21.11.2020 20:46

Neues PapierTaskforce rechnet bei Covid-Patienten mit Spätfolgen

Rund ein Drittel der Patienten fühlt sich nach einem Monat noch nicht gesund. Die Corona-Taskforce des Bundes hält andauernde gesundheitliche Probleme nach einer Erkrankung mit dem Coronavirus für möglich.

von
Bettina Zanni
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Aufgrund des bisherigen Wissensstands hält es die Taskforce für plausibel, dass bei Covid-19 prinzipiell mit Spätfolgen zu rechnen ist.

Aufgrund des bisherigen Wissensstands hält es die Taskforce für plausibel, dass bei Covid-19 prinzipiell mit Spätfolgen zu rechnen ist.

Foto: Getty Images
Die Wissenschaftler beziehen sich dabei auf Studien, die im Rahmen der Sars-I- und Mers-Epidemien durchgeführt wurden.

Die Wissenschaftler beziehen sich dabei auf Studien, die im Rahmen der Sars-I- und Mers-Epidemien durchgeführt wurden.

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Überlebende Menschen von früheren Epidemien wiesen nach einem Jahr deutliche Einschränkungen der Lungenfunktion und der Lebensqualität auf.

Überlebende Menschen von früheren Epidemien wiesen nach einem Jahr deutliche Einschränkungen der Lungenfunktion und der Lebensqualität auf.

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Darum gehts

  • Aufgrund des bisherigen Wissenstands hält es die Taskforce für plausibel, dass bei Covid-19 prinzipiell mit Spätfolgen zu rechnen ist.

  • Die Wissenschaftler beziehen sich dabei auf Studien, die im Rahmen der Sars-I- und Mers-Epidemien durchgeführt wurden.

  • Laut den Wissenschaftlern gibt es aktuell Hinweise darauf, dass eine Corona-Erkrankung über die akute Erkrankung hinaus Auswirkungen auf das Atmungssystem und den Blutkreislauf hat.

Über 40’000 Menschen in der Schweiz haben bisher eine Erkrankung mit dem Coronavirus überlebt. In ihrem neuen Policy Brief beschäftigt sich die nationale Covid-19-Taskforce mit der Frage zu möglichen Langzeitfolgen der Erkrankung. Aufgrund des bisherigen Wissenstands hält sie es für plausibel, dass bei Covid- 19 prinzipiell mit Spätfolgen zu rechnen ist.

Die Wissenschaftler beziehen sich dabei auf Studien, die im Rahmen der Sars-I- und Mers-Epidemien durchgeführt wurden. Überlebende Menschen dieser Krankheiten wiesen nach einem Jahr deutliche Einschränkungen der Lungenfunktion und der Lebensqualität auf.

Zwischen 11 und 45 Prozent der Patienten hätten nach einem Jahr eine Einschränkung der Diffusionskapazität der Lunge (Gasaustausch in der Lunge, Anm. der Red.) gezeigt, so die Taskforce. Auch sei die Lebensqualität nach einem Jahr bei bis zu 17 Prozent der Patienten tiefer gewesen.

Einschränkungen bei Lungenfunktion

Aus den wichtigsten aktuellen Forschungsergebnissen über mögliche Spätfolgen von Covid-19 schliesst das Gremium, dass diese von der Schwere der Krankheit abhängen. Bis zu 61 Prozent der hospitalisierten Patienten weisen einen Monat nach Spitalaustritt relevante Einschränkungen in der Lebensqualität auf. «Dazu gehören Atemnot und ein bisher nicht normalisierter Gesundheitszustand.»

Rund 50 Prozent der Spitalpatienten zeigen Einschränkungen bei der Lungenfunktion und Veränderungen in der Computertomografie. «Ob dies Zeichen einer beginnenden irreversiblen Lungenfibrose sind, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht klar.»

Kein Gefühl von Gesundheit

Rund ein Drittel der Patienten fühlt sich einen Monat nach der Erkrankung noch nicht gesund. Laut den Wissenschaftlern gibt es aktuell Hinweise darauf, dass eine Corona-Erkrankung Auswirkungen auf das Atmungssystem und den Blutkreislauf hat, die länger andauern als die akute Erkrankung. Auch seien Auswirkungen auf das Gehirn anzunehmen. Viele Patienten würden etwa über eine übermässige Erschöpfbarkeit oder auch Gelenkschmerzen berichten, heisst es im Policy Brief weiter. Derzeit fehlten dafür aber eindeutige Studien.

Einen bis zwei Monate nach Spitalaustritt haben bis zu 43,4 Prozent der Patienten das Gefühl, unter einer Atemnot zu leiden. Die Taskforce sieht darin jedoch keinen Beleg für Langzeitfolgen, da Patienten bei Austritt aus dem Spital oder auch kurz danach noch messbare Defizite aufweisen. Zudem seien hauptsächlich Patienten mit schwerem Verlauf untersucht worden. Es stelle sich daher die Frage, ob Einschränkungen nach der Erkrankung mit einer vorbestehenden und nicht diagnostizierten Lungenschädigung zusammenhängen.

Verlässliche Ergebnisse fehlen, da es laut dem Gremium bisher wenig systematische Daten zu den mittelfristigen Folgen von Corona-Patienten gibt. Der Taskforce stellen sich für die nächsten Monate und Jahre noch viele offene Fragen mit Erklärungsbedarf.

Noch nicht fit

Kürzlich untersuchte die Universität Zürich die Langzeitfolgen einer Coronavirus-Infektion. Laut dieser Studie sind 22 Prozent der Patienten nach sechs Monaten noch nicht ganz fit. Wie zudem Schilderungen von «20 Minuten»-Lesern zeigen, leiden einige Betroffene nach der Erkrankung etwa unter fehlendem Geruchs- und Geschmackssinn oder Kurzatmigkeit.

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39 Kommentare
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Magaa

22.11.2020, 10:10

Kaum zu fassen....egal welche Viren hinterlassen enorme Gesundheitsfolgen...EBV,Zytom....wie nun auch Corona..nur schaut man nun bei diesen hin und erkennt Spätfolgen,welche bei allen anderen es immer heisst - man bildet sich dies ein......

Lou

21.11.2020, 22:43

Es gibt auch Spätfolgen von Impfungen!! Leider werden die kaum kommuniziert, geschweige denn Publiziert, weil die Ärzte behaupten es bestehe kein Zusammenhang. Verkehrte Welt.

Danilo

21.11.2020, 22:40

Einige Spätfolgen sind seit Monaten bekannt und es werden je länger je mehr. Obwohl es Covid-19 noch nicht sehr lange gibt, gibt es Patienten welche auch Monate nach der Erkrankung nicht vollständig genesen sind.