27.03.2020 20:16

Coronavirus

«Tausende Jobs auf dem Bau würden vernichtet»

Der Bundesrat kann es Kantonen ab sofort erlauben, ganze Geschäftszweige lahmzulegen. Die Baubranche warnt vor überstürzten Schliessungen.

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cse/dk
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Am Freitag stellte der Bundesrat neue Massnahmen zur Bekämpfung gegen das Corona-Virus vor. Der Bundesrat kann es den Kantonen in Zukunft erlauben, für eine gewisse Zeit die Tätigkeit ganzer Wirtschaftsbranchen einzuschränken oder einzustellen.

Am Freitag stellte der Bundesrat neue Massnahmen zur Bekämpfung gegen das Corona-Virus vor. Der Bundesrat kann es den Kantonen in Zukunft erlauben, für eine gewisse Zeit die Tätigkeit ganzer Wirtschaftsbranchen einzuschränken oder einzustellen.

Keystone/Peter Klaunzer
Eine betroffene Branche ist die Baubranche. Auf diesen ist der Platz oft eng, der Mindestabstand von zwei Metern wird nicht immer eingehalten.

Eine betroffene Branche ist die Baubranche. Auf diesen ist der Platz oft eng, der Mindestabstand von zwei Metern wird nicht immer eingehalten.

UNIA
Auch in den Baracken, in denen Besprechungen stattfinden und Pausen gemacht werden, kann nicht immer genügend Abstand gehalten werden.

Auch in den Baracken, in denen Besprechungen stattfinden und Pausen gemacht werden, kann nicht immer genügend Abstand gehalten werden.

UNIA

Am Freitag stellte der Bundesrat neue Massnahmen zur Bekämpfung gegen das Corona-Virus vor. Der Bundesrat kann es den Kantonen in Zukunft erlauben, für eine gewisse Zeit die Tätigkeit ganzer Wirtschaftsbranchen einzuschränken oder einzustellen. «Damit tragen wir insbesondere der Situation im Tessin Rechnung», sagte Gesundheitsminister Alain Berset an der Medienkonferenz. «Wir sind in der Bewältigung einer Krise und müssen flexibel bleiben.»

Die Schliessung von Betrieben soll dann in Betracht gezogen werden, wenn die entsprechenden Kantone nicht über genügend Kapazitäten in der Gesundheitsversorgung verfügen und die Branchen nicht in der Lage sind, die Präventionsmassnahmen einzuhalten. Eine weitere Bedingung ist, dass die betroffenen Wirtschaftsbranchen nicht mehr voll funktionsfähig sind, da Grenzgänger ausbleiben.

«Hygienemassnahmen werden häufig nicht umgesetzt»

Bei der Gewerkschaft Unia begrüsst man die Massnahmen des Bundesrates. «Wichtig ist jetzt vor allem, dass die Kantone endlich handeln und die Hygienemassnahmen in den Betrieben kontrollieren», sagt Sprecher Serge Gnos. «Gerade im Bau beobachten wir, dass die BAG-Massnahmen häufig nicht umgesetzt werden. Vor allem in der Deutschschweiz.»

Gnos fordert: «Wenn die Hygienemassnahmen auf den Baustellen und anderen Unternehmen ausserhalb essentieller Sektoren wie Gesundheit, Versorgung, Infrastruktur und Sicherheit nicht eingehalten werden, muss man diese sofort schliessen.»

Baustellen als Stütze der Gesellschaft

Die Corona-Epidemie stelle die Gesellschaft und mit ihr auch den Bau vor grosse Herausforderungen, sagt Matthias Engel vom Schweizerischen Baumeisterverband. «Eine generelle Schliessung der Baustellen würde tausende Arbeitsplätze vernichten und Unternehmen in den Konkurs treiben, obwohl auf vielen Baustellen die Schutzvorschriften gut eingehalten werden können.»

Die Baubranche, die laut Engel rund 10 Prozent des BIP erwirtschafte und rund 200'000 Arbeitnehmende beschäftige, sei eine wichtige Stütze für die Gesellschaft. «Sie leistet aktuell einen grossen Beitrag für die Bewältigung an der Corona-Krise.» Der Bundesrat habe diesbezüglich klare Lösungen für die Sonderlage im Tessin gefunden. «Er hat heute ausdrücklich festgehalten, dass eine solche Ausnahme aktuell nur im Tessin gerechtfertigt ist.»

«Verlangsamen statt einstellen»

Bei den Volkswirtschaftsdirektoren ist man erfreut über die «Konkretisierungen» durch den Bundesrat. «Es ist wichtig, dass alle Kantone bei den Kontrollen der Hygienevorschriften am gleichen Strick ziehen und es nicht zu Alleingängen kommt», findet Christoph Brutschin, Präsident der Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren und Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt.

«Bei besonders betroffenen Branchen wie den Baustellen sollten die Arbeiten vor allem verlangsamt statt eingestellt werden.» Eine Schliessung sei erst dann in Betracht zu ziehen, wenn die Vorschriften wiederholt nicht eingehalten würden. «Wir müssen darauf achten, dass die Wirtschaft nach aller Möglichkeit stabil aufrechterhalten wird», so Brutschin.

Dieser Ansicht ist auch der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV). Er warnt in einer Mitteilung davor, zu viele Unternehmen zu schliessen. Flächendeckende Stilllegungen von Betrieben würden eine Kettenreaktion mit unabsehbaren Folgen für das Kunden- und Lieferantennetz auslösen. «Die wirtschaftliche Erholung nach dem Abklingen der Pandemie würde gefährdet.»

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