprache – zudem würde ein Grossteil des Geldes in der Schweiz bleiben», warb Hans-Peter Schär für die Firma Stadler und den «Tango».

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