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ÖV-BilletteTarifverbünde zeigen SBB die Swisspass-Zukunft

Seit einem Jahr ist der Swisspass im Einsatz. Schon bevor die SBB eine Bilanz wagen, ist klar: Regionale Tarifverbünde ziehen mit neuen Modellen davon.

von
pam
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Heute Freitag informieren die SBB zur Zukunft des Swisspass. Während die Einführung der roten Karte vor einem Jahr von Pleiten und Pannen überschattet wurde, sind einige regionale Verkehrsverbunde schon weiter und tüfteln an neuen Dienstleistungen.

Heute Freitag informieren die SBB zur Zukunft des Swisspass. Während die Einführung der roten Karte vor einem Jahr von Pleiten und Pannen überschattet wurde, sind einige regionale Verkehrsverbunde schon weiter und tüfteln an neuen Dienstleistungen.

Keystone/Gaetan Bally
Eine davon ist die App «Fairtiq». In den Regionen Fribourg, Luzern und Oberengadin können die Reisenden damit per Knopfdruck den Beginn ihrer Reise angeben. Die App erkennt dann per GPS die gefahrene Strecke, und der fällige Betrag wird bei der Ankunft am Ziel direkt der Kreditkarte abgebucht.

Eine davon ist die App «Fairtiq». In den Regionen Fribourg, Luzern und Oberengadin können die Reisenden damit per Knopfdruck den Beginn ihrer Reise angeben. Die App erkennt dann per GPS die gefahrene Strecke, und der fällige Betrag wird bei der Ankunft am Ziel direkt der Kreditkarte abgebucht.

Fairtiq
In Zukunft soll die App gar automatisch erkennen, wenn jemand am Ziel seiner Reise angekommen ist. Der Druck auf den Stopp-Knopf entfällt somit. «Eine solche Lösung ist heute aus technischer Sicht schon möglich, und wir arbeiten daran, das schrittweise umzusetzen», sagt Fairtiq-Chef Gian-Mattia Schucan.

In Zukunft soll die App gar automatisch erkennen, wenn jemand am Ziel seiner Reise angekommen ist. Der Druck auf den Stopp-Knopf entfällt somit. «Eine solche Lösung ist heute aus technischer Sicht schon möglich, und wir arbeiten daran, das schrittweise umzusetzen», sagt Fairtiq-Chef Gian-Mattia Schucan.

zVg

Die Kritik nach der Einführung des Swisspass vor einem Jahr wog schwer: Konsumentenschützer beanstandeten die automatische Abo-Verlängerung und meldeten Datenschutzbedenken an. Zugbegleiter monierten, der Scanvorgang nehme zu viel Zeit in Anspruch. Und Pendler bemängelten, dass auf dem Swisspass nicht gleichzeitig ein Gleis 7 und Halbtax gespeichert werden könne, was dazu führe, dass der Nutzer trotzdem zwei Karten mit sich rumtragen müsse.

Während die SBB heute Freitag über ein Jahr Swisspass Bilanz ziehen und die Zukunft der roten Karte erörtern wollen, tüfteln regionale Tarifverbünde schon an weiteren Zukunftslösungen.

GPS berechnet günstigsten Tarif

Seit April können beispielsweise Reisende in den regionalen Tarifverbünden von Fribourg, Luzern, Oberengadin und Bern ihre Fahrt direkt per App lösen, indem sie den Startknopf drücken. Die App Fairtiq erkennt dann per GPS den Standort und berechnet automatisch die günstigste Route. Beim Ausstieg muss das Ende der Fahrt quittiert werden und der fällige Betrag wird direkt der Kreditkarte abgebucht. Vergisst der Reisende, den Stopp-Knopf zu drücken, wird er mit einem Warnsignal auf das Versäumnis hingewiesen.

Laut App-Entwickler Gian-Mattia Schucan lösten die Kunden in den beteiligten Tarifverbünden seit April bereits über 40'000 Fahrten. «Wir sprechen aktuell hauptsächlich Reisende ohne GA oder Verbundabo an, aber ein Halbtax kann in der App hinterlegt werden.»

Und Schucan will das Reisen im ÖV noch angenehmer machen: In Zukunft soll die App automatisch erkennen, wenn jemand am Ziel seiner Reise angekommen ist. Der Druck auf den Stopp-Knopf entfällt somit. «Eine solche Lösung ist heute aus technischer Sicht schon möglich, und wir arbeiten daran, das schrittweise umzusetzen.»

«Tarifwirrwarr wird gelichtet»

An einem ähnlichen System arbeitet man bei der Südostbahn (SOB). Auch dort soll eine App das Ticket ersetzen: Mit dem System «Be in – be out» werden automatisch Ein- und Ausstieg registriert. «Tarifzonen brauchen die Reisenden somit nicht mehr zu interessieren, der Tarifwirrwarr wird gelichtet und den Kunden wird der günstigste Preis berechnet», sagt Ursel Kälin, Sprecherin der SOB. Im Gegensatz zur Fairtiq-Lösung erhält der Kunde hier eine Rechnung oder er kann eine Prepaid-Karte lösen. Die Umsetzung testet die SOB ab Ende September. Die Ergebnisse sollen Ende Jahr vorliegen.

Die App der Südostbahn ist Teil einer umfassenden Mobilitätsplattform. In Zukunft sollen auch weitere Dienstleistungen wie Mobility-Reservationen oder Taxifahrten zum Angebot gehören. Zudem soll es möglich sein, über die App Flüge zu buchen, Taxis zu bestellen, den Velounterstand zu reservieren oder Einkäufe zu bezahlen. «Wir möchten ein Angebot, das die gesamte Reise von der Abfahrt bis zur Ankunft abdeckt», sagt Sprecherin Ursel Kälin. Für die geplanten Zusatzangebote habe man bereits viele Anfragen von Unternehmen erhalten.

Auch SBB starten Pilotversuch

Inwiefern die SBB nachziehen können, ist noch unklar. Bereits bekannt ist, dass «in naher Zukunft» der Swisspass als App aufgeschaltet wird, wie die SBB Mitte Juli mitteilten. Und zusammen mit der BLS und Postauto haben die Bundesbahnen einen Pilotversuch mit einer eigenen App gestartet. «In der Entwicklung eines möglichen elektronischen Zugangssystems für die gesamte Branche wird der Swisspass eine zentrale Rolle spielen», sagt SBB-Sprecher Oli Dischoe.

Es sei durchaus denkbar, dass bald auch die Fernverkehrsstrecken der SBB automatisch per App erfasst und abgebucht werden, sagt Fairtiq-Chef Gian-Mattia Schucan, der bis 2013 als Vertriebschef bei der SBB arbeitete. Dass die Billettautomaten schweizweit bald gänzlich verschwinden werden, glaubt er hingegen nicht. Aber: «Irgendwann ist ein ÖV ohne Billettautomaten möglich.»

Was muss der Swisspass in Zukunft können? Was wünschen Sie sich von der SBB? Übermitteln Sie uns Ihre Fragen und wir stellen diese an der Pressekonferenz am Freitag.

App reduziert Aufwand massiv

Im Ausland sind elektronische Ticketsysteme bereits weit verbreitet. In vielen Grosstädten wie etwa in Hongkong erkennen Scanner am Eingang der U-Bahn, die Mobilitätskarte, die auch zum Einkauf im Lebensmittelladen oder für den Kinobesuch verwendet werden kann . Ein ähnliches System für den ÖV prüfte die SBB bereits anfangs der 2000er-Jahre, verwarf das Projekt «Easy Ride» dann aber aufgrund der horrenden Kosten. «Ein Kartensystem mit Schranken in den Bahnhöfen würde für die Schweiz etwa eine Milliarde Franken kosten», sagt Gian-Mattia Schucan von der App «Fairtiq». Er bezeichnet eine solche Lösung für die Schweiz als nicht praktikabel. «Mit einer App aber können jetzt die Kosten für eine vergleichbare Leistung im tiefen einstelligen Millionenbereich gehalten werden.» (pam)

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