Aktualisiert 07.06.2006 16:49

Tappt der Bär in diese Falle?

Ein Problem beim geplanten Einfangen des Braunbären «JJ1» ist seit Mittwoch gelöst: Eine eigens für ihn in Amerika hergestellte, mobile Bärenfalle ist in Bayern eingetroffen. Höchste Zeit, denn «Bruno» frisst immer mehr Tiere.

Die neue Falle wurde im Auftrag des WWF von einem US-Spezialunternehmen aus den Rocky Mountains gebaut und von Denver (Colorado) über Frankfurt eingeflogen. In wenigen Tagen sollen ausserdem finnische Bärenjäger mit Hunden herfliegen und die Suche nach dem auch «Bruno» genannten Raubtier aufnehmen.

Die Umweltstiftung WWF hatte bereits in den vergangenen Wochen eine geliehene Bärenfalle aufgestellt. «JJ1» hinterliess seine letzte Spur in der Nacht zum Dienstag an einem Hasenstall im österreichischen Weidach bei Leutasch, nur wenige Kilometer südwestlich von Mittenwald. Dort tötete er nach Angaben von WWF-Sprecher Jörn Ehlers zwei Kaninchen. Der Stall habe sich direkt an einer Hauswand befunden. Die Spuren wurden eindeutig «JJ1» zugeordnet.

Die neue Bärenfalle soll das zwei Jahre alte, etwa 100 Kilogramm schwere Raubtier mit Schlachtabfällen anlocken. Wenn «JJ1» zum Fressen in die Blechröhre tappt, geht automatisch die Falle zu, und über einen Sender werden die WWF-Bärenanwälte verständigt. Nur sie können die Falle öffnen.

Die Tierschutzorganisation hat die in den USA erprobte Spezialanfertigung bei Bob Facklam in Choteau (Montana) in Auftrag gegeben. Die extrem stabile Röhre aus Aluminium werde auch für den Transport des Bären benötigt und lasse sich per Auto oder Hubschrauber als Aussenlast an Trag-Ösen befördern.

Damit der Bär auch in seiner vorübergehenden Behausung ausreichend versorgt ist, wurde ein Wasserspender angebracht. Sauerstoff erhält das Tier durch drei vergitterte Fenster. Der Abstand der Gitterstäbe ist so berechnet, dass der Bär sich daran nicht die Zähne ausbeissen kann, wenn er sie mit seinen Zähnen umfasst.

Aufgestellt wurde die Falle noch nicht. Das Problem ist, dass «JJ1» nicht wie seine Artgenossen wieder zu den Orten zurückkehrt, wo er Tiere gerissen hat. Man brauche einen langen Atem, sagte WWF-Sprecher Jörn Ehlers. Die letzte Jagd auf einen Bären in Tirol habe sechs Jahre gedauert, bis sie im Jahr 1899 erfolgreich war.

Wie das Münchner Umweltministerium mitteilte, ist der Vertrag über den Einsatz des finnischen Suchteams am Mittwoch mit den Tiroler Behörden abgestimmt worden. Von den Finnen hänge es nun ab, wann sie ihren Einsatz beginnen können. Ein österreichischer Experte soll das Team mit einem Betäubungsgewehr begleiten. Die karelischen Bärenhunde brauchen bei ihrer Suche frische Bärenspuren. Wenn «JJ1» gefangen wird, soll er entweder nach Italien transportiert oder in einem Gehege im Wildpark Poing bei München untergebracht werden. Seit Anfang Mai hat er im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet grosse Strecken zurückgelegt und bei deutschen Landwirten bisher 16 Schafe und zwölf Hühner getötet und zahlreiche weitere Schafe und Ziegen verletzt. (dapd)

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