Aktualisiert 30.04.2020 17:19

PreisvergleichTankstellen verlangen am meisten für Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel und Schutzmasken sind in der Coronakrise gefragt. Detailhändler dürfen daraus keinen Profit schlagen, so der Konsumentenschutz. Trotzdem variieren die Preise stark.

von
Barbara Scherer
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Desinfektionsmittel ist zurzeit stark gefragt.

Desinfektionsmittel ist zurzeit stark gefragt.

KEYSTONE
Genauso wie Schutzmasken.

Genauso wie Schutzmasken.

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Die meisten Detailhändler haben diese Produkte deshalb in ihr Sortiment aufgenommen. Allerdings variieren die Preise stark.

Die meisten Detailhändler haben diese Produkte deshalb in ihr Sortiment aufgenommen. Allerdings variieren die Preise stark.

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  • Schutzmasken werden fast überall für den Einkaufspreis verkauft.
  • Bei Desinfektionsmitteln erheben Detailhändler eine Marge.
  • Laut Konsumentenschutz dürfen sich die Händler aber nicht bereichern in der Coronakrise.
  • Ein Experte findet gewisse Margen im Vergleich zum Ausland «bedenklich».

Schritt für Schritt lockert die Schweiz den Lockdown. Fürs Hochfahren des öffentlichen Lebens sind in vielen Branchen Schutzmasken für die Mitarbeiter und Kunden gefragt. Auch Desinfektionsmittel gehört inzwischen zur Alltagsausstattung der meisten Schweizer.

Keine Margen auf Masken

Aufgrund der erhöhten Nachfrage haben die meisten Detailhändler Masken und Handdesinfektionsmittel in ihr Sortiment aufgenommen. Der Verkaufspreis variiert aber stark. Eine Schutzmaske bei Migros und Coop kostet rund 80 Rappen. Beim Unternehmen Valora, zu dem K-Kioske und Avec-Shops gehören, kostet eine Maske rund 1.50 Franken.

Grund für den Preisunterschied: Migros und Coop verkaufen die Masken zum Selbstkostenpreis, Valora erhebt laut eigenen Angaben eine kleine Marge: «Wir verkaufen Schutzmasken annähernd zum Selbstkostenpreis», sagt eine Mediensprecherin zu 20 Minuten. Wegen der hohen Nachfrage sei die Beschaffung der Masken eine grosse Herausforderung. Das erhöhe die Kosten. «Weiter sind die Einkaufspreise massgebend, auf die wir keinen Einfluss haben», erklärt die Valora-Sprecherin.

Preisvergleich

Franken pro Maske

  • Aldi: 0.70
  • Coop: 0.80
  • Lidl: 0.70
  • Migros: 0.80
  • Spar: 0.65
  • Valora: 1.50
  • Zur Rose: 1

Tankstellen wollen am meisten fürs Desinfektionsmittel

Anders als bei den Masken verrechnen die Detailhändler bei Desinfektionsmitteln eine Marge. Deshalb schwanken die Verkaufspreise dort extrem: 100 Milliliter Hand-Desinfektionsmittel können allein bei der Migros je nach Marke zwischen 3.75 und 9 Franken kosten. Spar und Denner verkaufen 100 Milliliter Hand-Gel für unter 3 Franken. Bei BP-Tankstellen kostet Desinfektionsmittel je nach Grösse zwischen 5.55 und 15 Franken pro 100 Milliliter und bei Socar-Tankstellen 11.90 Franken. Die Marge für die Mittel liege im Rahmen der anderen Non-Food-Artikel, heisst es vonseiten BP.

Alle Anbieter beteuern, dass sie ihre Margen nicht erhöht hätten wegen der Coronakrise: So verkauft beispielsweise Lidl sein 50-Milliliter-Hand-Hygiene-Gel seit 2014 für 1.99 Franken. Aldi hat dasselbe Produkt im April neu eingeführt und verkauft es für denselben Preis.

Weil das bisherige Desinfektionsmittel teilweise ausverkauft war, musste die Migros auf alternative Artikel zurückgreifen: Eine Preiserhöhung gebe es aber deshalb nicht. «Bei den Handdesinfektionsmitteln aus unserem Standardsortiment haben wir die Verkaufspreise nicht angepasst», sagt eine Coop-Sprecherin. Neu sei aber Desinfektionsmittel von kleineren Betrieben ins Sortiment aufgenommen worden.

Schweiz hat zu hohe Margen

Auch wenn die Detailhändler die Margen nicht erhöht haben, sind diese in der Schweiz allgemein sehr hoch angelegt. Das zeigt ein Blick nach Deutschland: Im Deutschen Drogeriemarkt kosten 100 Milliliter Desinfektionsmittel umgerechnet 0.70 Franken. Eine Schutzmaske kostet etwa 30 Rappen.

Laut Konsumentenschutz ist der Schweiz-Zuschlag nicht gerechtfertigt. «Das geht schlichtweg nicht. Da verdient nur das Management der Importfirmen etwas daran», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Der Detailhandel selbst und seine Angestellten hätten nichts davon.

Patrick Krauskopf, Rechtsprofessor an der ZHAW, findet die Preise auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar: Ein Preisunterschied bis zu 20 Prozent im Vergleich zu Deutschland könne unter Umständen mit höheren Mieten und Löhnen gerechtfertigt werden. «Aber ein bis zu zehnmal höherer Konsumentenpreis für Desinfektionsmittel lässt sich kaum mehr rechtfertigen», so Krauskopf. Es stelle sich die Frage, ob ein solcher Konsumentenpreis kartellrechtlich noch zulässig sei oder ob ein Marktmachtmissbrauch vorliege. Dann müsste die Wettbewerbskommission eingreifen.

Händler dürfen sich nicht bereichern

Allgemein dürfe es bei Schutzmaterial wie Desinfektionsmitteln zwischen den einzelnen Anbietern keinen extremen Preisunterschied geben, so Stalder. Das Angebot ist eingeschränkt, Konsumenten haben deshalb gar keine Auswahl. Detailhändler dürfen daraus keinen Vorteil ziehen, so Stalder.

Hierzulande können nur medizinische Einrichtungen, etwa Zahnärzte, für niedrige Preise Desinfektionsmittel und Masken kaufen: Händler wie Condordental und Demadent verkaufen Desinfektionsmittel für 1.70 Franken pro 100 Milliliter und Masken für 10 bis 55 Rappen pro Stück.

Laut Patrick Krauskopf könnten Zahnärzte von langjährigen Verträgen mit den Grosshändlern profitieren und deshalb weniger für Schutzmasken bezahlen. Detailhändler wie Migros und Coop beschaffen nun kurzfristig grosse Mengen. Das könnte zu Zusatzkosten führen. «Ich schliesse nicht aus, dass die Einkaufskonditionen attraktiver werden, sollten die Detailhändler entscheiden, die Masken langfristig in ihr Sortiment aufzunehmen.»

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192 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Es gibt viele immer was zu Bauen!

14.05.2020, 08:02

72.- Fr . / 50 Stk = 0.80 Das zumindest bei Obi. Vielleicht haben die kein Taschenrechner!

Daniel

08.05.2020, 10:22

Die ‘höhere’ Marge / der Gewinn ist sicherlich nicht für den normalen Mitarbeiter (Reallohnerhöhung seit Jahren Fehlanzeige, nein man muss sich noch um einen Jobverlust fürchten), sondern fliesst direkt zu den Managern und Aktionären…

Edgar Amsler

08.05.2020, 08:52

Die Schweizer sind doch ewig die Beschissenen. Die Grenzen bleiben wohl nicht nur wegen Corona noch länger geschlossen... Freie Bürger...