Tante Emma vs. Coca Cola 1:0
Aktualisiert

Tante Emma vs. Coca Cola 1:0

Im Streit zwischen einer Ladenbesitzerin in einem mexikanischen Armenviertel und Coca Cola sind Vertriebsstellen des US-Konzerns zu hohen Geldstrafen verurteilt worden.

Die mexikanische Kartellbehörde verhängte eine Strafe von umgerechnet 58 Millionen Euro, wie ein Coca-Cola-Sprecher und ein Beamter der Behörde der Nachrichtenagentur AP bestätigten. Dies ist die höchste Strafe, die je in einem Kartellverfahren in Mexiko verhängt wurde.

Den Stein ins Rollen gebracht hat Raquel Chavez, die nicht mehr hinnehmen wollte, dass ihr vorgeschrieben wurde, welche Getränke sie in ihrem winzigen Laden in Iztapalapa am Rand von Mexiko-Stadt zu verkaufen habe. Ein Coca-Cola-Vertriebspartner sagte der 49-Jährigen, sie dürfe keine Getränke von Big Cola mehr verkaufen, wenn sie weiter beliefert werden wolle. Big Cola ist eine peruanische Firma, die seit einigen Jahren mit niedrigen Preisen auf den mexikanischen Markt vorstösst.

In ihrer Not wusste Chavez zuerst nicht, an wen sie sich wenden sollte. Schliesslich fand sie ein Büro der staatlichen Wettbewerbsaufsicht, wo ihre Beschwerde aber erst einmal liegen blieb. Nach zwei Monaten hakte die resolute Verkäuferin nach. «Ich sagte ihnen: 'Was macht ihr hier eigentlich? Seid ihr da, um Coke zu beschützen oder um uns zu verteidigen?' Die Kartellwächter gingen der Sache schliesslich nach und fanden bald Hinweise auf ähnliche Fälle. Nach zwei Jahren befand die Behörde im Juli, dass 15 Abfüllbetriebe gegen die Kartellgesetze verstossen hätten. Einige Wochen danach wurde ein weiteres Urteil gegen 54 Vertriebsstellen von Coca Cola verhängt.

Das Geld geht an den Staat, Chavez sieht davon keinen Peso. Aber sie wird jetzt wieder direkt von Coca Cola beliefert, nachdem sie drei Monate lang in ein Grosshandelszentrum fahren musste. «Ich bin stolz», freut sie sich über den Ausgang des Verfahrens. «Vielleicht fangen die Leute jetzt an, für ihre eigene Sache aufzustehen.»

Coca-Cola-Sprecher Charley Sutlive sagte: «Wir respektieren die Entscheidungen.» In einem Berufungsverfahren solle aber geklärt werden, «dass unsere Geschäftspraxis mit dem mexikanischen Wettbewerbsrecht in Einklang steht». Coca Cola hat in Mexiko einen Marktanteil von etwa 70 Prozent aller verkauften Erfrischungsgetränke. (dapd)

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