Moritz Bauer: Tapetenwechsel vom russischen Abenteuer
Aktualisiert

Moritz BauerTapetenwechsel vom russischen Abenteuer

Moritz Bauer wechselte im Sommer von GC nach Russland zu Rubin Kasan. Zurzeit geniesst er die Heimat oder die Pause von einem Abenteuer.

von
E. Tedesco

Kasan-Verteidiger Moritz Bauer erzählt über sein Leben in Russland. (Video: 20 Minuten)

Sechs Monate ist es her, dass Moritz Bauer von GC zu Rubin Kasan nach Russland wechselte. Kasan? Wo ist das eigentlich? Kasan liegt rund 800 Kilometer östlich von Moskau, ist die Hauptstadt der Republik Tatarstan und achtgrösste Stadt in Russland.

«Diese Stadt ist nach Moskau zweifellos die erste Stadt Russlands. Alles hier weist darauf hin, dass es die Hauptstadt eines grossen Königreichs ist», sagte einst Katharina die Grosse. Trotz der Historie ist Kasan auch Stadt der Jugend. 30 der grössten Universitäten des Landes sind hier zu finden. Zudem ist die 1,19-Millionen-Metropole eine der wichtigsten Sportstädte in Russland und Spielort der Fussball-WM 2018. Sie ist auch Heimat einiger der besten Basketball-, Eishockey- und Fussballclubs. Darunter eben Rubin Kasan, Meister 2008 und 2009 – und Arbeitgeber von Moritz Bauer.

Bauer hat den Durchbruch geschafft

Viele Leute konnten den Entscheid des 24-jährigen Verteidigers nicht nachvollziehen. Warum ausgerechnet Russland? Neben dem vielfach höheren Lohn (geschätzt: 1 Million netto pro Jahr) sprach vor allem die Lust auf ein Abenteuer für den Wechsel. 2010 war Bauer von Winterthur zu GC gekommen und absolvierte über 100 Pflichtspiele für die Hoppers. Aber je länger, je mehr machte sich das Gefühl bei ihm breit, dass er in der Super League nicht mehr weiterkam. Ein halbes Jahr später sagt Bauer: «Ich habe den Schritt bisher nicht bereut.»

Wieso auch, in 17 Runden hat der Verteidiger 13 Einsätze absolviert, stand zwölfmal in der Startelf, obwohl in Russland nur sechs Legionäre gleichzeitig spielen dürfen. Sportlich hat er den Durchbruch bei Trainer Javier Garcia geschafft. «Ich habe mich sehr gut eingelebt. Es ist zwar eine andere Liga, eine Mentalität und Kultur, aber ich habe nur Gutes zu berichten und fühle mich sehr wohl», sagt der Verteidiger.

An die Mentalität hat er sich gewöhnt und auch an die Sprache. «Das Alphabet ist relativ einfach», sagt Bauer, «inzwischen verstehe ich viel und beherrsche die Schrift. Aber was nützt das Lesen, wenn man das Wort nicht versteht? Wenn im Radio Nachrichten kommen, verstehe ich, worum es geht, nur wortwörtlich übersetzen kann ich es noch nicht.»

Mit dem Charter-Flug an die Spiele

Gewöhnt hat sich Bauer auch an die weiten Reisen zu den Spielen. Statt eineinhalb Stunden im Car zu sitzen, bringt Kasan ein Charter-Flug an die Spielorte. Kasan – Tomsk sind zum Beispiel 2800 Kilometer und auch nach Moskau sind es noch über 800 Kilometer. «Wir reisen meist schon am Vortag an und auch der Flughafen in Kasan ist in der Nähe», so Bauer.

Das Team von Rubin Kasan ist multikulti. In der Kabine wird für Spanier, einen Brasilianer, Kroaten, Schweden, einen Franzosen, Türken und Kameruner übersetzt. Das klappe überraschend gut, sagt Bauer. Was in der Kabine gut funktioniert, läuft auf dem Platz noch nicht optimal. Nach 17 Runden liegt Kasan mit 23 Punkten nur auf Platz 9 der 16-er Liga. Allerdings beträgt der Rückstand auf den ersten Europacupplatz, den derzeit Krasnodar belegt, lediglich fünf Punkte.

Aber vorerst hat Bauer bis am 10. Januar Ferien. Dann geht es an der Sonne in Spanien mit der Vorbereitung los. Die Liga startet am 3. März 2017 wieder. Bauer: «Den Tapetenwechsel hatte ich sechs Monate lang. Die nächste Zeit gehört meiner Familie und Freunden in der Schweiz.» Begonnen hat er mit den Freundschaftsbesuchen am Sonntag im Letzigrund, wo er sich das Spiel seiner ehemaligen Kollegen gegen Lugano ansah.

Deine Meinung