Publiziert

«Essentiell»Taskforce fordert Gratis-Masken für Schülerinnen und Schüler

Wo Masken an Schulen Pflicht sind, sollen sie für Schüler kostenlos sein. Das kommt bei der obersten Lehrerin gut an.

von
Pascal Michel
1 / 5
In der Schule Malans GR herrscht Maskenpflicht. 

In der Schule Malans GR herrscht Maskenpflicht.

20min / Marco Zangger
Die Massnahme führt dazu, dass an vielen Schulen in der Schweiz Kinder und Jugendliche die Schutzmasken von zu Hause mitbringen müssen.

Die Massnahme führt dazu, dass an vielen Schulen in der Schweiz Kinder und Jugendliche die Schutzmasken von zu Hause mitbringen müssen.

20min / Marco Zangger
Die wissenschaftliche Taskforce fordert nun, dass die Masken kostenlos abgegeben werden.

Die wissenschaftliche Taskforce fordert nun, dass die Masken kostenlos abgegeben werden.

Adrian Moser / Tamedia AG

Darum gehts

  • Masken selber mitbringen: Das heisst es an vielen Schulen.

  • Die wissenschaftliche Taskforce findet, die Behörden müssten Schutzmaterial gratis abgeben.

  • «Zugang zu Masken darf kein Hindernis für Bildung sein», sagt Bioethikerin Samia Hurst.

Im Klassenzimmer, in der Pause, im Gang: Aus dem Schulbetrieb sind Schutzmasken für Kinder und Jugendliche sowie Lehrpersonal nicht mehr wegzudenken. Dabei gilt an vielen Schulen: Schülerinnen und Schüler müssen die Masken selbst mitbringen.

So sieht das Schutzkonzept des Gymnasiums St. Klemens in Ebikon beispielsweise vor: «Die Lernenden sind grundsätzlich für das Mitbringen der Maske selber zuständig. Da die Wirkung von Papiermasken nachlässt, sollten diese nach circa vier Stunden gewechselt werden.»

Masken selber mitbringen

Für die Kosten müssen entweder die Schülerinnen und Schüler selbst oder dann deren Eltern aufkommen. Die Corona-Taskforce des Bundes fordert deshalb in einem neuen «Policy Brief», dass Schulen Gratis-Masken zur Verfügung stellen.

«Da Masken aus menschenrechtlicher sowie epidemiologischer Perspektive essentiell sind, müssen Massnahmen getroffen werden, damit sie für alle, die sie benötigen, zur Verfügung stehen.» Die Taskforce zitiert dabei einen Gerichtsentscheid, wonach etwa obligatorische Schul-Skilager gratis sein müssen, damit auch alle daran teilnehmen können.

Daraus schliessen die Experten: «Wenn Masken in der obligatorischen Schule als verbindlich erklärt werden, müssen diese auch von der Schule kostenlos bereitgestellt werden.»

Bioethikerin Samia Hurst, die die Einschätzung für die Taskforce verfasst hat, erklärt: «Da das Tragen einer Maske in der Schule obligatorisch ist, darf der Zugang dazu kein Hindernis darstellen.» Genaue Zahlen, wie viele Schweizer Schüler ihre eigenen Masken mitbringen müssten, gebe es nicht.

Es brauche ausreichend Schutzmaterial

Dagmar Rösler, Präsidentin des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, sagt auf Anfrage: «Ich kenne viele Schulen, wo Einwegmasken bereits abgegeben werden.» Stoffmasken dagegen müssten tatsächlich oft von zu Hause mitgebracht werden. Rösler findet es grundsätzlich wichtig, dass Schulen ausreichend Schutzmaterial für Lehrer und Lehrerinnen sowie Schüler und Schülerinnen bereitstellen.

Dies sei für die Schulen natürlich ein Budgetposten, den man spüren werde. «Andererseits sind in Corona-Zeiten weniger Exkursionen und Anlässe möglich, das verschafft den Schulen möglicherweise finanziell Luft», sagt Rösler.

Schulschliessungen als äusserstes Mittel

Die Taskforce sieht Schulen weiterhin «nicht als Treiber der Epidemie». Sie hat jedoch für Ende Januar eine Aktualisierung ihres Standpunktes angekündigt. Im Paper von Mitte Dezember heisst es: «Das Grundrecht auf Bildung muss so weit wie möglich gewahrt bleiben. Schulschliessungen sollen nur als äusserste Massnahme bei hohen Ansteckungsraten angeordnet werden.»

Bei der derzeitigen Regelung bestehe die Gefahr, dass zahlreiche Kinder in Quarantäne geschickt würden, was mit beträchtlichen sozialen Folgen verbunden sei. Es brauche deshalb gezieltere Quarantäne-Regeln. Die Taskforce empfiehlt unter anderem: «Wird in einer Klasse nur ein Kind positiv getestet, wird eine Quarantäne nicht für die gesamte Klasse angeordnet, sondern nur für Schulkameraden, mit denen es in engem Kontakt stand.»

Kantone wälzen Szenarien

Schulschliessungen

Am Mittwoch entscheidet der Bundesrat über die Verschärfung der Corona-Massnahmen. Auch Schulen waren in den letzten Wochen immer wieder im Fokus. Eine Studie der ETH, aus der die «SonntagsZeitung» zitierte, zeigte, dass Schulschliessungen die Mobilität im ersten Lockdown effizient verringerten. Trotzdem rechnet Dagmar Rösler vom Lehrerverband nicht damit, dass es am Mittwoch einen flächendeckenden Schul-Shutdown gibt. «Die Kantone arbeiten mit Hochdruck daran, jetzt Szenarien auszuarbeiten.» Denn die Hoheit über die Schulen liegt noch immer bei den Kantonen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
149 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Peet Lingural

12.01.2021, 18:37

Liebe Frau Steiner, nicht mal die Schulpflegerinnen tragen die Maske korrekt.

HANS Leerer

12.01.2021, 18:35

Das hätte die "oberste Lehrerin" schon lange fordern können, aber auch sie ist wahrscheinlich am Beobachten oder mit einer Evaluation beschäftigt. Eine Schande, wie die pädagogischen Offiziere in der Krise sich benehmen. Sie haben kein Ahnung von Pandemiebekämpfung, von Pädagogik in erschwerten Umständen, von benötigter Infrastruktur im Leben mit dem Virus. Sie schwatzen in "normalen" Zeiten der Wirtschaft und den behördlichen Sparschweinen nach dem Munde und wundern sich, dass 20% der Schulabgänger+Innen einen einfachen Text nach 9 Schuljahren nicht lesen können. Zum Glück gibt's Corona. Sie zeigt die Nullkompetenz des CH_LehrerINNENVEREINS.

Althumanist

12.01.2021, 17:42

"Zugang zu Masken darf kein Hindernis für Bildung sein», sagt Bioethikerin Samia Hurst"; - Zugang zu Masken haben nun wirklich alle. Was für eine bizarre Forderung.