20.11.2020 11:38

FC Sion im MilitärlookTarnfarben auf dem Fussballplatz – macht das Sinn?

Der FC Sion stürzt sich mit einem Trikot im Camouflage-Look ins Getümmel. Dabei wissen Forscher längst: Das Tarnmuster ist im Fussball wenig erfolgversprechend.

von
Samuel Waldis
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Ein neues Trikot für die Super League: Der FC Sion präsentiert sein neues Auswärtsdress und ist mit dem Camouflage-Muster nicht allein. 

Ein neues Trikot für die Super League: Der FC Sion präsentiert sein neues Auswärtsdress und ist mit dem Camouflage-Muster nicht allein.

Foto: FC Sion via Twitter
2016 trug Sion schon Camouflage. Das Trikot kam im Cup zum Einsatz, getragen haben es unter anderem Theofanis Gekas (links) und Carlitos.

2016 trug Sion schon Camouflage. Das Trikot kam im Cup zum Einsatz, getragen haben es unter anderem Theofanis Gekas (links) und Carlitos.

Foto: Steffen Schmidt (Freshfocus)
Der FC Porto trug in der Saison 2014/15 ebenfalls Camouflage und trat damit in der Champions League gegen den FC Basel an (hier Vincent Aboubakar, links, gegen Behrang Safari). Die Portugiesen setzten sich durch, das hatte allerdings wenig mit dem Trikot zu tun.

Der FC Porto trug in der Saison 2014/15 ebenfalls Camouflage und trat damit in der Champions League gegen den FC Basel an (hier Vincent Aboubakar, links, gegen Behrang Safari). Die Portugiesen setzten sich durch, das hatte allerdings wenig mit dem Trikot zu tun.

Foto: Reuters

Als Bill Murray in einem grellen Camouflage-T-Shirt bei Scarlett Johansson anklopft, sagt die junge Frau zum älteren Herr: «Du steckst wirklich in einer Midlifecrisis.» Er zieht das T-Shirt aus, kehrt das Innere nach aussen, schneidet die Waschsymbole weg und ist bereit für die Party.

Die Szene stammt aus dem Film «Lost in Translation». Und sie sagt eigentlich alles, was man wissen muss: Textilien mit Camouflagemustern sind höchst diskutabel, wenn sie nichts mit dem Militär zu tun haben.

Am Donnerstag hat der FC Sion sein neues Auswärtstrikot präsentiert. Auf die linke Brust ist das historische Logo gedruckt, das 2011 ersetzt worden ist. Vor allem aber fällt das Tarnmuster auf, mit Flecken in drei Farben, irgendwo in der Nähe von Terrabraun, Currygelb und Grünbeige. Der Club schreibt auf den sozialen Medien dazu: «Le FC Sion se met au militaire», gefolgt von einer Emoji-Faust.

Bereits 2016 hatten die Walliser das Tarnmuster getragen. Es war in Grau- und Weisstönen gehalten und für den Cup vorgesehen. In einer Umfrage der Lokalzeitung «Le Nouvelliste» fanden zwei Drittel der Leser das Trikot «hässlich».

Forscher finden heraus: Weisse Trikots versprechen am meisten Erfolg

Sion ist nicht allein: Der FC Porto trug schon Camouflage, der Goalie des FC Everton auch und Napoli druckte das Muster gleich auf mehrere Trikots. Arsenal entschied sich 2017 für eine abstrakte Variation auf einem Einlaufshirt, und der Marketingchef des norwegischen Clubs Sandefjord Fotball sagte 2015 bei der Präsentation des neuen Trikots: «Wir wollen zeigen, dass wir bereit sind für die Schlacht.»

Im US-Sport gibt es bei Fanutensilien sogar spezielle Militärlinien, beim Football laufen sie unter dem Slogan «Salute to Service». Und auch die Liste der Fussballclubs mit Camouflagetrikots ist noch länger.

Dabei ist es fraglich, ob ein solches Trikot Sinn macht. Bei einem Spiel wenige Tage vor Weihnachten 2016 spielte Bayerns Thiago den Ball in den Lauf eines Mitspielers und merkte dann, dass es kein Mitspieler war, sondern ein Nikolaus, der auf der virtuellen Bande die Seitenlinie entlanglief. Kollege Juan Bernat bügelte den Fehler aus, aber die Szene zeigt, das die visuelle Wahrnehmung entscheidend ist.

Forscher der niederländischen Universitäten Utrecht und Radboud haben untersucht, wie die Farben auf Fussballtrikots Spieler beeinflussen, wenn sie ihre Mitspieler lokalisieren müssen. Mitspieler in weissen Trikots werden gemäss ihrer Studie besser erkannt als solche in Grün, und die Forscher kamen zu diesem Schluss: Es scheint möglich, dass ein Team mehr erfolgreiche Pässe spielt, wenn es gut sichtbare Trikots trägt.

Das Tarnmuster will genau das Gegenteil. Die Umrisse des Trägers erscheinen durch die Anordnung der Farbflecken verschwommen, deswegen ist er schwieriger zu erkennen. Ist es also eine gute Idee, wenn eine Fussballmannschaft sich so kleidet?

Andy Warhol und Kurt Cobain machen das Muster salonfähig

Laut Wikipedia wurde das Prinzip des Flecktarns ab 1935 von der Waffen-SS entwickelt. Seit den 1960er- und 1970er-Jahren wird das Muster auch modisch getragen, seit damals die Pazifisten in Tarnkleidern auf den Strassen gegen den Vietnamkrieg protestierten. 1986, ein Jahr vor seinem Tod, schaffte Andy Warhol das Werk «Self-Portrait», auf dem er sich in Camouflage darstellt. Es gibt Stimmen, die sagen, er habe das Muster salonfähig gemacht. Gleiches schreiben Modehistoriker Kurt Cobain zu. Heute arbeiten die grössten Modedesigner wie zum Beispiel Jean Paul Gaultier oder John Galliano damit.

Wegen des FC Sion sehen wir es bald wieder auf den Schweizer Fussballplätzen, dieses Muster, das einfach nicht verschwinden will. Und wenn es den Wallisern dann nicht läuft, können sie in der Pause das Trikot immer noch umkehren, die Waschsymbole wegschneiden und bereit sein für die Party. Wie Bill Murray in seiner Midlifecrisis.

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63 Kommentare
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Witzkiste

21.11.2020, 11:52

Wenn man sich verstecken will macht es Sinn. Also wäre es für den Goali und die Stürmer gut

Mönch Coron

21.11.2020, 11:51

Traget Masken und arbeitet

Susanne

21.11.2020, 08:26

Ich find den Tarn Look cool 😎 mal was anderes