Wegen Unruhen: Tausende müssen aus Burma flüchten
Aktualisiert

Wegen UnruhenTausende müssen aus Burma flüchten

Im westlichen Burma sind nach tagelangen Unruhen Tausende Muslime vertrieben worden. Ein Gericht hat derweil zwei Männer zum Tode verurteilt. Und der Staatschef kündigt wirtschaftliche Reformen an.

Verzweifelte Rohingya müssen vor der Gewalt im Westen Burmas fliehen.

Verzweifelte Rohingya müssen vor der Gewalt im Westen Burmas fliehen.

Nach tagelangen ethnisch-religiösen Unruhen im Westen Burmas hat ein Gericht zwei Männer wegen der Vergewaltigung und Ermordung einer Buddhistin zum Tode verurteilt. Wie die Staatsmedien am Dienstag berichteten, brachte sich ein dritter Angeklagter vor Beginn des Prozesses in der Haft ums Leben.

Die Tat gilt als Auslöser der blutigen Unruhen im westlichen Bundesstaat Rakhine, bei denen mehr als 30 000 Menschen vertrieben und mehr als 2000 Häuser zerstört wurden. Laut UNHCR versuchen nach wie vor viele muslimische Rohingya ins Nachbarland Bangladesch zu fliehen. Das Land wolle aber keine Flüchtlinge zulassen und habe am vergangenen Sonntag 139 Menschen zurückgeschickt, sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards.

Am 3. Juni hatten aufgebrachte Buddhisten in einem Racheakt zehn Muslime gelyncht. Amtlichen Angaben zufolge wurden bei seither anhaltenden Zusammenstössen 50 Menschen getötet. Verschiedene Berichte legen nahe, dass die Opferzahl deutlich höher liegen könnte. Über Rakhine wurde der Ausnahmezustand verhängt.

Starke muslimische Minderheit in Burma

Im mehrheitlich buddhistischen Burma gibt es eine starke muslimische Minderheit, zu der auch knapp 800 000 Rohingya gehören, von denen die meisten in Rakhine leben. Sie sind nicht burmesische Staatsbürger und in ihren Rechten stark eingeschränkt. Viele Burmesen betrachten die Rohingya als illegale Einwanderer aus Bangladesch.

Insgesamt brauchen in Burma laut UNO 90 000 Menschen auf der Flucht vor ethnischen Konflikten dringend Hilfe. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) habe in der vergangenen Woche 66 000 Menschen mit Nahrung versorgt, zusätzliche Vorräte seien auf dem Weg nach Rakhine im Westen des Landes, sagte WFP-Sprecherin Elisabeth Byrs am Dienstag in Genf. Die Organisation plane einen dreimonatigen Einsatz in der Region.

Staatschef kündigt wirtschaftliche Reformen an

Derweil hat der burmesische Staatschef Thein Sein eine neue Welle von Reformen angekündigt. Mit dem Paket will er den wirtschaftlichen Aufschwung des verarmten Landes voranzutreiben. Angestrebt wird ein Wirtschaftswachstum von über 7 Prozent in den nächten fünf Jahren.

Die Regierung habe sich im ersten Jahr ihrer Amtszeit für politische Reformen und die nationale Versöhnung eingesetzt, sagte der frühere Armeegeneral am Dienstag in einer Rede an die Nation. Die zweite Phase des Reformprozesses solle nun der Entwicklung des Landes und der Menschen in Burma dienen.

Grundlage für den angestrebten Aufschwung in Burma sollen demnach Investitionen von ausländischen Firmen sein, die insbesondere an den Bodenschätzen des öl- und gasreichen Landes interessiert sind.

Die EU hatte im April ihre Sanktionen gegen Burma für ein Jahr auf Eis gelegt, um die dortigen Reformbestrebungen zu unterstützen. Auch die Schweiz hob im Mai fast alle Sanktionen gegen das asiatische Land auf. (sda/dapd)

Suu Kyi trifft U2-Bono

Die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi hat auf ihrer Europa-Reise einen ihrer bekanntesten Unterstützer getroffen: Den Sänger Bono von der irischen Rockband U2. Er sei beeindruckt von Suu Kyi, sagte Bono nach einer Friedenskonferenz in Oslo am Montag, an der sie beide teilnahmen. Bono hatte der jahrelang unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin im Jahr 2000 seinen Song «Walk on» gewidmet. Suu Kyi sagte, der Text des Liedes komme «sehr nah» an das heran, was sie tatsächlich fühle. Im Anschluss war ein gemeinsamer Flug nach Irland geplant, wo zu Suu Kyis Ehren ein Konzert geplant war. (dapd)

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