Tausende Impfkritiker missbrauchen Herzstillstand von Christian Eriksen
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«Eriksen hat sich gegen Corona geimpft»Tausende Impfkritiker missbrauchen Herzstillstand von Christian Eriksen

Dänemark-Star Christian Eriksen geht es besser. Die Fussballwelt, sie ist froh darüber. Auf Social Media werden derweil falsche Theorien verbreitet.

von
Nils Hänggi
Tobias Wedermann
(aus Rom)

Am Samstag sangen die Fans für Christian Eriksen.

SRF

Darum gehts

  • Am Samstag brach Christian Eriksen auf dem Feld zusammen.

  • Mittlerweile geht es dem Dänemark-Star wieder besser.

  • Auf Social Media herrscht dennoch grosse Unruhe.

  • Es kursieren Gerüchte, dass sich Eriksen kurz vor der EM gegen Corona geimpft hat.

Mittlerweile geht es Christian Eriksen wieder besser. Er postete nach seinem Herzstillstand im EM-Spiel gegen Finnland (0:1) bereits ein Selfie aus dem Spital. Die Fussballwelt, sie kann also aufatmen. Doch auf Social Media herrscht grosse Unruhe in gewissen Kreisen. Der Vorfall, der weit über die Grenzen der Fussballwelt für einen Riesen-Schock sorgte, wird von Impfgegnern missbraucht. «Christian Eriksen hat sich kurz vor der EM gegen Corona geimpft», «er hat den Imfpstoff von Pfizer bekommen», «die Corona-Impfung ist schuld am Zusammenbruch». Rasend schnell wurden diese Theorien auf Twitter, Instagram und Telegram verbreitet. Zehntausende User und Userinnen sehen sie – und teilen sie weiter.

Das Problem an diesen Theorien? Sie sind alle falsch. Sie wurden noch am gleichen Tag des Zusammenbruchs schnell und resolut dementiert. Inter-Mailand-Geschäftsführer Beppe Marotta sagte beispielsweise: «Eriksen ist nicht gegen Covid geimpft worden.» Und auch der dänische Mannschaftsarzt Marten Boesen dementierte entsprechende Meldungen auf einer Pressekonferenz.

«Die wahre Antwort wird von ihm kommen»

Genützt haben diese Aussagen aber nur wenig. Die Behauptungen werden weiterhin verbreitet. Noch mehr Aufmerksamkeit erhielten die Theorien, als ein Tweet des Accounts «Lubos Motl» die Runde machte, dass ein Arzt von Inter Mailand dem italienischen Radiosender Radio Sportiva mitgeteilt habe, dass Eriksen am 31. Mai den Pfizer/Biontech-Impfstoff erhalten habe. Zwar dementierte auch der Sender diese Meldung und teilte mit, dass sich nie eine Person des medizinischen Personals von Inter bei ihnen gemeldet habe. «Lubos Motl» löschte daraufhin seinen Tweet und meinte: «Meine Quelle könnte unwahr gewesen sein.»

Das Problem: Das Dementi und der neue Tweet von «Lubos Motl» gingen nicht viral. Sie versanken in den Tiefen der sozialen Medien. Und viele Impfgegner und -kritiker teilten noch immer fleissig die zuerst genannten Informationen. Gar ehemalige Fussballer wie etwa Matt LeTissier, der unter anderem beim englischen Premier-League-Club FC Southampton spielte und auf Twitter rund 531’000 Follower hat. Auch Alex Berenson, ein ehemaliger Reporter der «New York Times» und bekannter Corona-Skeptiker teilte den Beitrag von «Lubos Motl». Nachdem Inter Mailand bestätigt hatte, dass Eriksen nie geimpft wurde, twitterte Berenson, der fast 271’000 Follower hat: «Einige Leute sind nicht überzeugt. Die wahre Antwort wird von ihm und seinen Ärzten kommen, wenn sie sprechen.» Die Ärzte bestätigten aber die Nicht-Impfung des Dänemark-Stars Christian Eriksen.

Eriksen musste im Spiel gegen Finnland reanimiert werden.

SRF

Dutzende Fälle von Herzmuskelentzündungen

Doch wie kommen überhaupt die Gerüchte zustande, dass der Pfizer/Biontech-Impfstoff der Grund für den Kollaps war? Impfkritiker und -skeptiker argumentieren insbesondere mit einer Meldung, die im Frühling publiziert wurde. So waren etwa in Israel nach Impfung mit dem Pfizer/Biontech-Impfstoff Dutzende Fälle von Herzmuskelentzündungen aufgetreten.  Eine Analyse des Gesundheitsministeriums von Israel ergab anschliessend, dass eine Myokarditis-Erkrankung häufiger nach den Impfungen auftrat, als es durchschnittlich in der Bevölkerungsgruppe der Fall ist.

Bis Anfang Juni stellte Swissmedic auch in der Schweiz zwei konkrete Fälle einer Myokarditis nach der Impfung fest. Mit dem Kollaps, dem Herzstillstand und den schockierenden Bildern von Christian Eriksen haben diese Nebenwirkungen trotzdem nichts zu tun: Denn der 29-jährige Däne wurde nie gegen Corona geimpft.

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