03.11.2020 04:52

Berufsschule und KantiTaskforce pocht auf Online-Unterricht an Schulen

Verschiedene Petitionen fordern Onlineunterricht auch für Berufs- und Kanti-Schüler. Auch Politiker und Epidemiologen fordern die Kantone zum Handeln auf.

von
Leo Hurni
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Schüler David Rommel (19) fordert vom Kanton St. Gallen Fernunterricht für alle weiterführenden Schulen.

Schüler David Rommel (19) fordert vom Kanton St. Gallen Fernunterricht für alle weiterführenden Schulen.

Keystone
Schule vor Ort hält Rommel angesichts der aktuellen Lage für «fahrlässig».

Schule vor Ort hält Rommel angesichts der aktuellen Lage für «fahrlässig».

Keystone
Damit ist Rommel nicht allein. Auch GLP-Nationalrat Thomas Brunner hält eine Schulschliessung je nach Situation für sinnvoll.

Damit ist Rommel nicht allein. Auch GLP-Nationalrat Thomas Brunner hält eine Schulschliessung je nach Situation für sinnvoll.

Keystone

Darum gehts

  • David Rommel (19) fordert in einer Petition für Berufs- und Kanti-Schüler Fernunterricht.

  • Die Petition erreicht innert weniger Tage mehr als 9500 Unterschriften.

  • Auch Politiker und Epidemiologen unterstützen den Schüler in seiner Forderung.


Die täglich steigenden Corona-Fallzahlen sorgen auch bei Berufs- und Kanti-Schülern für Ängste und Unsicherheit. Zwar gilt an Schulen Maskenpflicht, und die Verantwortlichen haben Schutzkonzepte ausgearbeitet. Trotzdem findet der Unterricht weiterhin vor Ort statt.

In verschiedenen Petitionen fordern Schüler aus der ganzen Schweiz nun, dass die Kantone in weiterführenden Schulen auf Fernunterricht umstellen – so wie es bereits die Universitäten tun. Während eine Petitionen mit bereits über 14’000 Unterschriften eine schweizweite Schliessung der Berufsschulen fordert, richtet sich eine andere spezifisch an ihre Kantone oder Schulen.

Schüler fordert härtere Massnahmen

Hinter einer Petition für St. Galler Berufs- und Kanti-Schüler steht David Rommel (19). Er hatte letzte Woche genug von den «laschen Massnahmen des Bundesrates» und beschloss, selber eine Petition zu starten. «Ich finde es fahrlässig, dass man uns weiterhin in die Schule gehen lässt», sagt Rommel zu 20 Minuten. Seine Petition haben bereits 9500 Personen unterschrieben. «Ich habe einige Kollegen, die Risikopatienten in der Familie haben. Mit dem Präsenzunterricht gefährde ich und alle anderen Schüler diese Leute. Das finde ich unverantwortlich.»

Das Argument der Schulen, dass soziale Kontakte zwischen Schülern und mit dem Lehrer wichtig seien, versteht Rommel nicht. Denn wenn die weiterführenden Schulen weiterhin offen hätten, könne es bald zu einem Lockdown kommen. Dann seien soziale Kontakte gar nicht mehr möglich.

«Wir müssen jetzt Ausdauer zeigen»

Auch aus der Politik erhält er Zuspruch. GLP-Nationalrat Thomas Brunner sagt: «Situativ könne Fernunterricht an höheren Schulen durchaus Sinn machen, auch im Kanton St. Gallen.» Für Brunner ist klar, dass man möglichst vorausschauend handeln müsse, um die Situation wieder in den Griff zu kriegen. Derzeit stünden auch bei allenfalls nötigen Nachbesserungen auf Sekundarstufe die Kantone und Schulleitungen in der Pflicht. Wo nötig sind für Brunner auch erneute Schulschliessungen vorstellbar. «Im Sommer haben wir gesehen, dass wir uns tendenziell zu sicher fühlten und zu spät reagiert haben. Sinken die Ansteckungsraten wieder, so könne man ergriffene Massnahmen auch stufenweise zurückfahren und beispielsweise von Fern- zu gemischtem Unterricht wechseln.» Laut Brunner muss man jetzt achtsam sein und Ausdauer zeigen, denn der Sommer habe gezeigt, wie plötzlich eine vorschnelle Lockerung von zu vielen Massnahmen problematische Folgen haben könne.

Corona-Taskforce freut sich über junges Engagement

Auch die wissenschaftliche Taskforce des Bundes stützt die Forderung der Schüler. Das Gremium hat bereits im einem Lagebericht im Oktober die Umstellung auf Onlineunterricht in allen sekundären und höheren Bildungseinrichtungen empfohlen. Für Taskforce-Mitglied Marcel Tanner ist deshalb klar: Auch Berufsschulen müssen bald auf Onlineunterricht setzen.» Er begrüsse es, dass auch junge Leute die Empfehlungen der Taskforce und des Bundes unterstützten, womit die Empfehlungen besser umgesetzt würden. «Es ist sehr gut, wenn die Schüler nicht nur fordern, sondern den Dialog suchen. Denn so hört man ihnen zu und kommt zu gemeinsamen Lösungen», so Tanner.

Präsenzunterricht «so lange wie möglich»

Anderer Meinung ist Sandra Locher, SP-Nationalrätin aus Graubünden. Die Schulen hätten einen klaren Bildungsauftrag, und Studien hätten gezeigt, dass Fernunterricht im Notfall funktioniere, die Qualität des Präsenzunterrichts aber höher sei. Laut Locher, die selber Lehrerin ist, ist es deshalb zentral, die regionale Situation anzuschauen. Im Kanton Genf könne Fernunterricht aufgrund der hohen Fallzahlen nötig sein. Für Kantone wie St. Gallen sieht sie aber keinen Handlungsbedarf. «Dass der Bundesrat letzte Woche nur die Studierenden in den Fernunterricht geschickt hat, begrüsse ich. Die Situation momentan ist fragil, doch wir wollen so lange wie möglich am Präsenzunterricht, auch an den weiterführenden Schulen, festhalten. Fernunterricht in noch nicht stark betroffenen Kantonen halte ich zurzeit pädagogisch als nicht zielführend.»

Pressesprecher Markus Wehrli vom Bildungsdepartement Kanton St. Gallen sagt dazu, dass es gute Gründe gebe, wieso man zurzeit Präsenzunterricht abhalte. Zudem sei Fernunterricht niemals so gut wie Präsenzunterricht, vor allem nicht auf den unteren Stufen. Die Schüler versteht Wehrli trotzdem. «Die Menschen reagieren auf die Corona-Pandemie unterschiedlich. Es ist verständlich, dass bei einigen auch Angst mitspielt.»

Studie zeigt, dass Schulen unterschätzt wurden

Gemäss einer Studie der Universität Edinburgh führte die Öffnung der Schulen nach dem ersten Lockdown zu einem Anstieg des R-Werts. Dieser misst, wie viele Personen eine mit Corona infizierte Person ansteckt. Lieg der Wert über eins, so kann sich das Virus exponentiell verbreiten. Die Wissenschaftler untersuchten 131 verschiedene Länder und kamen zum Schluss, dass der R-Wert nach einer Öffnung der Schulen innerhalb von 28 Tagen um rund 24 Prozent zunimmt. Es sei aber noch nicht klar, ob sich diese Zunahme auf eine bestimmte Altersgruppe beschränke oder ob das für alle Altersgruppen gelte, sagte Haris Nair von der Universität Edinburgh gegenüber der Zeitung «Independent». Die Studie untersuchte zudem, welche Massnahmen am besten wirken, und kam dabei zum Schluss, dass ein Mix aus Schulschliessungen, Homeoffice, Empfehlungen zum Zu-Hause-bleiben und ein Verbot von öffentlichen Ereignissen am besten zu einem Rückgang des R-Werts führen.

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225 Kommentare
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Elena

04.11.2020, 17:03

Ich würde es von corteil sehen wenn auch berufsschulen schlissen. Wir haben jemanden in der klasse der ein Attest hat und keine Maske anzihen darf. Der schüler wirt seitdem nur noch bestraft und muss ganz hinten sitzen fern ab von den anderen. Nur weil die anderen schüler die maske nicht richtig tragen und sich gestört fühlen weil er keine an hat. Er gehört aufjedenfall zu den risikopatienten. Von dem her könnte er auch gleich zuhause lernen wenn alle Angst haben. Es ist sicher schlimm für ihn zur schule zu gehen

Mensch

04.11.2020, 10:11

Vor allem Pflegefachschulen sollten schliessen. Denn die Schüler arbeiten ja fast alle mit Gefährdeten Menschen.

Mami

04.11.2020, 06:38

Ich verstehe nicht warum man die Restaurants schliesst aber alle Schulen offen lässt. In den Restaurants gab es Schutzkonzepte und die Wirte haben sich extrem mühe gegeben, im Gegenzug können gerade die kleineren Schüler (Primarklassen) nicht ausreichen mit abstand und Hygiene umgehen. Fazit: Restaurants auf, Schulen zu!