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«Mörder Mörder nennen»Tarantino will sich bei den Cops entschuldigen

Nach Boykottaufrufen von Polizeikorps in den USA will Regisseur Quentin Tarantino Kreide fressen. Der Erfolg seines neusten Films steht auf dem Spiel.

von
sut

Seit er an einer Anti-Polizei-Demo Amerikas Gesetzeshüter kollektiv als «Mörder» bezeichnete, ist der Regisseur Quentin Tarantino stumm geblieben. Doch jetzt lässt er Nahestehende wissen, dass er sich bei den Cops entschuldigen will.

Von der Absicht des Regisseurs von Filmen wie «Pulp Fiction», «Kill Bill» oder «Django Unchained» erfuhr als Erste die Branchenwebsite The Wrap. Nach ihren Informationen will der 52-jährige Tarantino in naher Zukunft einen Meinungsartikel verfassen und an einem noch ungenannten Ort veröffentlichen. Er plane, sich bei den Polizisten zu entschuldigen, die sich durch seine Äusserungen vom 24. Oktober 2015 beleidigt fühlten.

«Die Mörder Mörder nennen»

Tarantino war damals eigens für eine Demonstration gegen Polizeigewalt nach New York geflogen. An einer Veranstaltung der Gruppe RiseUpOctober sagte der Regisseur vor etwa 300 Demonstranten: «Wenn ich Morde sehe, bleibe ich nicht untätig. Ich muss einen Mord einen Mord nennen, und ich muss die Mörder Mörder nennen.» Tarantinos Sätze bezogen sich auf eine Reihe von Tötungen unbewaffneter Schwarzer durch Polizisten in den letzten zwei Jahren. Die Empörung über diese Fälle hatte eine Protestbewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt ins Leben gerufen.

Die pauschale Verunglimpfung liessen die Cops nicht auf sich sitzen. New Yorks Polizeichef Bill Bratton sagte über Tarantino: «Mir fehlen die Worte, um auszudrücken, wie sehr ich ihn und seine Bemerkungen verachte.» Bratton war ausser sich, weil wenige Tage vorher ein New Yorker Polizist – ein Schwarzer zudem – von einem Kriminellen erschossen worden war.

Totalboykott gefordert

In der Folge riefen New Yorks Polizeigewerkschaften zum Boykott von Tarantinos Filmen auf. Dem Appell schlossen sich Cop- Vertreter in Los Angeles, Philadelphia, Chicago und anderen Städten an. Am vergangenen Freitag forderte die nationale Dachorganisation National Association of Police Organizations einen Totalboykott. Sie vertritt im ganzen Land tausend Polizeikorps mit über 240'000 uniformierten Cops.

Wie The Wrap vermutet, wird es jetzt auch für Harvey Weinstein ungemütlich, Verleiher von Tarantinos neustem Film «The Hateful Eight». Der düstere Western wird in den USA am Weihnachtstag starten. Laut «New York Post» ist Weinstein wütend auf Tarantino. «Die erste Sorge ist die kommerzielle Auswirkung», sagte ein Hollywood-Berater zu Wrap. «Alle müssen Geld verdienen.»

Ist die Kontroverse gut?

Die Marketing-Expertin Lind Ong kann sich jedoch auch vorstellen, dass die Kontroverse dem Regisseur und seinem Verleiher hilft. «Tarantinos kulturelle Sicht der Gewalt gibt ihm einen interessanten Freiraum, um darüber zu sprechen», sagte sie zu Wrap. «Eine Kontroverse auszulösen, gehört zu seinem ‹Brand›.»

Ob Schaden oder Nutzen: Tarantinos Äusserungen spalten Familie und Freunde. Laut «Hollywood Reporter» ermutigte der Schauspieler Jamie Foxx den Regisseur am Wochenende mit den Worten: «Sag weiterhin die Wahrheit und kümmere dich nicht um die Hasser.»

Daddy empört

Tarantinos Vater Tony dagegen bezeichnete die Bemerkungen des Sohnes am Freitag als «total falsch». Er habe drei Cousins in der New Yorker Polizei, sagte der Vater zur «New York Post». Einer von ihnen sei im Dienst beinahe getötet worden. «Ich bin enttäuscht [über Quentin] und über alle, die schlecht über Polizeidepartemente reden.»

Der ebenfalls in der Kinobranche tätige Daddy Tarantino will nächstes Jahr zwei positive Filme über die Polizei herausbringen.

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