31.07.2020 05:47

«Widerspruchslösung»

Soll die Tracing-App mit System-Update auf Handys kommen?

Die Taskforce des Bundes hat eine Idee, um die Nutzung der Schweizer Tracing-App zu steigern : Mit dem Update von iOS oder Android soll auch die App installiert werden – es sei denn, der Nutzer deaktiviert ein Häkchen.

von
Daniel Waldmeier
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Mit der Corona-App will der Bund Corona-Infektionsketten unterbrechen.

Mit der Corona-App will der Bund Corona-Infektionsketten unterbrechen.

KEYSTONE
Ursprünglich hätte die Corona-App ab dem 11. Mai verfügbar sein sollen.

Ursprünglich hätte die Corona-App ab dem 11. Mai verfügbar sein sollen.

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Da das Parlament in der App einen potenziellen Eingriff in die Grundrechte sah, musste zuerst noch eine gesetzliche Grundlage für die App geschaffen werden.

Da das Parlament in der App einen potenziellen Eingriff in die Grundrechte sah, musste zuerst noch eine gesetzliche Grundlage für die App geschaffen werden.

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Darum gehts

  • Steigen die Fallzahlen, könnte die Corona-App Infektionsketten unterbrechen. Ökonomen wollen dafür sorgen, dass mehr Schweizer die App installieren.
  • Sie schlagen vor, die User zu einem Entscheid für oder gegen die Tracing-App zu zwingen.
  • Vorbild sind Massnahmen, die zu mehr Organspenden führen.

Die Wirksamkeit der Swiss-Covid-App ist bis jetzt begrenzt: Die Zahl der aktiven Apps stagniert laut neuer Berechnung des Bundesamts für Statistik bei rund 1,2 Millionen. Aus Sicht des Bundes wäre es aber wünschenswert, dass eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer die App nutzt. Jetzt denkt die wissenschaftliche Covid-Taskforce darüber nach, wie der App neuen Schub verliehen werden könnte.

Die Gruppe von Ökonomen der Uni Lausanne und der ETH regt in einem kürzlich aktualisierten Strategiepapier eine Art Widerspruchslösung an, wie sie auch im Bereich der Organspende angewendet wird. Konkret: Bei einem Update des Betriebssystems soll die Tracing-App auf dem Handy installiert werden. Dabei müssten die User ein Häkchen deaktivieren, wenn sie die App nicht auf ihrem Gerät wollten. Damit bleibe die Wahlfreiheit gewahrt, argumentieren die Forscher. Alternativ könnten die Smartphone-Nutzer im Update-Prozess gefragt werden, ob sie die App installieren wollen oder nicht.

Auf Tiktok will das BAG junge Menschen dazu ermuntern, die App herunterzuladen.

Video: @swisspublihealth via Tiktok

Inspiriert von Organspende

Von der Organspende wisse man, dass ein Hauptgrund für eine tiefe Organspenderate sei, dass sich die Leute mit der Frage gar nicht auseinandersetzen wollten, schreiben die Wissenschaftler. Würden die Leute zu einer Entscheidung gezwungen, spende ein viel grösserer Teil seine Organe. Dies ist bei der sogenannten Widerspruchslösung der Fall, welche die Spenderate massiv erhöht. Dort ist die Organspende der Standard. Wer seine Organe nicht spenden möchte, muss dies aktiv deklarieren.

Laut den Wissenschaftlern haben es Apple und Google bislang abgelehnt, die App beim Update auf die Smartphones zu bringen. Flamme die Pandemie wieder auf, müsse der Entscheid aber neu beurteilt werden. Ebenfalls genauer zu klären sei die rechtliche Situation: So verlangt das Gesetz, dass die Verwendung der App freiwillig ist.

BAG verfolgt Idee nicht weiter

Das BAG erteilt der Idee aus diesem Grund eine Abfuhr. In einem Tweet schreibt das Bundesamt, die Idee werde nicht weiterverfolgt.

Ein Komitee will die App trotzdem schon aus dem Verkehr ziehen. So hat eine Gruppe um SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor das Referendum gegen die gesetzliche Grundlage der App ergriffen. Die Kritiker befürchten «eine digitale Diktatur».

* Update 31.07.2020, 14.00 Uhr: In einer ersten Version hiess es im Titel, die Taskforce wolle die Tracing-App mit einem System-Update aufs Handy bringen. Korrekt ist, dass sie das vorschlägt für den Fall, dass die Fallzahlen weiter ansteigen sollten. Der Artikel wurde entsprechend präzisiert.

15 Minuten Kontakt

So funktioniert die Covid-App

Wird ein Nutzer der Swiss-Covid-App positiv auf das Coronavirus getestet, erhält diese Person von den kantonalen Behörden den Covid-Code (Freigabecode). Der Infizierte kann dann die Benachrichtigungsfunktion in der App aktivieren. Dadurch warnt die Person andere App-Nutzer, mit der sie zwei Tage vor Ausbruch der Krankheitssymptome in engem Kontakt stand. Eine Meldung wird ausgelöst, wenn die positiv getestete Person innerhalb eines Tages insgesamt mindestens 15 Minuten mit einem Abstand von weniger als 1,5 Metern in der Nähe von mindestens einer infizierten Person war.

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518 Kommentare
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NP

01.08.2020, 15:40

Wieder etwas entwickelt mit unserem Geld was nichts bringt. Einfach nur schade wie da Gekder zum Fenster raisgeworfen werden

nogo

01.08.2020, 09:44

Eine freie Meinungsäusserung ist hier nicht gewährleistet, für die liberale Schweiz gesetzeswidrig!

Weltenbummler

01.08.2020, 03:20

Täglich sterben ca. 20000 Kinder an Hunger weltweit. Wieviele an Corona? Was die brauchen ist essen und keine Impfung gegen Corona. Und wir diskutieren in der CH um eine App.