Tarifverhandlungen zwischen Ärzten und Kommunalkliniken gescheitert
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Tarifverhandlungen zwischen Ärzten und Kommunalkliniken gescheitert

Die Tarifverhandlungen für die rund 70 000 Ärzte an den kommunalen Kliniken sind gescheitert. Die Ärzte werden ihre Streiks verschärfen.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund brach am Dienstag nach einem mehrtägigen Verhandlungsmarathon die Gespräche in Düsseldorf ab und kündigte eine Verschärfung der Streikaktionen sowie den Abschluss von Einzelverträgen mit Krankenhäusern vor Ort an.

«Der bisherige Vorschlag der Arbeitgeber ist kein Angebot, sondern eine in Papier gegossene Provokation», erklärte der Verhandlungsführer des Marburger Bundes Lutz Hammerschlag nach dem Abbruch der Gespräch. Die Arbeitgeber wollten die Ärzte länger arbeiten lassen für weniger Geld.

Die kommunalen Arbeitgeber (VKA) warfen dagegen der Ärztegewerkschaft stures Festhalten an ihren Maximalforderungen vor. VKA-Verhandlungsführer Otto Foit sagte, obwohl die Arbeitgeber beim Arbeitsschutz fast alle Forderungen der Ärzte erfüllt und auch beim Gehalt weit reichende finanzielle Zugeständnisse gemacht hätten, habe sich der Marburger Bund keinen Millimeter bewegt. «Es geht dem Marburger Bund allein ums Geld», rügte Foit.

Beide Tarifparteien hatten zuletzt in einer ganzen Serie von Marathonsitzungen versucht, einen Durchbruch in den festgefahrenen Verhandlungen zu erzielen. Während es bei Arbeitszeiten und Arbeitsschutz zuletzt zu einer deutlichen Annäherung kam, waren die Gräben beim Thema Geld offenbar unüberbrückbar. Die Arbeitgeber hatten nach eigenen Angaben unter anderem deutliche Gehaltssteigerungen für Assistenz- und Fachärzte angeboten. Doch hatten die Ärzte dies als «Mogelpackung» zurückgewiesen.

Zuletzt hatte der Marburger Bund ultimativ ein neues, verbessertes Gehaltsangebot der Arbeitgeber verlangt. Als dies ausblieb, brach er die Gespräche ab. «Es macht keinen Sinn, mit Arbeitgebern zu verhandeln, die nicht bereit sind, uns ein Angebot vorzulegen», begründete der Sprecher der Ärztegewerkschaft, Athanasios Drougias, den Schritt. Die Ärzte seien wütend und streikbereit und wollten Ergebnisse sehen. «Mit den Arbeitgebern ist dies derzeit aber nicht möglich», sagte Drougias.

Zeichen stehen auf Sturm

Die Zeichen stehen nun auf Sturm. Zwar sagte VKA-Verhandlungsführer Foit, die Arbeitgeber seien weiterhin zu Verhandlungen über den kurzfristigen Abschluss eines Tarifvertrages bereit. Doch betonte der Marburger Bund, neue Verhandlungen lägen «in sehr weiter Ferne». Die Ärztegewerkschaft will nun den Arbeitskampf verstärken und ausserdem verstärkt dazu übergehen, Einzelverträge mit Kliniken abzuschliessen. «Die Krankenhäuser stehen Schlange», sagte Drougias.

Der Marburger Bund kämpft seit Wochen an den städtischen Kliniken und Kreiskrankenhäusern für mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten und einen arztspezifischen Tarifvertrag unabhängig von dem des öffentlichen Dienstes. Als Vorbild gilt der Abschluss für die rund 22.000 Ärzte an Unikliniken, auf den sich Gewerkschaft und Arbeitgeber nach mehr als dreimonatigem Streik am 16. Juni geeinigt hatten. Die kommunalen Arbeitgeber hatten diese Forderungen stets als nicht finanzierbar abgelehnt. (dapd)

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