Ab 1.48 Franken: Tanken ist so günstig wie seit vier Jahren nicht mehr

Aktualisiert

Ab 1.48 FrankenTanken ist so günstig wie seit vier Jahren nicht mehr

Der Rohölpreis ist in den letzten 12 Monaten um ein Drittel gesunken. Nun kommt die Baisse an der Zapfsäule an. Ein Liter Bleifrei kostet teilweise noch rund 1.50 Fr.

von
S. Spaeth
1 / 8
Vielerorts in der Region Zürich kostet der Liter Bleifrei zwischen 1.59 und 1.65 Franken. Zum Vergleich: Im Sommer lag das Monatsmittel pro Liter Bleifrei bei 1.78 Franken.

Vielerorts in der Region Zürich kostet der Liter Bleifrei zwischen 1.59 und 1.65 Franken. Zum Vergleich: Im Sommer lag das Monatsmittel pro Liter Bleifrei bei 1.78 Franken.

Keystone/Christian Beutler
Innerhalb der letzten zwölf Monate ist der Preis fürs Rohöl der Nordseesorte Brent um rund 30 Prozent gesunken. Im Bild: Eine Förderplattform in Norwegen.

Innerhalb der letzten zwölf Monate ist der Preis fürs Rohöl der Nordseesorte Brent um rund 30 Prozent gesunken. Im Bild: Eine Förderplattform in Norwegen.

Keystone/Marit Hommedal
Äusserst günstig sind die Benzinpreise am Jura-Nordfuss. Grund dafür ist die Nähe zur Raffinerie in Crissier im Kanton Neuenburg. Wichtig ist zudem die Konkurrenz-Situation: Viele Anbieter auf kleinem Raum führt tendenziell zu günstigeren Preisen.

Äusserst günstig sind die Benzinpreise am Jura-Nordfuss. Grund dafür ist die Nähe zur Raffinerie in Crissier im Kanton Neuenburg. Wichtig ist zudem die Konkurrenz-Situation: Viele Anbieter auf kleinem Raum führt tendenziell zu günstigeren Preisen.

Keystone/Peter Klaunzer

Der Benzinpreis steigt immer, er fällt nie. So lautet einer der vielen Mythen, die sich um den Treibstoff ranken. Für einmal zeigt die Aktualität aber, dass die Tarife an den Zapfsäulen auch die andere Richtung kennen. Vielerorts in der Region Zürich kostet der Liter Bleifrei zwischen 1.59 und 1.65 Franken. Zum Vergleich: Im Sommer lag das Monatsmittel pro Liter Bleifrei bei 1.78 Franken, wie der Landesindex für Konsumentenpreise zeigt.

«Die Preise an den Zapfsäulen befinden sich derzeit auf einem Vierjahrestief», sagt Ramon Werner, CEO der Firma Oel-Pool, die in der Schweiz insgesamt 340 Tankstellen der Marken Ruedi Rüssel und Mini Prix betreibt. Das günstigste Mini-Prix-Benzin gibt es derzeit im Bernischen Gampelen mit 1.48 Franken pro Liter Bleifrei (Diesel 1.59 Franken). Preiswert ist auch Caslano mit 1.519 Franken. «Bei solchen Preisen verdienen wir nichts mehr», so Werner. Man gehe aber immer mindestens zwei Rappen unter den Preis der Konkurrenz in der Nähe. Die günstigste Tankstelle der Migrol-Kette befindet sich in Boudry im Kanton Neuenburg. Bleifrei kostet dort 1.51 Franken, Diesel 1.65 Franken. «In der Umgebung der Raffinerie Cressier sind die immer sehr günstig», erklärt Migrol-Chef Daniel Hofer.

Steigt der Preis schneller als er fällt?

«Der Preis für Bleifrei 95 ist derzeit tiefer als im Mittel der letzten drei Jahre», bestätigt Francesca Romano von der Erdöl-Vereinigung. Ähnlich verhalte es sich beim Dieselpreis. Und was ist dran am Mythos, wonach die Händler Preiserhöhungen jeweils schnell weitergeben, mit Senkungen aber zuwarten? «Das stimmt nicht», sagt Romano. Die Anbieter seien bei Erhöhungen eher abwartend, da keine Tankstelle die Tarife als erste anpassen wolle. Ähnlich tönt es bei den Ruedi-Rüssel-Tankstellen. «Die Preisveränderungen gehen in beide Richtungen gleich schnell», so Ramon Werner.

Innerhalb der letzten zwölf Monate ist der Preis für das Rohöl der Nordseesorte Brent um rund 30 Prozent gesunken. Ein Fass (159 Liter) kostet derzeit rund 78 Dollar. Im Frühjahr 2013 kostete das Fass 126 Dollar – und zum Allzeithoch im Sommer des Jahres 2008 146 Dollar. Weil Rohöl in Dollar gehandelt wird, hat auch der Dollar-Franken-Kurs einen Einfluss. Und dieser ist seit Anfang Jahr um rund 8 Prozent gestiegen: von 89 auf aktuell 96 Rappen.

Opec entscheidet über Fördermenge

Die Gründe für die seit langem sinkenden Ölpreise sind vielschichtig. Einerseits hängt es mit einem verlangsamten Wirtschaftswachstum in Schwellenländern, den USA und Europa zusammen, wodurch die Nachfrage zurückging. Andererseits ist es die zu grosse Fördermenge der Organisation der Erdölfördernden Länder (Opec)

Schon am Donnerstag bei der Opec-Tagung in Wien könnten sich die zwölf Mitgliedstaaten aber auf Produktionskürzungen verständigen, um den seit langem sinkenden Preis zu stützen. Laut Branchenkennern müsste die Fördermenge unter die Marke von 30 Millionen Barrel pro Tag sinken, damit die Preise wieder nach oben drehen. Laut jüngsten Angaben liegt die tatsächliche Fördermenge der Opec seit geraumer Zeit sogar über der anvisierten Marke. Die zwölf Länder der Organisation stehen für etwa ein Drittel der Ölproduktion weltweit.

Deine Meinung