Drei Monate danach: «Tanz dich frei» hinterlässt Image-Schaden bei Touris
Aktualisiert

Drei Monate danach«Tanz dich frei» hinterlässt Image-Schaden bei Touris

Nach der Strassenschlacht vom Mai wird der Baldachin vor dem Berner Bahnhof endlich repariert, doch der Imageschaden bei Besuchern dürfte noch anhalten.

von
Patricia Shams

Die sieben zerstörten Glasscheiben des Berner Bahnhof-Baldachins werden ausgetauscht – drei Monate lang waren sie stumme Zeugen der «Tanz dich frei»-Krawalle. Die Reparatur kostet 130'000 Franken, da es sich um Spezialanfertigungen handelt. Die Gebäudeversicherung übernimmt zwar die Kosten. Doch der Imageschaden bleibt - die zersplitterten Scheiben kratzen am Saubermann-Image der Stadt Bern.

«Ich dachte, die Schweiz sei ein sicheres Pflaster», sagt Amal Abdulkareem (37) aus Qatar. Und Jessica Wu (18) aus Kanada doppelt nach: «Ich hätte nie mit derartigen Krawallen im schönen Bern gerechnet.» Sie habe nun ein mulmiges Gefühl im Hinblick auf die Sicherheit.

Tourismusdirektor Markus Lergier ist erleichtert, dass der Schandfleck endlich verschwindet: «Es ist im Interesse aller, dass das schöne Stadtbild wiederhergestellt wird.»

Gäste äussern sich negativ

Doch bis die Hauptstadt im alten Glanz erstrahlt, dauert es noch bis Mitte September - erst dann werden die zerschlagenen Fenster beim Fünf-Sterne-Hotel Schweizerhof ausgetauscht. Die Reparaturen kosten 100'000 Franken. Die Gäste reagierten perplex auf die beschädigten Scheiben, sagt Hotel-Managerin Iris Flückiger: «Der Imageschaden ist grösser als der Sachschaden.»

«Nacht der Schande»

Der Berner Gemeinderat hat die Lage vor der «Tanz dich frei«-Krawallnacht falsch eingeschätzt. Dieser Ansicht ist FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt, wie er am Montag an der Parteiversammlung deutlich machte. Er stellte zugleich die Polizeistrategie in Frage.

Schmidt sprach von einer «Nacht der Schande», die sich nicht wiederholen dürfe. Der Finanzdirektor, der in der Stadtregierung als Bürgerlicher in der Minderheit ist, betonte, er vertrete eine persönliche Sicht «auf die Gefahr hin, dass ich mich damit im Gemeinderat nicht durchsetzen kann».

Die Stadtregierung habe bekanntlich entschieden, die unbeteiligte Kundgebung zu dulden und zugleich von einem Besuch des Anlasses abzuraten. Diese Lageeinschätzung habe sich angesichts der unerwartet heftigen Gewalt als «kontraproduktiv und falsch» erwiesen.

Schmidt stellte auch die Polizeistrategie in Frage. Die Polizei habe bewusst Abstand von der Veranstaltung gewählt. Doch «diese Deeskalationsstrategie ist nichts anderes als ein beschönigendes Wort für Abwesenheitsstrategie der Polizei». (SDA)

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