Küsnacht ZH: «Tat war äusserst brutal» – Mann wegen Mordes an Millionärin zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt
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Küsnacht ZH«Tat war äusserst brutal» – Mann wegen Mordes an Millionärin zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt

Das Obergericht Zürich verurteilte am Montag einen 78-jährigen Mann wegen Mordes zu 13 Jahren Gefängnis. Es bestätigte damit das Urteil der Vorinstanz. 

von
Lynn Sachs
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Ein heute 78-jähriger Mann wurde 2017 auf Teneriffa verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert.

Ein heute 78-jähriger Mann wurde 2017 auf Teneriffa verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert.

Guardia Civil
Er soll 1997 eine 86-jährige Frau getötet haben. Am Montag muss er sich vor dem Zürcher Obergericht verantworten.

Er soll 1997 eine 86-jährige Frau getötet haben. Am Montag muss er sich vor dem Zürcher Obergericht verantworten.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Im Sommer 1997 wurde eine 86-jährige Frau in einer Villa in Küsnacht ZH tot aufgefunden.

  • Sie starb laut Anklageschrift an den Schlägen und der anschliessenden folterähnlichen Fesselung. Sie musste einen ein- bis zweistündigen «elenden und qualvollen Todeskampf» erleiden.

  • Ein heute 78-jähriger Italiener wurde zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt.

In einer Villa in Küsnacht ZH hatte die Polizei im Juli 1997 die Leiche einer 86-jährigen Frau gefunden. Die Witwe lag mit den Armen auf den Rücken gefesselt in der Waschküche und war brutal geschlagen worden. Ein heute 78-jähriger Italiener stand am Montag vor dem Obergericht Zürich. Gleich zu Beginn der Verhandlung unterbrach er den Richter, als dieser ihn zu seinen Personalien befragte: «Sind wir hier, um einen Mord zu klären oder meine Vergangenheit zu besprechen? Meine Vergangenheit interessiert mich nicht», so der Beschuldigte. Im Anschluss beteuerte er seine Unschuld. «Ich bin wegen eines Mordes angeklagt, den ich nicht begangen habe.» In der Anklageschrift sei «alles falsch», so der 78-Jährige. 

Das sah das Obergericht anders. Es bestätigte das Urteil der Vorinstanz und folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigerin hatte hingegen einen Freispruch gefordert. «Die Tat war äusserst brutal. Wer ein Opfer in einem solchen Zustand zurücklässt, nur um nicht von der Polizei gefasst zu werden, beweist eine äusserst skrupellose Haltung», sagt der Richter bei der Urteilsbegründung. Der Beschuldigte habe den Tod der 86-Jährigen in Kauf genommen. Die Mordqualifikation sei sowohl betreffend dem Beweggrund wie auch der Ausführung erfüllt. Laut Anklage starb die Frau an den Schlägen und der anschliessenden folterähnlichen Fesselung. Sie habe einen ein- bis zweistündigen «elenden und qualvollen Todeskampf» erleiden müssen.

Im November 2021 wurde der 78-Jährige vom Bezirksgericht Meilen wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt. Das Urteil begründete das Bezirksgericht mit der besonderen Skrupellosigkeit, mit welcher der Täter vorgegangen war. Dies als Zusatzstrafe zu den sieben Jahren, welche das Regionalgericht Berner Oberland im Juni 2018 ausgesprochen hatte. Der 78-Jährige muss insgesamt 20 Jahre ins Gefängnis. 2016 hatte der Mann in Thun eine Juwelierfamilie überfallen. Er wurde 2017 auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert.

«Nur ein Wahnsinniger würde so etwas machen»

Während des Prozesses vor dem Bezirksgericht Meilen wie auch vor dem Obergericht Zürich stritt der Beschuldigte nicht ab, in der Villa gewesen zu sein. Er habe mit der 86-Jährigen während rund neun Monaten eine sexuelle Beziehung geführt. Deshalb sei es auch nicht überraschend, dass man DNA-Spuren von ihm in der Villa fand. «Ich war monatlich ein bis zwei Mal bei ihr im Haus. Sie bezahlte mich für ihre sexuellen Fantasien», sagte er am Montag vor dem Obergericht. Sie habe ihm insgesamt 300’000 Franken bezahlt. Zeugen und Zeuginnen gebe es keine: «Sie wollte nicht, dass jemand davon erfährt», so der Beschuldigte. Zur Tat meinte er: «Nur ein Wahnsinniger würde so etwas machen. Ich würde nie eine Frau schlagen, die mir so viel Geld bezahlt. Das würde nur ein Dummkopf machen.»

Während des Prozesses spielte das Obergericht einen Anruf beim Sanitätsnotruf ab. Man hört, wie eine Person in gebrochenem Englisch die Sanität dazu auffordert, zu einer Adresse in Küsnacht zu fahren. Es sei dringend. Der Anrufer spricht von einer älteren Dame. Danach bricht der Anruf ab. Die Adresse stimmt mit derjenigen des 86-jährigen Opfers überrein. Laut dem Beschuldigten habe er diesen Anruf nicht getätigt. «Das ist nicht meine Stimme», sagte er am Montag vor dem Obergericht. Zum Schluss sagte er: «Wenn ich dieses Verbrechen begangen hätte, wäre ich danach nicht etliche Male in die Schweiz zurückgekehrt. Ich habe das nicht getan. Ich habe dieser Frau Licht und Wärme gebracht.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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