Gerötete Augen und Apathie: Tausende Lenker fahren unter Drogen Auto
Aktualisiert

Gerötete Augen und ApathieTausende Lenker fahren unter Drogen Auto

Die Zahl der Ausweisentzüge wegen Drogen am Steuer verdoppelte sich fast. Was sind die Gründe?

von
B. Zanni

Die Fachstelle ASN «Am Steuer nie» zeigt in einer Simulation, dass bei Fahrern unter Drogeneinfluss nur noch ein Teil des Gesichtsfelds aktiv ist.

Mit 115 km/h statt der geltenden 80 km/h bretterte P.F. * 2017 über die Strasse in Domat/Ems GR. Es kam zu einem frontalen Zusammenprall – die 26-jährige Rollerfahrerin Larissa Caviezel verlor ihr Leben. P.F* fuhr nicht nur viel zu schnell, sondern hatte auch noch eine hohe THC-Konzentration im Blut. Dass Autofahrer unter Drogeneinfluss am Steuer sitzen, kommt häufiger vor. Zwischen 2012 und 2018 stieg die Anzahl der Ausweisentzüge wegen Fahrens unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss von rund 2800 auf 4600, wie das TCS-Magazin «Touring» schreibt.

Die Entwicklung bereite den Polizeikorps Sorgen, sagt Damian Meier, Präsident der Verkehrskommission der Polizeikommandanten KKPKS. «Schweizweit müssen wir mittlerweile leider fast täglich Automobilisten aus dem Verkehr nehmen, die unter Drogeneinfluss ihr Fahrzeug lenken.» Die Autofahrer verrieten den Drogenkonsum nicht nur durch gerötete Augen, erweiterte Pupillen oder den typisch süsslichen Cannabisgeruch. «Die Polizisten erwischen auch Lenker, die apathisch oder mit Ausfallerscheinungen hinter dem Steuer sitzen.»

Mühe beim Aussteigen

Manche fallen laut Meier auch auf, weil sie Schlangenlinien fahren. Teilweise hätten die Fahrer unter Drogeneinfluss starke Koordinationsstörungen. «Es fällt ihnen dann schwer, aus dem Auto auszusteigen.»

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU zieht ähnliche Schlüsse. «Wir stellen fest, dass pro Jahr etwa 150 schwere Unfälle auf den Drogen- oder Medikamentenkonsum zurückzuführen sind», sagt BfU-Sprecher Marc Kipfer. Die BfU vermute dazu eine hohe Dunkelziffer. «Noch lange nicht alle Lenker, die unter Drogeneinfluss fahren, werden erwischt.»

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ass Autofahrer unter Drogeneinfluss am Steuer sitzen, kommt häufiger vor. Zwischen 2012 und 2018 stieg die Anzahl der Ausweisentzüge wegen Fahrens unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss von rund 2800 auf 4600, wie das TCS-Magazin «Touring» schreibt.

ass Autofahrer unter Drogeneinfluss am Steuer sitzen, kommt häufiger vor. Zwischen 2012 und 2018 stieg die Anzahl der Ausweisentzüge wegen Fahrens unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss von rund 2800 auf 4600, wie das TCS-Magazin «Touring» schreibt.

Sestovic
Die Fachstelle ASN «Am Steuer nie» zeigt in einer Simulation, dass bei Fahrern unter Drogeneinfluss nur noch ein Teil des Gesichtsfelds aktiv ist. Die Betroffenen haben dann einen sogenannten Tunnelblick.

Die Fachstelle ASN «Am Steuer nie» zeigt in einer Simulation, dass bei Fahrern unter Drogeneinfluss nur noch ein Teil des Gesichtsfelds aktiv ist. Die Betroffenen haben dann einen sogenannten Tunnelblick.

ASN
«Schweizweit müssen wir mittlerweile leider fast täglich Automobilisten aus dem Verkehr nehmen, die unter Drogeneinfluss ihr Fahrzeug lenken», sagt Damian Meier, Präsident der Verkehrskommission der Polizeikommandanten KKPKS.

«Schweizweit müssen wir mittlerweile leider fast täglich Automobilisten aus dem Verkehr nehmen, die unter Drogeneinfluss ihr Fahrzeug lenken», sagt Damian Meier, Präsident der Verkehrskommission der Polizeikommandanten KKPKS.

Keystone/Patrick Straub

«Amphetamine werden bagatellisiert»

Das gefährliche Verkehrsverhalten leitet sich von einem veränderten Umgang mit Drogen ab. Laut Meier ist der Verkehr auf der Strasse immer auch ein Abbild der Gesellschaft. «Der Drogenkonsum kommt verbreiteter vor als bis anhin.» Auch Koni Wäch, Präsident der Szeneorganisation Eve & Rave, stellt fest, dass Aufputschmittel an Partys mittlerweile sehr beliebt sind.

Etwa Speed und Kokain würden oft bagatellisiert, sagt Wäch. «Da sie aufputschen und man sich nach dem Konsum wach und fit fühlt, glauben manche Konsumenten, sie könnten ohne Probleme noch Auto fahren.» Es sei üblich, dass sich die Partygänger innerhalb der Szene sagten: «Du hast ja nur Speed konsumiert.»

«Sie glauben, bekifft besser zu fahren»

Eve & Rave mache jedoch immer auf die Konsequenzen aufmerksam, so Wäch. «Wer Drogen konsumiert, hat eine verzögerte Reaktion und eine veränderte Wahrnehmung.» Leute setzten sich teilweise auch bekifft ans Steuer – mit der Überzeugung, dann besser zu fahren. «Es existiert der Irrglaube, man fahre unter Drogeneinfluss konzentrierter, weil man dann ja erst recht aufpassen müsse, keinen Unfall zu bauen.»

Vielfach unterschätzen die Fahrer laut Wäch aber auch die Nachweisbarkeit der Substanzen. Diese seien teilweise auch noch zwei Tage später im Blut nachweisbar.

Mehr Prävention gefordert

Die KKPKS fordert eine verstärkte Prävention. «Prävention ist früh nötig. Man muss Jugendlichen deshalb alle Konsequenzen des Drogenkonsums vor Augen führen», sagt Damian Meier. Da Drogen verboten seien, könne man mit expliziten Kampagnen gegen Drogen am Steuer weniger rechnen.

Auch Chantal Bourloud, Geschäftsführerin der Fachstelle ASN «Am Steuer nie», sagt: «Jegliche Drogen haben negative Auswirkungen auf die Fahrfähigkeit.» Es liefen Präventionsbestrebungen. «Eine Idee ist, vermehrt mit Plakaten in Club-Toiletten vor den Auswirkungen des Drogenkonsums zu warnen.» Im Fokus stehe nicht nur die Unfallgefahr. «Es muss auch bewusst gemacht werden, dass Drogenkonsum am Steuer mit Bussen, langem Fahrausweisentzug, Geldverlust und daher vielen Nachteilen im Alltag einhergeht.»

*Name der Redaktion bekannt

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