Aktualisiert 26.10.2010 20:22

Irak

Tarik Asis zum Tode verurteilt

Todesstrafe für den früheren irakischen Vize-Regierungschef Tarik Asis: Der oberste Gerichtshof hat seine Hinrichtung durch den Strang angeordnet.

Im Irak hat der Oberste Gerichtshof den früheren Saddam-Hussein-Vertrauten Tarek Asis zum Tode verurteilt. Die Richter befanden den ehemaligen Aussenminister der Verfolgung islamischer Parteien während der Diktatur von Saddam Hussein für schuldig.

Auch der frühere irakische Innenminister Saadun Schaker und Abid Hamud, ehemaliger Sekretär von Saddam Hussein, hätten die Höchststrafe erhalten, wie das irakische Fernsehen am Dienstag berichtete.

Berufung erwogen

Der Anwalt von Asis erwägt in Berufung zu gehen. Asis hat 30 Tage Zeit dafür. Wenn das Berufungsgericht das Urteil bestätigt, muss es laut Gesetz innerhalb von weiteren 30 Tagen vollstreckt werden. Auch der irakische Präsident muss das Urteil unterzeichnen.

Der Vatikan sprach sich gegen die Hinrichtung aus. «Wir hoffen, dass das Urteil nicht vollstreckt wird, eben gerade um die Versöhnung und die Wiederherstellung von Frieden und Gerechtigkeit im Irak zu fördern nach den grossen durchlebten Leiden», sagte ein Sprecher.

Im vorigen Jahr war Asis bereits wegen der Hinrichtung von 42 Kaufleuten und der Verfolgung von Kurden während der Ära von Saddam Hussein zu insgesamt 22 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Beweise und die Zeugenaussagen rechtfertigten die Todesstrafe gegen den 74-jährigen Asis, urteilten die Richter. Zu den unter dem Regime von Saddam Hussein verfolgten islamischen Organisationen gehörte auch die Dawa-Partei des heutigen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki.

Massaker an Schiiten

Während der Herrschaft Saddam Husseins war einzig die Baath-Partei zugelassen. Die Spitzenvertreter der verfolgten Parteien wurden getötet, ins Gefängnis gesteckt oder ins Exil gezwungen.

Im Ausland galt Tarek Asis als Gesicht und Stimme des Irak unter Saddam Hussein. Im April 2003 stellte er sich den US- Invasionstruppen, die ihn im vergangenen Juli der irakischen Justiz übergaben.

Asis wurde im April 1936 in der nordirakischen Stadt Mossul in eine Familie chaldäischer Christen geboren. Er änderte seinen Namen von Michael Yuhanna in Tarek Asis, um Anfeindungen wegen seines Glaubens den Boden zu entziehen. Er gilt als Mitarbeiter der ersten Stunde von Saddam Hussein.

Seit 1963 gehörte Asis zur Führung der heute verbotenen Baath- Partei. Von 1974 bis 1977 war er Informationsminister. Als Saddam Hussein 1979 an die Macht kam, wurde er Mitglied des obersten Entscheidungsgremiums, des Revolutionären Kommandorats. Vier Jahre später wurde er Aussenminister und blieb es bis 1991.

Chefdiplomat und rhetorischer Einpeitscher

Während des Krieges gegen Iran 1980 spielte Asis eine enorme Rolle dabei, im Westen um politische und militärische Unterstützung zu werben. Acht Jahre später vertrat er sein Land bei den Friedensverhandlungen mit Teheran, die unter UNO-Schirmherrschaft standen. 1991 wurde er stellvertretender Regierungschef.

Auch nach seiner Zeit als Chefdiplomat war Asis, einziger Christ in der irakischen Führungsriege, weiter als rhetorischer Einpeitscher präsent. Kurz vor dem Angriff der US-geführten Streitkräfte im März 2003 schwor Asis noch in altbewährter Diktion seine Landsleute auf den Sieg ein, der ihnen gewiss sei. (sda)

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