Luzern: «Tausende Fasnächtler in der Altstadt, das wird nicht möglich sein»
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Luzern«Tausende Fasnächtler in der Altstadt, das wird nicht möglich sein»

Die Fasnacht 2021 soll in Luzern stattfinden, trotz Corona. Nur wie? Darüber debattierten kürzlich 30 Vertreter von allen involvierten Institutionen.

von
Martin Messmer

So wird es 2021 nicht mehr sein: Dichtes Gedränge am Monstercorso an der letzten Fasnacht im März 2020.

Archivvideo 20 Minuten

Darum gehts

  • 2021 soll in Luzern die Fasnacht stattfinden – allerdings nicht so, wie man sie kennt.
  • Vertreter von Stadt, Kanton, LFK, Vereinigten, Gastrobetrieben, Feuerwehr und Polizei tauschten sich aus, wie man die Fasnacht Corona-konform machen könnte.
  • Klar scheint: Grosse Menschenansammlungen mit dichtem Gedränge werden nicht drin liegen.

Fasnachtsfieber und Coronavirus: Geht das zusammen? Ja, meint die Vereinigte, die grösste Fasnachtsorganisation der Zentralschweiz, in der über 80 Guuggenmusigen mit 4000 Fasnächtlern organisiert sind. In einer Absichtserklärung hält die Vereinigte fest: «Die Fasnacht findet vom 11. bis 16. Februar 2021 statt. Es ist alles Mögliche dafür zu unternehmen, dass die rüüdige Fasnacht im Vereinigte-Land stattfinden kann. Die Tambourmajoren bekennen sich zur Absicht, die Fasnacht durchzuführen. Nichts ist stärker als unser Luzerner Fasnachtsvirus.»

«Keine Fasnacht ist keine Alternative»

Am Montagabend nun haben sich Vertreter von Stadt, Kanton, LFK, Vereinigten, Gastrobetrieben, Feuerwehr, Polizei und Strasseninspektorat getroffen, um Ideen auszutauschen, wie man die Fasnacht trotz Corona durchführen könnte. Klar ist auch für das Luzerner Fasnachtskomitee LFK: «Ich bin zuversichtlich, dass es auch 2021 eine Fasnacht geben könnte. Denn keine Fasnacht ist keine Alternative», sagt LFK-Sprecher Peti Federer. Allerdings sei es nicht realistisch, eine Fasnacht durchzuführen, wie man sie kenne. «Der Fötzeliräge etwa mit Tausenden Fasnächtlern in der Altstadt, das wird nicht möglich sein», so Federer. Die Fasnacht 2021 müsse dezentraler und kleiner werden, zum Beispiel mit kleineren Veranstaltungen in den Quartieren. Auch die Umzüge mit jeweils Zehntausenden Fasnächtlern am Strassenrand könnten wohl nicht genauso durchgeführt werden wie bisher. Fix ist indes noch gar nichts. Nur eines ist für Federer klar: «Wenn wir eine Fasnacht wollen, dann sind jetzt kreative Ideen gefragt.»

Auch Vereinigte-Präsident Robert Marty sagt, seine Organisation sei «sicher, dass in irgendeiner Form eine Fasnacht stattfindet». Allerdings eine, bei der unter den geltenden Regeln des BAG und des Kantons Luzern eine grosse Flexibilität gefragt sei, denn es sei klar, dass die Gesundheit oberste Priorität habe.

«Die Guuggenmusigen sind bereits am Proben und am Basteln»

Laut Epidemiologe Marcel Tanner ist es durchaus möglich, dass die Fasnacht 2021 stattfinden kann. Er findet es gut, dass in Luzern sich alle beteiligten Institutionen an einen runden Tisch setzen: «In einer solchen Situation wie jetzt bringt es nichts, einfach Forderungen zu formulieren. Sondern es ist jetzt Zusammenarbeit gefragt, um gemeinsam Schutzkonzepte zu erarbeiten.» Er könnte sich vorstellen, dass man Möglichkeiten sucht, um an der Fasnacht die grössten Menschenansammlungen zu verhindern. Er empfiehlt wie auch Federer dezentrale Anlässe. «Es gibt viele Ideen. Aber jetzt ist es noch zu früh, man kann jetzt im September nicht etwas beschliessen, was dann im Februar gültig sein soll.» Natürlich müsse man die epidemiologische Entwicklung im Februar berücksichtigen. Dennoch sagt Tanner: «Ich rate dazu, die Fasnacht zu planen, um so Ausblicke zu schaffen.»

Genau das tun die Guuggenmusigen derzeit auch. Vereinigte-Präsident Robert Marty sagt: «Die meisten unserer Mitglieder sind in der Vorbereitung mit Basteln und Proben.» Für die Proben übrigens haben die Guuggen das Schutzkonzept des Schweizerischen Blasmusikverbandes übernommen. Nicht mit Vorbereitungen beschäftigt ist jedoch Nostradamus Luzern: Wie die Fasnachtsgruppe auf Facebook mitteilte, wird sie an der nächsten Fasnacht nicht dabei sein: «Wir können uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen, dass die Fasnacht 2021 so durchgeführt werden kann, wie wir sie lieben! Wir wollen die ganze Fasnacht!»

«Allen ist klar, dass die Grossveranstaltungen fraglich sind»

Die Stadt Luzern teilte auf Anfrage mit, dass am runden Tisch in Sachen Fasnacht 2021 noch keine Entscheide gefällt wurden. Sondern: « Auf Basis der aktuellen Covid-19-Verordnung des Bundes und deren Umsetzung im Kanton nahmen die Teilnehmenden individuell Stellung und teilten offen ihre Einschätzungen zu den anerkannt schwierigen Rahmenbedingungen.» Die Beteiligten würden nun in ihren Organisationen besprechen, was der Austausch für ihre weiteren Planungen bedeuten könne. «Den Teilnehmern war am Schluss klar, dass sicher die Grossveranstaltungen infrage gestellt sind», teilte die Stadt mit. Gemeinsam wurde vereinbart, dass man sich nach den Herbstferien zu einem weiteren Austausch treffen wird. Die Öffentlichkeit werde dann informiert, wenn Entscheide gefällt seien.

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